LL.M. an der Queen Mary, University of London

Erfahrungsbericht von Ann-Kristin Becker; Studentin an der Queen Mary, University of London

Mein englischer LL.M. à Paris

Als ich mich dazu entschied, nach dem Ersten Staatsexamen einen LL.M. zu machen, war klar: Ein normaler LL.M. kommt für mich nicht in Betracht. Ich suchte nach etwas Besonderem, etwas mit einer zusätzlichen Herausforderung. Am besten etwas, um meine Französischkenntnisse weiter zu verbessern. Schnell fand ich den LL.M., nach dem ich gesucht hatte: einen LL.M. an der Queen Mary, University of London, in Paris. Die anerkannte Londoner Universität bietet in Paris vier ihrer zahlreichen LL.M.-Spezialisierungen an. Das Ausbildungsprogramm ist das gleiche wie in London (die Professoren werden kurzerhand eingeflogen), mit dem klitzekleinen Unterschied des Eiffelturmblicks während des Unterrichts. Formidable!

Bewerbung und Vorbereitung

Nun, da ich meinen Wunsch-LL.M. gefunden hatte, musste ich nur noch angenommen werden. Die Bewerbung fand komplett online statt, alle Dokumente mussten hochgeladen und erst zum tatsächlichen Semesterbeginn im Original vorgelegt werden. Die Bewerbungsmöglichkeit stand lange online zur Verfügung. Trotzdem kam ich bei der Organisation der zahlreichen Dokumente spätestens beim TOEFL unter Zeitdruck. Da mein Prüfungstermin um fast zwei Monate nach hinten verlegt werden musste, weil es im TOEFL-Gebäude in Genf zu zahlreichen technischen Problemen kam, war ich froh, dass ich so viel Zeit eingeplant hatte. Denn es dauerte weitere sechs bis acht Wochen, bis der Brief mit dem Original des Prüfungsdokuments endlich aus den USA kam. Auch um die Übersetzung meiner Zeugnisse musste ich mich rechtzeitig kümmern. Nachdem ich dann alle Dokumente beisammenhatte, lud ich alles online hoch und wartete. Nach ein paar Wochen bekam ich die Zusage.

Nun begann die Vorbereitung auf mein Jahr im Ausland. Die Wahl eines LL.M. in einem EU-Nachbarland erleichtert einem unbestreitbar vieles. So erübrigen sich zum Beispiel aufwendige Visabeantragungen. Trotzdem musste ich mich um Dinge wie eine Auslandskrankenversicherung und eine Auslandskreditkarte kümmern. Bei Letzterer war mir vor allem wichtig, dass ich kostenlos Bargeld in Frankreich abheben kann. Das Bezahlen per EC-Karte ist hier, wie in Deutschland, kein Problem. Das Geldabheben hingegen kann sehr teuer werden.

Darüber hinaus musste ich natürlich auch irgendwo wohnen. Die Wohnungssuche stellte sich als überraschend schwierig heraus. Nicht nur, dass die Wohnungsannoncen im Internet ausschließlich auf Französisch waren. Wohnungen sind auch doppelt so klein wie in Deutschland und trotzdem doppelt so teuer. Zudem muss man eine Art Bewerbungsmappe anfertigen, in der man seine Bürgen angibt (inklusive Personalausweiskopie, Geburtsurkunde, Steuererklärung der letzten drei Jahre, Gehaltsnachweis der letzten drei Jahre – natürlich auf Französisch). Manchmal war es sogar Voraussetzung, dass der Bürge französischer Staatsbürger ist. Glücklicherweise zog ich in Paris mit meinem Freund zusammen, der mir diese bürokratischen Aufgaben größtenteils abnahm. Während ich nach einer neuen Bleibe suchte, kümmerte ich mich außerdem in Hamburg um einen Untermieter. Ich hatte Glück und fand jemanden, der bereit war, meine Wohnung für das ganze Jahr zu mieten. Eine Woche vor Abflug war dann alles organisiert, und das Abenteuer konnte beginnen.

Finanzierung und Lebenshaltungskosten

Leider gibt es so eine LL.M.-Erfahrung selten umsonst. Im Fall des Queen Mary LL.M. in Paris musste ich einen Plan machen, um ca. 14.000 Euro Studiengebühren zu finanzieren. Ich bewarb mich für eines der internen CCLS Stipendien, bekam es aber leider nicht. Ich musste daher an meine Ersparnisse gehen. Alternativ hätte es auch die Möglichkeit gegeben, die Gebühren in Raten abzubezahlen.

Was ich dann wohl zugegebenermaßen etwas unterschätzt hatte, sind die Lebenshaltungskosten, die in einer Stadt wie Paris hinzukommen. Ein Mittagsgericht geht hier bei zwölf Euro los. Einen günstigen Burger kriegt man für 15 Euro. Ein großes Bier in einer Bar kostet acht Euro und die Mietkosten hatte ich ja ebenfalls bereits erwähnt. Unsere Wohnung hat 32 qm und kostet 1.200 Euro kalt. Sie zählt damit zu den günstigen. Und dabei darf man ja nicht vergessen, ich wohne in Paris! Die Stadt der Mode, der Trends und der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten - das ist manchmal nicht ganz einfach. Das Wichtigste ist in der Hinsicht, vorbereitet zu sein. Aus diesem Grund geben manche Law Schools bereits auf ihrer Internetseite die ungefähren Lebenshaltungskosten mit an. Denn schnell ist man versucht, nur auf die Studiengebühren zu sparen und verliert die zusätzlichen Kosten dabei aus den Augen. Man muss realistische Pläne schmieden und sich an seine selbst gesetzten Vorgaben halten. Öfter mal selber kochen und am nächsten Tag eintuppern hat mir bis jetzt in jeder überteuerten Stadt geholfen.

Fazit

Das Leben in Paris ist ein Traum. Der LL.M. verbindet die einzigartige Erfahrung, an einer Londoner Universität zu studieren, mit den kleinen Freuden, die Paris so zu bieten hat. Dabei ist die Aufteilung der LL.M.-Kurse besonders von Vorteil. Sie finden vorwiegend in intensiven Blöcken statt und lassen dadurch genug Zeit, um Paris in vollen Zügen zu genießen. Ich kann diesen LL.M. daher jedem empfehlen, der seinem englischen LL.M. ein Fünkchen Besonderheit verschaffen will und den es in die Stadt der Liebe zieht.


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