LL.M. an der Nottingham Trent University

Erfahrungsbericht von Tim Gossen


Ausgangspunkt und Motivation

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Ich habe meinen LL.M. an der Nottingham Law School der Nottingham Trent University unmittelbar im Anschluss an mein erstes Staatsexamen absolviert. Der Wunsch, einmal eine Zeit lang im Ausland zu leben sowie meine Englischkenntnisse zu verbessern und die Arbeits- und Denkweise ausländischer Juristen kennen zu lernen, waren dabei die ausschlaggebenden Aspekte. Daher war der LL.M. für mich zum gegebenen Zeitpunkt gegenüber einer Promotion die attraktivere Zusatzqualifikation. Ein MBA war für mich wegen der sehr hohen Gebühren keine Alternative. Zudem habe ich durch eine wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung an der Universität Osnabrück bereits grundlegende Wirtschaftskenntnisse erworben. Die Entscheidung zugunsten Englands war meiner Sympathie für die englische Mentalität, den englischen Humor und insbesondere auch für den englischen Akzent sowie den noch humanen Studiengebühren geschuldet.

Die Law School und das Programm

Nachdem das Land damit feststand, ging es an die Suche nach einer geeigneten Law School mit einem interessanten Programm. Ausgangspunkt war dabei die Internetseite www.llmguide.com, auf der sich die Nottingham Law School in meinen Augen sehr positiv präsentierte. Sie ist mit über 100 Vollzeitdozenten und etwa 2.800 Studenten eine der größten full service Law Schools Englands. Neben LL.M.-Studenten finden sich hier ebenso LL.B.-Studenten sowie insbesondere auch Studenten der sog. professional courses wie LPC oder BVC, die in England zur Qualifizierung als Solicitor bzw. Barrister obligatorisch sind und gerade in Nottingham einen ausgezeichneten Ruf genießen. Dies bietet die Möglichkeit, den Kontakt zu zukünftigen englischen Anwälten zu suchen. Der erste gute Eindruck, den ich von der Law School gewonnen hatte, hat sich auch im weiteren Verlauf bestätigt. Angeforderte Unterlagen wurden mir zügig zugeschickt, E-Mails umgehend beantwortet und auch während des Studiums hatten die Mitarbeiter der Law School stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Studenten. Das Programm der Law School sagte mir auch deswegen besonders zu, da es ein Modul zum Europäischen Sportrecht enthält, was mir aus rein persönlicher Neigung sehr entgegenkam. Die gute Verkehrsanbindung mit dem East-Midlands-Airport in unmittelbarer Nähe und die zentrale Lage Nottinghams im Herzen Englands waren ebenfalls ein nicht unwesentlicher Faktor bei meiner Entscheidung. Weitere Angebote aus Edinburgh, Dublin, Liverpool, Hull und Manchester habe ich abgelehnt, da mich der gute Eindruck, den ich von Anfang an von der Nottingham Law School gewonnen hatte, überzeugte. Die „Klassiker“ London, Oxford und Cambridge wären zwar unter Umständen ebenfalls in Frage gekommen, erschienen mir jedoch zu teuer. Das von mir absolvierte Programm ist bewusst weiter gefasst als übliche LL.M.-Programme im europarechtlichen Bereich. Neben den klassischen Materien wie Grundfreiheiten, Klagearten etc. stehen auch Veranstaltungen wie Europäisches Sportrecht, Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Umweltrecht, Recht des geistigen Eigentums, Menschenrechte, Rechtsvergleichung und englisches Internationales Privatrecht auf dem Lehrplan. Zudem habe ich noch eine weitere Veranstaltung zum internationalen Terrorismus besucht, die eigentlich zum LL.M. Criminal Justice gehört, jedoch äußerst spannend war. Jeder Kurs endet in der Regel mit der Abfassung eines längeren wissenschaftlichen Essays oder der Bearbeitung eines problem scenarios. Des Weiteren ist im dritten Trimester eine Master-Dissertation im Umfang von 18.000 bis 20.000 Wörtern anzufertigen, was etwa 80 Seiten entspricht. Vor Beginn der Dissertation ist ein research proposal einzureichen, in dem das Forschungsvorhaben erörtert wird. Daneben bietet die Law School – teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Law Schools – verschiedene Summer Schools in europäischen Metropolen an, an denen alle Studenten der Law School teilnehmen können und die der Vertiefung der erworbenen Kenntnisse und dem Kulturaustausch dienen. Die Kurse selbst waren mit vier bis 15 Leuten stets überschaubar und von äußerst angenehmer Atmosphäre. Massenveranstaltungen, wie sie teilweise in Deutschland üblich sind, habe ich nicht erlebt.

Fazit

Insgesamt bin ich mit meiner Wahl äußerst zufrieden, wenngleich der LL.M. doch arbeitsintensiver war, als ich es erwartet hatte. Ob sich der LL.M. in Sachen Karriere lohnen wird, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen; ich hoffe es selbstverständlich. Unabhängig davon hatte ich aber auch eine unvergessliche Zeit in England, sodass sich der LL.M. für mich persönlich auf jeden Fall gelohnt hat. Als Tipp kann ich jedem, der an einem LL.M.-Studium interessiert ist, nur empfehlen, während des Studiums in Deutschland mit der englischen Sprache vertraut zu bleiben. Neben der fachspezifische Fremdsprachenausbildung (FFA) an der eigenen Hochschule bieten auch Summer Schools im englischsprachigen Raum eine gute Gelegenheit, vorhandene Englischkenntnisse wieder aufzufrischen und ein grundlegendes Verständnis für das Common Law zu schaffen.