LL.M. an der New York University

Erfahrungsbericht von Thomas Lang

Dr. iur., LL.M. (NYU); Referendar am LG Frankfurt am Main und wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität Marburg

If I can make it there, I’ll make it anywhere - Das akademische Jahr 2008/2009 habe ich in New York City mit einem LL.M.-Studium an der Law School der New York University (NYU) verbracht.

Die Entscheidung für den LL.M. und für die NYU

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Der erste Schritt für den angehenden LL.M.-Studierenden ist die Frage nach dem „Ob“ des LL.M.-Studiums, die zweifelsohne unmittelbar einhergeht mit der Frage des „Warum“. Dabei war für mich, neben der Tatsache, dass sich der LL.M. gerade im wissenschaftlich-akademischen Umfeld sowie bei anwaltlichen Tätigkeiten im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts zunehmender Beliebtheit erfreut, vor allem die Möglichkeit ausschlaggebend, noch einmal ein Land und sein Rechtssystem vertieft kennenlernen zu können. Nachdem die Entscheidung zugunsten eines LL.M.-Studiums also gefallen war, stellte sich schnell die Anschlussfrage, wann in der langen Ausbildungsphase eines Juristen sich ein postgraduiertes Auslandstudium idealerweise abspielen sollte. Da ich mich unmittelbar nach meinem Ersten Staatsexamen dazu entschieden hatte, parallel zur Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter eine Dissertation anzufertigen und ich diese unmittelbar vor Beginn meiner LL.M.-Zeit abschließen konnte, fragte ich mich, ob man den LL.M. besser vor oder nach dem Referendariat erwerben sollte. Gewiss sind für beide Optionen eine Vielzahl tatsächlicher und vermeintlicher Vorzüge ins Feld zu führen. Ausschlaggebend war für mich letztlich jedoch die Tatsache, dass ich mir einen Berufseinstieg besser unmittelbar nach dem Referendariat vorstellen konnte, als im Anschluss an dieses den Berufsstart noch einmal zugunsten einer weiteren Ausbildungsphase zu verschieben.

Die Wahl einer Universität für das LL.M.-Studium war sicherlich eine der wichtigsten Entscheidungen des gesamten Projekts. Da ich bereits während meiner Studienzeit ein Jahr in Großbritannien verbracht hatte, aber auch für den LL.M. im englischsprachigen Ausland und an einer Universität mit weltweitem Renommee studieren wollte, war für mich die USA schnell als Zielland ausgesucht. Hier entschied ich mich für ein Studium an der NYU. Diese bietet im Gegensatz zu vielen anderen US-Universitäten die Gelegenheit einer sehr ausdifferenzierten Spezialisierung innerhalb des LL.M.-Programms an, wobei Bereiche wie Gesellschaftsrecht, internationales Handelsrecht, Völkerrecht oder Steuerrecht vertieft werden können. Zudem gehört die NYU Law School zu den Top Five der amerikanischen juristischen Fakultäten und damit auch weltweit zur absoluten Spitzengruppe. Die Universität besticht selbstredend durch ihre beeindruckende Lage in Downtown Manhattan, dem Herzen New Yorks, was im Hinblick auf Freizeit und Unterhaltung ein kaum zu übertreffendes Angebot mit sich bringt. Fachlich bietet das LL.M.-Programm der NYU alles, was das Herz begehrt: Neben der Möglichkeit, aus annähernd zweihundert angebotenen Kursen zu wählen und sich gemäß eigener Interessen und gewählter Spezialisierung einen Stundenplan zusammenzustellen, hat man das Privileg, von weltweit bekannten und führenden Professoren unterrichtet zu werden. Mit einer Jahrgangsstärke von etwa 400 LL.M.-Studenten aus fast allen Ländern der Erde ist das LL.M.-Programm wohl eines der größten der USA und bietet damit reichlich Gelegenheit zum interkulturellen Austausch. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt des Studiums in einer Metropole wie New York und an einer Universität nur wenige Minuten von UN und Wall Street entfernt ist das unvergleichliche Angebot an weit über das allgemeine Lehrprogramm hinausgehenden Veranstaltungen. So konnte es während meiner Zeit an der NYU durchaus vorkommen, dass im Rahmen der UN-Tagungswoche überraschend der ein oder andere hochrangige internationale Politiker zu einer Diskussionsrunde die juristische Fakultät besuchte. Außerdem ermöglicht die Nähe zu einer großen Zahl internationaler Wirtschaftskanzleien und vielen sonstigen in New York ansässigen nationalen und internationalen Einrichtungen immer wieder den Einbezug von Praktikern in den Unterricht.

Bewerbung und Finanzierung

Für die Bewerbung gilt es die langen Vorlaufzeiten sowohl der NYU (üblicherweise Dezember des Vorjahres), insbesondere aber auch der potenziellen Stipendiengeber zu berücksichtigen. Ich selbst hatte hinsichtlich der Finanzierung meines LL.M.-Projekts zum einen das Privileg als einer von zwanzig Vanderbilt-Stipendiaten an der NYU studieren zu können, sodass ich nicht nur von den Studiengebühren befreit wurde, sondern auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter für eine der Professorinnen tätig sein durfte. Zum anderen hatte ich ein Stipendium der Haniel Stiftung (vergeben durch die Studienstiftung des deutschen Volkes). Hierdurch war es mir möglich, die gerade in New York nicht zu unterschätzenden Kosten meines Auslandsjahrs relativ gut zu kompensieren. Die Gesamtkosten eines LL.M.-Studiums an der NYU kann man, auch bei vorsichtiger Schätzung, mit zumindest 70.000 bis 75.000 US-Dollar beziffern (Studiengebühren ca. 46.000 US-Dollar), sodass sich eine zeitige Stipendienbewerbung in jedem Fall lohnt.

Ausblick

Gelohnt hat sich das LL.M.-Jahr ohne jeden Zweifel. Die NYU gehört zu den besten juristischen Fakultäten der Welt, und ein dort erlangter LL.M.-Abschluss erhöht sicherlich die eigenen Karrierechancen, insbesondere in einem internationalen Arbeitsumfeld. Bereichernd ist aber auch die Möglichkeit, ein Jahr lang in New York zu arbeiten und zu leben, hautnah bei vielen weltpolitischen Ereignissen dabei zu sein (2008/2009 etwa Präsidentenwahl und Finanzkrise) und in einem beispiellos internationalen Umfeld Menschen kennenzulernen. Jeder, der die Gelegenheit hat, ein LL.M.-Studium zu absolvieren, sollte diese nutzen. Meine Empfehlung hierfür steht fest: New York University. Abschließend sei noch auf den von mir zusammen mit meinem Kollegen Dr. Richard Helwig, LL.M. (NYU) angefertigten ausführlichen LL.M.-Bericht in der Marburg Law Review 2009, S. 75 ff. verwiesen.