LL.M. an der London School of Economics 2012

Konstantin Ulrich, Rechtsreferendar am LG Düsseldorf

LL.M. an der London School of Economics: Ein Jahr voller Abwechslung in der Weltmetropole

Der LL.M. an der London School of Economics ermöglicht es, aus einem konkurrenzlos breiten Fächerkatalog mit Kommilitonen und Dozenten von überall her an einer Uni mit Weltklasse-Niveau zu studieren und zugleich alle Annehmlichkeiten einer Metropole auszukosten.

Zeitpunkt des LL.M.-Studiums

Für mich war der optimale Zeitpunkt zwischen dem Ersten Staatsexamen und dem Referendariat. Bei der Wahl des Zeitpunkts sollte man auch bedenken, dass das abgeschlossene LL.M.-Studium im Referendariat die Bewerbungschancen für einzelne Stationen erhöht, während umgekehrt ein abgeschlossenes Referendariat die Annahmechancen für ein LL.M.-Programm steigert.

Auswahl des Landes und der Universität

Großbritannien stand als Zielland für mich von vornherein fest. Dafür sprachen nicht nur Common Law, das phantastische Englisch sowie, dank des europarechtlichen Diskriminierungsverbots, Studiengebühren auf Einheimischenniveau, sondern insbesondere die gute Fluganbindung nach Deutschland, die häufige Besuche ermöglichte. Auch nach dieser Vorauswahl blieben noch viele Unis in der engeren Wahl. Die LSE zeichnete sich jedoch durch ein unschlagbar breites Fächerangebot mit 92 verschiedenen Kursen aus. Daraus kann man völlig frei vier ganze, acht halbe oder eine beliebige Mischung aus Kursen wählen. Wenn die Wahl zu drei Vierteln in einem von 14 Spezialgebieten erfolgt, wird die Master- Urkunde auf Wunsch mit diesem Zusatz versehen. Aber auch eine völlig zusammenhanglose Kurswahl, um unterschiedlichsten Interessen nachzugehen, ist möglich. Bei mir stand etwa das "Law of armed conflict and the use of force" neben "European monetary and financial services law".

Vorbereitungsphase

Die LSE hat zwar keine feste Frist, nimmt aber keine Bewerbungen mehr an, sobald genügend eingegangen sind. Dies ist nicht lange nach Fristablauf der anderen Unis (in der Regel im Herbst des Vorjahres) der Fall. Die Bewerbung erfolgt unkompliziert online. Das Motivationsschreiben sollte wohlüberlegt sein, denn es wird von den Professoren tatsächlich selbst gelesen! Zusätzlich sind Empfehlungsschreiben von drei Professoren gefordert, die im Bewerbungsprozess benannt werden müssen. Nach der Zusage kann man sich online für eines der Wohnheime der LSE anmelden. Es gibt Wohnheime jeder Lage, Größe und jeden Alters. Empfehlen kann ich das Lilian Knowles House, das erst 2006 eröffnet wurde und damit noch sehr gut in Schuss ist. Die Lage, unmittelbar an die Square Mile, den Spitalfields Market und das Ausgehviertel Shoreditch angrenzend, zeichnen es ebenfalls aus.

Meine Highlights im LL.M.-Studium

Neben sehr guten – teils aber mit über 1.000 Seiten Reading Assignments pro Woche verbundenen – Vorlesungen waren die vielen Public Lectures, von denen in den Abendstunden fast täglich mehrere an der LSE stattfanden, meine absoluten Highlights. Hochkarätige Referenten, wie Präsidenten der USA, Bundeskanzler und viele Außenminister, tragen dort regelmäßig vor. Toll war auch ein Wochenendausflug mit rund 60 Studenten und Professoren zur Cumberland Lodge, einem Nebenschloss von Schloss Windsor, den das Law Department der LSE jeden Winter anbietet. Einladungen der großen deutschen Kanzleien, die im Schnitt alle zwei bis drei Wochen die deutschen LL.M.-Studenten zu Abendessen und Nachtprogramm einluden, boten eine nette Gelegenheit zum Kennenlernen der Studenten anderer Unis. Austausch mit britischen Studenten, der wegen der Internationalität der LSE etwas zu kurz kommen kann, hatte ich beim British Red Cross und beim University of London Orienteering Club, mit dem ich fast wöchentlich bei Orientierungslaufwettkämpfen antrat.

Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten

Das LL.M.-Programm an der LSE ist das teuerste in Großbritannien (Stand 2012: 12.144 Britische Pfund). Hinzu kommen die hohen Lebenshaltungskosten in London. Die kleinsten Zimmer in meinem Wohnheim haben knapp über 600 Pfund pro Monat gekostet. Umso erfreulicher war es, dass mir ein Stipendium des DAAD und das Theo-Waigel-Stipendium der Kanzlei GSK Stockmann + Kollegen zur Verfügung standen, die in Summe Studiengebühren und Lebenshaltungskosten fast gedeckt haben. Für die Bewerbung beim DAAD waren ein Hochschullehrergutachten, ein Motivationsschreiben und zahlreiche Dokumente einzureichen. Die Bewerbung bei GSK lief, da mit den gleichen Unterlagen möglich, sehr unkompliziert ab und wurde von der Verleihung des Stipendiums durch den Bundesfinanzminister a. D. persönlich gekrönt.

Fazit

Umfassende Einblicke in (Rechts-)Gebiete, mit denen ich vorher nichts zu tun hatte, die Verbesserung meines Englisch und andauernde Freundschaften haben den LL.M. an der LSE zu einer tollen Erfahrung werden lassen, die zu machen ich jedem empfehlen kann.


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