LL.M. an der Harvard Law School (2012)

Jannis Werner, Rechtsreferendar am Hanseatischen Oberlandesgericht

Harvard Law School: Good Times Never Seemed So Good

Ich kann mich noch gut daran erinnern. Als ich den Brief mit den Examensergebnissen vom Landesjustizprüfungsamt München öffnete, war da sofort der Gedanke: Damit kann ich mich in Harvard bewerben! Nicht, dass ich eine Vorstellung hatte, was das heißt. Als gebürtiger Westberliner und einstiger Austauschschüler hatte ich Amerika als Schutzengel und Gastgeber kennen und lieben gelernt. Doch Harvard? Da würde man vielleicht eines Tages mal als ehrfürchtiger Tourist vorbeischauen. Die Möglichkeit eines Studiums dort war mir nie zuvor in den Sinn gekommen – geschweige denn möglich erschienen.

Der Traum wird wahr

Dass ich einen LL.M. machen würde, stand für mich allerdings schon lange fest; und dass ich in die USA wollte, war auch klar. Noch vor dem Referendariat bewarb ich mich daher bei einigen Universitäten. Wer sich ein wenig umgehört hat, wird wissen, dass die Bewerbung an US-Universitäten eine Menge Aufwand bedeutet. Doch als ich schließlich eines Nachts die Zusage auf meinem Computerbildschirm sah, war der Traum zur Realität geworden, und alle Widrigkeiten waren vergessen.

Ein LL.M.-Abenteuer bedeutet Kosten – in den USA durchaus astronomische. Harvard selbst gab 70.000 US-Dollar für Studien- und Lebenshaltungskosten an. Diese Schätzung ist eher zu niedrig. Schon vor der Zusage der Universität hatte ich mich daher bei allem beworben, was LL.M.-Stipendien vergibt. Geklappt hat es letztlich beim DAAD. Mit dieser Förderung und der Unterstützung meiner Eltern im Rücken war ich auch finanziell bereit für die große weite Welt.

Die ersten Tage

Im August 2010 reiste ich nach Cambridge, MA, wo Harvard beheimatet ist. Schon die ersten Tage waren eine Offenbarung. Mit einem Mal dutzende Freunde fürs Leben aus aller Welt zu finden ist eine unvergleichliche Erfahrung. Interessanterweise kamen viele von uns mit Zweifeln, ob sie wirklich „Harvard-Material“ seien, sowie mit einer gewissen Furcht, das Jahr als einzig Normaler unter Genies und Strebern zu fristen – doch weit gefehlt! Die Universität hatte eine akademisch wie persönlich bunte Truppe ausgewählt; Leute, mit denen man die Schul – und die Bierbank gleichermaßen gerne teilt.

Und dann ist da Cambridge oder besser gesagt die Gegend um den Harvard Square. Der Sommer ist schwülwarm, im Winter alles unter Schneebergen begraben. Jung ist man dort, aber natürlich akademisch, gleichermaßen durstig und erfüllt von Wissensdurst. Angesichts der Dominanz der Universitäten in der Stadt überrascht es kaum, dass die Studenten hier den Ton angeben. Auf dem Campus und in den Bars tummeln sich Vertreter verschiedenster Alters- und Fachgruppen, und man lernt bei einem Bier oft mehr als im Hörsaal.

Studieren muss man auch

Bevor ich es vergesse: Vorlesungen gab es natürlich auch. Das Angebot ist breit gefächert, zumal man auch an anderen Fakultäten und benachbarten Universitäten Kurse belegen kann. Angewandte Politik an der Kennedy School of Government, Management an der Harvard Business School oder gar Ingenieurwissenschaften am MIT? Philosophie bei Sandel, VWL bei Mankiw, Europarecht bei De Búrca? Alles ist möglich, nur leider nicht alles auf einmal.

Das Besondere sind die Persönlichkeiten, die in Cambridge lehren. Insbesondere meine Kurse in Politik und Verwaltung waren beeindruckend, weil sie von Leuten geleitet wurden, die selbst hohe Ämter bekleidet haben – und manchmal die Universität für ein paar Jahre verlassen, um diesem oder jenem Präsidenten zu dienen. So lernte ich vergleichende Außenpolitik bei einem Amerika-Berater der Kanzler Brandt und Schmidt, Staatsorganisationsrecht von einem Bundesrichter am Appellationsgericht in Washington D.C., und Führungstricks für die öffentliche Verwaltung von einem Dozenten, der von hohen Ämtern im Justizministerium bis zu seiner Zeit als Stratege des Drogenkrieges in Lateinamerika aus einem gewaltigen Erfahrungsschatz schöpfen konnte.

Der Abschied fällt schwer

Im Mai 2011 hieß es schließlich Abschiednehmen. Commencement Day, der Tag der Abschlussfeiern, war gekommen. In einer eindrucksvollen Zeremonie wurden wir gemeinsam mit Tausenden Absolventen aller Fächer gefeiert und erhielten unsere Diplomurkunden. Schnell zerstreute sich die eingeschworene Gemeinde der Kommilitonen in alle Winde und spann über Nacht ein starkes, weltweites Alumni-Netzwerk. Ich blieb noch ein wenig und versuchte mich am Bar Exam, der Anwaltsprüfung – doch das ist eine andere Geschichte.

Das Jahr in Amerika war alles, was ich mir erhofft hatte, und mehr. Solange Sprachkenntnisse und Finanzierung irgendwie – auch auf Kredit – vorhanden sind, mach einen LL.M.! Mach ihn in den USA! Und wer die Zusage aus Harvard hat und sich fragt, ob es das Richtige ist (auch solche Probleme solls geben), dem kann ich versichern, dass in Cambridge auf jeden die passenden Kurse, Freunde und Herausforderungen warten.


Weblinks


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