LL.M. an der Goethe-Universität Frankfurt 2017

Erfahrungsbericht von Sören Zimmermann; LL.M. Eur, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Goethe-Universität Frankfurt am Main

Segen und Fluch des Sich-Beeilens

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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Im Oktober 2015 war es geschafft. Die Abschlussarbeit war geschrieben und ich wartete nur noch auf die Titulierung als Magister des Europäischen und Internationalen Wirtschaftsrechts (LL.M. Eur.). Gerade ein halbes Jahr zuvor hatte ich das Erste Staatsexamen hinter mich gebracht. Nun war ich bereits einige Monate Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt und dabei, ein Dissertationsprojekt auszuarbeiten. In dieser engen Terminierung lag ein Segen – aber auch ein Fluch.

Spezialisierung und Überbrückung

Ich entschied erst kurz vor meinem schriftlichen Staatsexamen im September 2014, mich auf das LL.M.-Eur.-Programm der Goethe-Universität zu bewerben. Meine Entscheidung fiel sehr kurzfristig und insbesondere aus zwei Gründen: Erstens hatte mich die Examensvorbereitung die letzten anderthalb Jahre stark vereinnahmt, sodass ich mich nicht mehr so intensiv wie zuvor mit den Inhalten meines Schwerpunktbereichs (Internationalisierung und Europäisierung des Rechts, SPB 1, Goethe-Universität) auseinandersetzen konnte. Vor allem hatte ich einige Veranstaltungen nicht besuchen können, die mich noch interessiert hätten. Nun wollte ich im Rahmen des LL.M.-Programms die Gelegenheit nutzen, meine Kenntnisse aufzufrischen und zu vertiefen. Glücklicherweise können Studenten im Schwerpunktbereich und LL.M.-Studenten aus demselben Veranstaltungspool wählen, sodass ich die Chance bekam, einige der verpassten Veranstaltungen nachzuholen.

Zweitens sollte das LL.M.-Studium für mich eine Art Überbrückungsfunktion erfüllen. Ich wusste, dass ich nach dem mündlichen Examen etwa ein Semester Zeit haben würde, bis ich damit rechnen konnte, eine Promotionsstelle an einem Lehrstuhl zu bekommen. Diese Zeit wollte ich sinnvoll nutzen.

Erschöpfung

Das erste halbe Jahr des Programms war dann denkbar eng terminiert und anstrengend. Das Programm begann nahtlos nach meinem schriftlichen Examen. Während der ersten zwei Monate war noch parallel meine Studienabschlussarbeit zu schreiben. Daraufhin war die Vorbereitung auf das mündliche Examen zu meistern, das im Januar stattfand. An dieser Stelle wird der große Nachteil deutlich, den der gewählte Zeitpunkt für das LL.M.-Studium für mich hatte: An Erholung war nicht zu denken – dabei hätte ich sie schon nach dem schriftlichen Examen dringend benötigt.

Große Wahlfreiheit und Fremdsprachen

Dass das Arbeitspensum trotzdem zu meistern war, ist der großen Freiheit zu verdanken, die ich bei der Veranstaltungswahl im LL.M.-Programm hatte. Die angebotenen Veranstaltungen reichten vom Internationalen Privatrecht über das Kapitalmarktrecht und das Völkerrecht bis hin zum (europäischen und internationalen) Umweltrecht. Aus den angebotenen Veranstaltungen konnte ich weitgehend frei nach meinen Interessen wählen. So macht ein Studium Spaß!

Positiv ist außerdem hervorzuheben, dass im Programm nicht nur deutschsprachige Veranstaltungen vorgesehen sind. Vor allem englisch- und französischsprachige, aber auch Kurse in weiteren Sprachen können besucht werden. Der Erwerb eines Fremdsprachenscheins ist obligatorisch, und ein Auslandsstudium sowie eine Teilnahme am DUDFProgramm (Diplôme Universitaire de Droit Français) der Goethe-Universität sind möglich. Mit der Sprachkompetenz, die bei einem LL.M.-Programm im Ausland erworben werden kann, sind diese Angebote aber natürlich nicht zu vergleichen.

Nachbesserungsbedarf

Das LL.M.-Eur.-Programm ist an der Goethe-Universität leider noch nicht komplett etabliert, sodass noch nicht alles vollkommen rund läuft. So funktioniert die Notenverwaltung leider noch nicht webbasiert. Für jede erworbene Note musste ich mir einen Schein an der jeweiligen Professur ausstellen lassen und ihn dann an das Dekanat weiterreichen. Auf die Studieninhalte haben diese Schwierigkeiten allerdings keinen Einfluss. Die Lehre findet auf einem inhaltlich hohen Niveau statt.

Fazit

Ich wollte mich durch das LL.M.-Studium spezialisieren und Zeit überbrücken. Das hat funktioniert. Durch das inhaltlich hohe Niveau der Lehre und ohne sprachliche Barrieren hat mich das Studium fachlich ein gutes Stück vorangebracht, und ich konnte die Zeit zwischen meiner mündlichen Prüfung und dem geplanten Beginn meines Dissertationsprojekts sinnvoll nutzen. Ich würde dieses Programm jedem empfehlen, der das Gefühl hat, im Jura-Studium noch nicht alle interessanten Veranstaltungen mitgenommen zu haben oder der sich im Internationalen oder Europäischen (Wirtschafts-)Recht spezialisieren möchte. Aber: Erholung ist wichtig!

Für Studierende, für die der Erwerb von Sprachkompetenz im Vordergrund steht, ist dieses deutsche Programm nicht geeignet. In diesem Fall lohnt es sich vielleicht, etwas mehr Zeit zu investieren und sich um ein interessantes Programm im Ausland zu bemühen.

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