LL.M. an der George Washington University 2015

Erfahrungsbericht von Hermann Hoffmann; Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle


GW Law – studieren im Herzen von Washington D.C.

The George Washington University Law School – kurz GW Law, gegründet 1865 – ist die älteste Law School in Washington D.C., aber dennoch in Deutschland vergleichsweise unbekannt. Die Law School liegt neben dem Weltwährungsfonds und der Weltbank; etwa vier Blöcke vom Weißen Haus entfernt und damit im Herzen der amerikanischen Hauptstadt. Am LL.M.-Programm nahmen rund130 Studenten aus 47 Ländern und weitere 100 US-amerikanische Studenten teil. Neben mir waren noch zwei weitere deutsche LL.M.-Studenten an der GW. Die Law School hat zudem überdurchschnittlich viele Teilzeitstudenten, sodass die Anzahl der Studenten nie übermäßig groß auf mich wirkte.

Derzeit gibt es zehn Spezialisierungen im LL.M.-Programm, wobei zwei Programme in einschlägigen Rankings Spitzenpositionen einnehmen: Intellectual Property Law und International and Comparative Law. Letzteres habe ich absolviert. Die Professoren der Law School waren größtenteils alle lange in der Praxis tätig, was einerseits die Vorlesungen spannender macht, andererseits auch zu vielen interessanten Kontakten für die Studenten führt. So konnte einer meiner Kommilitonen mithilfe eines Völkerrechtsprofessors eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter („Clerk“) am Internationalen Gerichtshof in Den Haag erhalten. Durch die Lage der Law School und die Praxisnähe der Professoren gibt es jede Woche eine Vielzahl an Veranstaltungen zu fast jedem Rechtsgebiet. Die Mehrzahl der Konferenzen und Vorträge befassen sich mit dem Völkerrecht, Menschenrechten oder eben IP Law.


Das Leben in Washington und die Finanzierung des LL.M.-Studiums

Washington hat leider recht hohe Mietpreise. Um den Campus herum sind mindestens 1.500 bis 2.000 US-Dollar und außerhalb kaum weniger als 1.000 bis 1.500 USD Monatsmiete zu zahlen. Die höheren Kosten für eine Innenstadtlage lohnen sich nur dann, wenn man konsequent die Vorteile nutzt. Veranstaltungen von Botschaften, der Weltbank oder der Washington Foreign Law Society haben mir die Möglichkeit gegeben, eine Vielzahl interessanter Persönlichkeiten kennenzulernen. Hinzu kommt, dass die Stadt immer wieder Referendare, Anwälte, Praktikanten oder Politiker aus Deutschland anzieht, sodass ich auch jede Menge neue deutsche Bekannte gewonnen habe.

Die deutschen Stipendienprogramme für einen LL.M. sind überschaubar, sodass es wichtig ist, auch nach Fördermöglichkeiten von amerikanischer Seite zu schauen. GW Law vergibt jedes Jahr mehrere Thomas-Buergenthal-Stipendien an Ausländer. Dieses Stipendium ermöglicht einen erheblichen bis hin zu einem vollständigen Erlass der Studiengebühren. In der Vergangenheit und auch in meinem Jahr sind immer wieder gerade deutsche Studenten als Stipendiaten ausgewählt worden. Mir hat das Stipendium letztlich die Finanzierung meines Aufenthalts an der GW ermöglicht. Einige Kollegen in meinem Jahrgang, die zunächst nur ein niedriges Stipendium hatten, haben sich mit ihren Noten aus dem ersten Halbjahr nach den Winterferien erfolgreich für eine nachträgliche Erhöhung des Stipendiums beworben. Die Law School versucht letztlich jedem Studenten, der angenommen wurde, so entgegen zu kommen, dass das Studium finanzierbar wird. Wichtig ist, dass man bereits bei der Bewerbung darauf hinweist, dass man an einem Stipendium interessiert ist bzw. dieses benötigt.


Zeitpunkt des LL.M.-Studiums

Der optimale Zeitpunkt für ein LL.M.-Studium ist schwer allgemein zu benennen und hängt letztlich stark von eigenen Zielen bzw. Strategien ab. Eine wesentliche Motivation war für mich der Glaube, dass die Bedeutung von grenzüberschreitenden Rechtsproblemen und Fremdsprachenkenntnisse für Juristen im Zeitalter der Globalisierung weiter zunehmen werden. Ich habe im Anschluss an Zweite Staatsexamen noch ein Jahr lang an der Uni gearbeitet, um mit einem wissenschaftlich geprägten Hintergrund die Bewerbungen für LL.M.-Stipendien anzugehen. So habe ich ein Abstract eines Research Papers ausgearbeitet und dieses meinen Stipendienbewerbungen beigefügt. Einige Law Schools fanden das interessant, andere jedoch auch nicht. Keinesfalls ist ein solches Abstract Voraussetzung für ein Stipendium.

Beabsichtigt man, im Anschluss an den LL.M. das Bar Exam zu absolvieren und dann damit auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, so sollte man sich so aufstellen, dass man im Anschluss an das Bar Exam in Amerika verbleiben kann. Viele Networking-Veranstaltungen helfen beim Aufbau von Kontakten, die man, wenn man nach Ende des Programms nach Deutschland zurückkehrt, nicht so gut nutzen kann wie wenn man vor Ort verbleibt. Ansonsten dürfte so ziemlich jeder Zeitpunkt empfehlenswert sein. Will man das LL.M.-Programm für eine bestimmte Spezialisierung nutzen, so kann man diese sowohl im Referendariat durch eine geschickte Wahl der Stationen oder in einer Promotion weiterverfolgen – oder aber damit gleich den Berufseinstieg anstreben. Und natürlich kann man seinen Interessenschwerpunkt auch gerade während des LL.M.-Studiums herausfinden, da das Kursangebot durch eine enorme Vielfalt besticht und viele Einblicke in neue Rechtsgebiete ermöglicht.

Fazit

Die zwei Mal vier Monate (August bis Dezember und Januar bis Mai) waren im Rückblick ein unvergleichliches Erlebnis. Gerade die vielen Gespräche über aktuelles Zeitgeschehen und Recht mit Menschen aus der ganzen Welt sind mir in hervorragender Erinnerung geblieben, sodass sich die zeitlichen und finanziellen Mühen zur Vorbereitung eines solchen Studienaufenthaltes letztlich ausgezahlt haben.


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