LL.M. an der Frankfurt School of Finance and Management

Erfahrungsbericht von Alexander Pfab

Promotion und/oder LL.M.?

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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Ich habe den Studiengang Mergers & Acquisitions nach dem ersten juristischen Staatsexamen absolviert, parallel zu einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl einer Universität und einer steuerrechtlichen Promotion. Das ist möglich, weil der Studiengang berufsbegleitend angelegt und eine berufliche Tätigkeit ausdrücklich erwünscht ist. Die Studierenden sind überwiegend Young Professionals, ein wesentlicher Teil davon besitzt bereits mehrjährige Berufserfahrung in Führungspositionen, zumeist in der Wirtschaft. In meinem Jahrgang war ich der einzige Teilnehmer mit Tätigkeitsbereich in einer Hochschule. Der Studiengang war für mich keine Alternative zur Promotion. Gerade die Anforderung des eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens und Argumentierens ist bei der Abfassung einer Dissertation viel ausgeprägter, als sie in einem Master-Studiengang je sein kann, auch wenn dort eine Master-Arbeit zu verfassen ist. Überdies sind Master-Studiengänge in Deutschland generell sehr strukturiert und lassen aufgrund der Akkreditierungsvorgaben wenig Freiraum für Kreativität, Wahlfreiheit und „echten Forscherdrang“.

Der Studiengang

Die strikte Ausrichtung auf die Bedürfnisse der M&A-Praxis ist die erste Stärke des Programms. Wer den M&A-Bereich bereits kennen gelernt hat, wird wissen, dass dies ein sehr dynamischer und praxisgetriebener Bereich ist, der eng an die Entwicklungen an den Realund Finanzmärkten gekoppelt ist. Ziel jeder M&A-Transaktion ist eine für alle Beteiligten wirtschaftlich attraktive Lösung, nicht das Erarbeiten der saubersten Dogmatik. Selbstverständlich dürfen in einem Verkaufsprozess keine fachlichen Fehler unterlaufen, egal ob es sich um Unternehmensbewertung, Finanzierung, Steuern, Bilanzierung oder Rechtsfragen handelt – aber es geht sicher nicht darum, das (juristische) Rad jedes Mal neu zu erfinden. Übertragen gesprochen: In dem Studiengang wird vermittelt, wie man ein M&A-Auto fährt, aber nicht die physikalische Funktionsweise jedes einzelnen Getriebeteils erklärt. Heute ist der M&A-Bereich geprägt von Standards und Best-Practices, die sich als vielfach bewährt und international akzeptiert herausgestellt haben. Nur wenige Experten beherrschen diese Standards und entwickeln sie weiter. Dank der hervorragenden Kontakte der Hochschule zeichnen sich die Dozenten des Studiengangs gerade dadurch aus, dass sie nicht nur über die großen Deals reden, sondern sie „machen“ – also ganz vorne dabei sind. Damit profitieren die Teilnehmer des Programms von einem in summa einzigartigen Erfahrungsschatz. Es ist eben ein wesentlicher Unterschied, ob ein Dozent an einem Deal mit internationalem Echo oder der Verbriefung von Forderungen mit entsprechendem Volumen selbst mitgewirkt hat, oder ob er die Thematik aus dem Lehrbuch kennt. Dabei kommen die Lehrenden des Studiengangs aus allen Bereichen des M&A-Geschäfts: Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Investmentbanken, Unternehmensberatungen, PE-Gesellschaften, Rating-Agenturen usw. Den wissenschaftlichdogmatischen Blickwinkel vermitteln die Professoren der Hochschule sowie zum Teil externe Professoren. Dadurch entsteht ein facettenreiches Gesamtbild und ein Verständnis, das sich aus zahlreichen verschiedenen Blickwinkeln und Interessen der Akteure zusammensetzt.

Die Hochschule

Ein wesentliches Kriterium für mich, den Studiengang zu belegen, war die Praxisnähe und -relevanz des Studiengangs sowie der hohe Bekanntheitsgrad der Frankfurt School in der Finanz- und Bankenwelt. Frankfurt ist Deutschlands Finanzplatz Nummer eins und die Hochschule transferiert alle Möglichkeiten, die sich dadurch auftun, gebündelt in ihre Studiengänge. Nach dem Abschluss setzt sich diese Stärke im Alumni-Netzwerk fort. Die Studienbedingungen sind hervorragend; genannt sei nur die ausgezeichnete IT-Ausstattung der Hochschule und ein Zahlenverhältnis von Lehrenden zu Studierenden, das für eine staatliche Universität in Deutschland schlicht undenkbar ist. Die wissenschaftliche Bibliothek kann sich zwar in Größe und Ausstattung nicht mit einer „Voll-Uni“ messen, dafür punktet sie mit Service und Benutzerfreundlichkeit.

Die Positionierung des Studiengangs

Ein wichtiges Highlight des Studiengangs ist seine Positionierung an der Schnittstelle zwischen Recht und Wirtschaft: Das Programm ist ganz bewusst so angelegt, dass sich Wirtschaftswissenschaftler und Juristen – in meinem Jahrgang in einem Verhältnis von etwa 50:50 – begegnen und in Sprache, Denk-, Arbeits- und Argumentationsweise zueinander finden. Die Zusammenarbeit dieser beiden Disziplinen zeichnet jeden M&A-Prozess aus, was der Studiengang auch curricular vorwegnimmt. Die Inhalte stammen aus beiden Themenbereichen, wobei aufgrund des LL.M.-Abschlusses der juristische Anteil in der Bewertung etwas überwiegt. Von den Studierenden wird jedoch ein Eintauchen in beide Fachbereiche erwartet, wobei die Inhalte teils auf Deutsch, teils auf Englisch – je nach Präferenz des einzelnen Dozenten – vorgetragen werden. Von den Studierenden wird die Flexibilität erwartet, sich auf die zahlreichen unterschiedlichen Dozenten einzustellen, die die Vielfalt des M&A-Geschäfts widerspiegeln.

Die Karrierechancen

Ich bin überzeugt, dass der Studiengang für eine spätere Tätigkeit im Bereich M&A, Finance, Corporate, Tax oder Banking einen Karrierevorteil bietet. Einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen haben sich bereits weniger als zwölf Monate nach Abschluss des Studiums beruflich verändert oder sind mit einer für sie attraktiveren Tätigkeit betraut worden. Nach Abschluss des Referendariats wird dies sicher auch für mich gelten.