LL.M. an der Fordham Law School

Andreas Wöller, Referendar am Landgericht Kleve

Fordham Law School: Familiär im Herzen von New York City

Die persönliche und offene Atmosphäre an der Fordham University School of Law hat mein LL.M.-Studium zu einer ganz besonderen Erfahrung gemacht. Insbesondere die intensive und fürsorgliche Betreuung durch die Verantwortlichen des LL.M.-Programms führten dazu, dass die Gruppe der LL.M.-Studenten zu einer eingeschworenen Gemeinschaft wurde und ich mich in der oft anonymen Metropole New York schnell zuhause fühlte.

Der richtige Zeitpunkt

Durch den Beginn meines LL.M.-Studiums in Anschluss an das Erste Staatsexamen konnte ich die Wartezeit auf das Referendariat vermeiden: Meine mündliche Prüfung war im Juni, und im August ging es dann schon los mit dem LL.M. Zudem war ich so näher am Alter meiner amerikanischen und internationalen Kommilitonen – denn mit 25 Jahren gehörte ich schon zu den Älteren. Der frühe Zeitpunkt hatte aber auch Nachteile: Viele Universitäten akzeptieren eine Bewerbung nur, wenn die Noten des Ersten Staatsexamens zum Bewerbungszeitpunkt oder kurz danach vorliegen. Zudem kann es für die Stipendiumsbewerbung hinderlich sein, wenn man noch keine (gute) Examensnote vorweisen kann. Die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt sollte daher jeder für sich treffen.

Hauptsache New York

Ich wollte von vornherein nach New York. New York ist eine der bedeutenden Finanz- und Wirtschaftsmetropolen, deren Anwaltsmarkt weltweit noch immer führend ist. Zudem ist das kulturelle und kulinarische Angebot der Stadt überwältigend. Schließlich findet in New York im Januar eine von der NYU veranstaltete Jobmesse statt. Rund um die Jobmesse, aber auch schon einige Monate vorher, wird man von Kanzleien zu Workshops und Abendessen zum Kennenlernen eingeladen. Als New Yorker entfällt hier eine lange Anreise. Ich konzentrierte mich daher bei der Bewerbung auf die New Yorker Law Schools. Nachdem ich von Columbia und NYU erfuhr, dass eine Bewerbung nur mit der Examensnote möglich war, fiel meine Wahl auf Fordham. Mit der Bewerbung begann ich etwa ein halbes Jahr vor Ende der Bewerbungsfrist und hatte so trotz gleichzeitiger Examensvorbereitung ausreichend Zeit, die (vielen) erforderlichen Unterlagen zusammenzutragen.

Banking, Corporate and Finance Law

Die „Orientation“ begann Mitte August, zwei Wochen vor dem regulären Semesterbeginn. Neben diversen Einführungsveranstaltungen lag der Schwerpunkt auf dem Einführungskurs „Introduction to the U.S. Legal System“. Der Kurs vermittelte vor allem Grundkenntnisse im amerikanischen Verfassungsrecht und in der für das Common Law typischen Bindungswirkung des Richterrechts. Der Kurs gehörte zusammen mit „Legal Research and Writing“ zu den Pflichtkursen für jeden LL.M.-Studenten. Die weiteren Pflichtkurse richteten sich nach dem gewählten Schwerpunkt. In dem von mir gewählten „Banking, Corporate and Finance“-Programm waren nur „Corporations“ und eine bankrechtliche Vorlesung Pflicht. Alle weiteren Vorlesungen konnten frei gewählt werden, solange eine geringe Anzahl von Credits in Wahlpflichtfächern aus dem entsprechenden Schwerpunkt gewählt wurden.

Finanzen

Dass ein LL.M.-Studium in den USA teuer ist, ist kein Geheimnis. Wie hoch die Lebenshaltungskosten aber insbesondere in New York sind, überraschte mich dann aber doch. Die 65.000 US-Dollar , die man für das Visum nachweisen muss, sind durchaus eine sehr realistische Einschätzung der erforderlichen Mindestausgaben. Zusätzlich zu den etwa 45.000 US-Dollar Studiengebühren muss man, wenn man in Manhattan wohnen möchte, je nach Größe mit 1.000 bis 1.500 US-Dollar für ein WG-Zimmer rechnen. Zwar bietet Fordham seine Studentenzimmer auch LL.M.-Studenten an, allerdings sind diese nicht entscheidend günstiger. Es empfiehlt sich daher, sich sehr frühzeitig um Stipendien zu kümmern. Ich hatte das Glück, von meinen Eltern finanziell unterstützt zu werden.

Fazit: Bloß nicht nur lernen

Der größte Fehler, den man in New York begehen kann, ist wegen der zeitintensiven Vorbereitung auf Vorlesungen und Klausuren zu viel Zeit in der Bibliothek zu verbringen. New York bietet eine einmalige kulturelle Vielfalt, und jedes Viertel hat seinen eigenen Charakter, der erkundet werden will. Außerdem bietet das LL.M.-Studium Gelegenheit zum Austausch und zum Netzwerken mit Juristen aus aller Welt. Die etwa 140 LL.M.-Studenten in meinem Jahrgang kamen allein aus 44 verschiedenen Ländern, und es entwickelten sich bleibende Freundschaften. Schließlich bietet Fordham eine Vielzahl von Veranstaltungen für alle Interessengebiete. Neben klassischen wirtschaftsrechtlichen Events – etwa einer Podiumsdiskussion mit der derzeitigen Direktorin der Finanzmarktaufsicht SEC – besuchte ich beispielsweise eine Veranstaltung des Sports Law Forum, die die arbeits- und kartellrechtlichen Fragestellungen des Spielerstreiks in der amerikanischen Football-Liga NFL zum Gegenstand hatte. Letztlich schätzen Kanzleien an einem LL.M-Studium in erster Linie die persönliche Entwicklung und Bereicherung durch ein Studium im Ausland. Hierfür eignet sich das LL.M.-Studium an der Fordham Law School in New York in besonderem Maße.


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