LL.M. an der Edinburgh University

Erfahrungsbericht von Maria Geismann

LL.M. of European Law an der Edinburgh University

Überblick und Ausgangslage

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Ich habe mein LL.M.-Studium in Edinburgh/Schottland im Anschluss an mein erstes Staatsexamen absolviert. Meine Motivation war im Wesentlichen, ein Jahr im Ausland zu verbringen, in eine andere Kultur einzutauchen und – natürlich auch – meine Englischkenntnisse zu verbessern. Für Großbritannien und schließlich speziell für Edinburgh habe ich mich wegen der Sprache entschieden und deshalb, weil ich mich bei meinem Master auf Europarecht spezialisieren wollte, auf das die Edinburgh University einen besonderen Schwerpunkt legt. Ich hatte mich allerdings sicherheitshalber auch an anderen Universitäten beworben. Aus dem Internet kann man ein Uni-Ranking von der London Times herunterladen. Nach diesem Ranking wären durchaus auch noch andere Unis in Betracht gekommen. Als ich mich für ein LL.M.-Programm im Ausland entschieden habe, ging es mir aber nicht ausschließlich um akademische Weiterbildung und Verbesserung von Karrierechancen, sondern auch und eigentlich vor allem um ein schönes, interessantes Jahr; darum, neue Menschen zu treffen, zu reisen und das Leben in einer ganz anderen Umgebung, als ich sie bisher kannte, kennen zu lernen und zu genießen. Edinburgh als ehemalige europäische Kulturhauptstadt und in einer beeindruckenden Landschaft gelegen, weder dem Meer noch den Highlands fern, hat sich da geradezu aufgedrängt.

Für mich war wichtig, durch das LL.M.-Programm einen Einblick zu gewinnen, wie mit einer Materie, die ich schon aus meinem Studium hier in Deutschland kannte, vor dem Hintergrund eines völlig anderen Rechtssystems umgegangen wird. Dieses Ziel habe ich voll erreicht. Besonders fasziniert hat mich dabei die Begeisterung für die Idee eines gemeinsamen Europas, auf die ich im angeblich so europafeindlichen Großbritannien gestoßen bin. Interessant war neben der unterschiedlichen Herangehensweise aber auch der völlig andere politische bzw. historische und gesellschaftliche Blickwinkel auf das gemeinsame Rechtssystem, der je nach Hintergrund der Teilnehmer und Professoren/Tutoren immer ein anderer war.

Leider haben aber der Austausch und die Diskussion während des ganzen Jahres (obwohl angeblich beabsichtigt) nicht unbedingt im Vordergrund gestanden. Viel Unterricht hatten wir nicht (zwei Stunden je Kurs pro Woche) und die Vorlesungszeit war kurz (zwei Mal zwölf Wochen). Die Vorbereitung für die Kurse hat dagegen für meine Begriffe unverhältnismäßig viel Zeit verschlungen. Wir haben sehr viel mehr Zeit allein am Schreibtisch mit dem Abarbeiten der Readinglists für die Seminare und mit dem Schreiben unserer Essays verbracht als schließlich in den Kursen selbst oder in Vorlesungen und Diskussionen. Obwohl letzteres zwar anfangs viel schwieriger ist und bis zum Ende anspruchvoll bleibt, habe ich bei solchen Gelegenheiten auch wesentlich mehr und effektiver gelernt – bei wesentlich weniger (zeitlichem) Stress.

Ich möchte an dieser Stelle allerdings betonen, dass dies eine Systemkritik ist. Denn unübertroffen bleibt die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Lehrkräfte und der Belegschaft. Die Betreuung ist ausgezeichnet. Bei aller Kritik – ich habe mich in Edinburgh stets gut aufgehoben gefühlt und in fachlicher, aber auch in menschlicher und privater Hinsicht unendlich viel gelernt und mitgenommen.

Wer mit dem Gedanken spielt, ein LL.M.-Studium im Ausland zu absolvieren, sollte unbedingt alle Faktoren, die ein solches Jahr zu einer (unvergesslichen) Erfahrung machen, berücksichtigen und nicht allein die Uni oder die Stadt/das Land/die Sprache zum einzig entscheidenden Kriterium machen. Außerdem trägt jeder selbst die Verantwortung, wie weit und tief er in die Kultur des Landes, für das er sich schließlich entscheidet, eintaucht. Insofern habe ich es als besonders wichtig empfunden, in einer WG mit Schotten zu leben und nicht in ein Studentenwohnheim zu ziehen. Das LL.M.-Studium in Großbritannien ist besonders für Ausländer konzipiert. Wer Einheimische treffen und kennen lernen möchte, muss sich selbst Gelegenheiten schaffen …

Als besondere Herausforderung in Schottland habe ich, um ehrlich zu sein, das (meistens schlechte) Wetter und den langen, dunklen Winter empfunden. Auch wenn dies zunächst als Nebensächlichkeit erscheint und die Schotten mit ihren urigen Pubs, gutem Whisky und bemerkenswerter Gastfreundschaft Gegenmittel anzubieten haben, sollte man den Faktor nicht unterschätzen. Zwar stand für mich – auch aus vorgenanntem Grund – nie zur Debatte, in Schottland zu bleiben; die Entscheidung, für ein Jahr dorthin zu gehen, würde ich aber immer wieder so treffen.

Nach dem LL.M.-Studium habe ich, zurück in Berlin, mein Referendariat angefangen. Ob sich der LL.M. hinsichtlich Karrierechancen gelohnt hat, lässt sich schwer abschätzen. In jedem Fall habe ich im letzten Jahr herausgefunden, in welche Richtung ich innerhalb des so unendlich weiten Feldes Jura weiter gehen möchte, mein Englisch verhandlungssicher poliert und, last but not least, großartige Menschen getroffen. Deshalb: Gelohnt hat es sich!

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