LL.M. an der Duquesne University

Erfahrungsbericht von Dorothee Maria Kaulen

DDr. iur., LL.M. (Duquesne University); Referendarin am Landgericht Köln

LL.M. for Foreign Lawyers an der Duquesne University (USA)

Meine Entscheidung für das LL.M. Programm

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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Da ich während meines Studiums keine längere Zeit im Ausland verbracht hatte, reizte mich nach dem Ersten Staatsexamen ein Aufenthalt im englischsprachigen Ausland. Durch meinen Doktorvater an der Kölner Universität erfuhr ich von dem im Jahr 2005 neu eingeführten LL.M.-Programm der Law School der Duquesne University in Pittsburgh (Pennsylvania, USA). Die Law School der Duquesne University pflegt seit dem Jahr 2000 eine Partnerschaft mit der juristischen Fakultät der Universität Köln. Beide Universitäten sind auch durch ein Partnerschaftsabkommen verbunden.

Eine Teilnahme an dem dortigen LL.M. Program for Foreign Lawyers sagte mir sehr zu, da das LL.M.-Programm in den normalen Lehrbetrieb der US-amerikanischen J.D.-Studenten integriert ist. Zudem nimmt die Law School pro Jahr nicht mehr als fünf LL.M.-Studenten auf. Dies gewährleistet ein hohes Niveau und ermöglicht, schnell Kontakt zu US-amerikanischen Kommilitonen zu finden. Die Betreuung durch die Professoren an der Law School ist sehr gut, da ca. 700 Studenten von ca. 30 Fulltime- and 60 Adjunct-Professoren unterrichtet werden.

Ablauf des LL.M.-Programms

Das LL.M.-Programm der Law School ist auf ein Jahr als Day Student (Tagesprogramm) oder auf zwei Jahre als Evening Student (Abendprogramm) angelegt und schließt mit der Oral Defense der Masterarbeit ab. Ich habe als Day Student studiert. Falls man aber tagsüber in den USA arbeiten möchte oder muss, ist das LL.M.-Abendprogramm eine sehr gute Alternative.

Ich besuchte Vorlesungen in Legal Writing and Research, Legal Process and Procedure, Constitutional Law, Civil Procedure, Contract Law, International Law und nahm an einem Clinic-Programm teil, dass ich bei einem Strafrichter absolvierte. Die Vorlesungen vermittelten mir die Grundlagen des US-amerikanischen Rechtssystems und einen Einblick in die US-amerikanische Rechtspraxis. Zudem nahm ich an einem Mediationsseminar teil. Meine Masterarbeit schrieb ich am Ende des Studienjahrs, und ich konnte sie zugleich als Grundlage meiner Promotion verwenden.

Die Vorlesungen an der Law School erforderten neben der Nachbereitung des Lehrstoffs intensive Vorbereitungsarbeit. Die Professoren erwarteten, dass wir vor jeder Vorlesung eine bestimmte Anzahl an Fällen im Lehrbuch – nicht selten waren es 100 Seiten – lasen. In den Vorlesungen diskutierten wir dann mit den Professoren über die vorbereiteten Fälle.

Das Alltagsenglisch war mithilfe meines Schulenglischs unproblematisch zu bewältigen, für das Fachvokabular brauchte ich jedoch eine ein- bis zweimonatige Eingewöhnungsphase, da ich vorher keine Vorlesung in Legal English an der Kölner Universität besucht hatte. Danach waren die Sprachprobleme weitestgehend behoben.

Kosten und Finanzierung

Mein LL.M.-Studium habe ich größtenteils durch Stipendien seitens des Cusanuswerks (bischöfliche Studienstiftung) und der Wilhelm-Westhaus-Stiftung sowie im geringen Umfang mit privaten Mitteln finanziert. Darüber hinaus war ich an der Law School als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.

Die Studiengebühren an der Law School der Duquesne University für ein Studienjahr betragen ca. 30.000 US-Dollar. Die Lebenshaltungskosten in Pittsburgh sind vergleichbar mit den Lebenshaltungskosten in einer deutschen Großstadt. Für mein Zimmer in einer WG habe ich 400 US-Dollar gezahlt. Da es an der Universität keine subventionierte Mensa gibt, sind die Essenskosten höher als an deutschen Universitäten. Die Lehrbücher in den USA sind sehr teuer, da es oft fest gebundene, dicke Werke sind. Zum Teil konnte ich jedoch Bücher günstig von älteren Studenten abkaufen oder im Internet erwerben.

Ausblick

Nach den LL.M.-Studium kehrte ich nach Deutschland zurück, um im deutsch-US-amerikanischen internationalen Gesellschaftsrecht zu promovieren. Da ich zudem noch mein Referendariat absolvieren wollte, stellte sich für mich nicht die Frage, länger in den USA zu bleiben. Ich kann mir aber gut vorstellen, später eine Zeit lang zum Arbeiten in die USA zurückzukehren.

Aufgrund der sehr guten Betreuung und Atmosphäre an der Law School, dem Aufbau des LL.M.-Programms und der grünen Stadt Pittsburgh habe ich ein unvergessliches Jahr in den USA verbracht. Das LL.M.-Studium hat mich in fachlicher und persönlicher Hinsicht bereichert und wird sich sicher positiv auf meinen beruflichen Werdegang auswirken.

Zukünftigen LL.M.-Studenten rate ich, sich auch für LL.M.-Programme an kleineren Universitäten zu interessieren, da dort die Betreuung oft besonders gut ist und man fast ausschließlich mit US-amerikanischen Studenten studiert und lebt.

Weiterführende Informationen

E-Mail-Adressen von Kontaktpersonen, Berichte über das LL.M.-Programm und die Universität u. v. m. finden sich unter www.law.duq.edu/IntStudy/IntCologne.html