LL.M. an der Columbia Law School New York City 2013

Erfahrungsbericht von Dr. Anne Löhner, Referent bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2013

Ein Jahr in der Weltmetropole New York

Mein Jurastudium in Heidelberg hatte ich kaum begonnen, keine einzige Klausur war geschrieben, aber ich wusste bereits, dass ich unbedingt ein Jahr in den USA studieren wollte. Gründete mein Entschluss anfangs noch eher auf einer allgemeinen, diffusen USA-Begeisterung, so reifte er mit den Jahren vor allem wegen meines Forschungsschwerpunkts Alternative Dispute Resolution (ADR), dem in den USA eine größere Bedeutung zukommt.

Auswahl des passenden LL.M.-Programms

Mitten in der Vorbereitung auf das schriftliche Zweite Staatsexamen begann ich im Juli 2010 damit, eine Auswahl der Programme zu treffen, für die ich mich bewerben wollte. Wichtig war mir neben einem vielfältigen ADR-Kursangebot auch die Möglichkeit, Einblicke in neue Themenbereiche zu gewinnen. Da mein Mann sich zudem parallel um MBAPlätze bewarb, beschlossen wir, uns der Entfernung wegen auf Universitäten an der Ostküste zu beschränken.

Erfolgreich bewerben trotz Examensstress

Praktischerweise fielen die schriftlichen Examensprüfungen zeitlich mit den Bewerbungsfristen Anfang/Mitte Dezember zusammen, sodass ich einen Anreiz hatte, meine Bewerbungen bereits im sogenannten Early-Decision-Verfahren Anfang November einzureichen. Beworben hatte ich mich an zunächst vier Universitäten (Columbia, NYU, Harvard und Fletcher/Tufts), mit der Option, im Falle frühzeitiger Absagen weitere Bewerbungen im Januar zu versenden.

Dazu kam es jedoch zum Glück nicht. Am Abend meiner letzten Klausur am 14. Dezember 2010 hielt ich die erste Zusage in den Händen. Letztlich entschied ich mich trotz eines Teilgebührenerlasses der Fletcher School für das Programm der Columbia University School of Law. Mein Entschluss gründete auf dem sehr breiten und vielfältigen Kursangebot, der Lage in New York City, dem inzwischen geknüpften Kontakt zu einer Professorin dort und dem guten Ruf der Fakultät.

Die Vorbereitung des Studienaufenthalts

Bei der Vorbereitung wurden wir von der Universität nach Kräften unterstützt. Mehrmals wöchentlich erhielten wir eine Flut von E-Mails zur Visumsbeschaffung, Finanzierung, EDV, Unterkünften, Kursauswahl, Impfvorschriften usw. Über das Internet und mithilfe eines Freundes, der die Besichtigung übernahm, hatten mein Mann und ich bereits eine Wohnung an der Upper West Side gefunden, sodass wir Anfang August direkt vom Flughafen aus einziehen konnten.

Studiumsablauf: Die große Freiheit bei der Kurswahl

Besonders wichtig für mich war, dass wir an der Columbia nahezu vollständige Freiheit bei der Kursauswahl hatten, sodass ich am Ende neben meinem ADR-Schwerpunkt auch Kurse zu so unterschiedlichen Themen wie Law & Literature, Finanzierung und Urheberrecht besuchen konnte. Besonders begeistert hat mich dabei die sogenannte Mediation Clinic, im Rahmen derer wir Studenten während des Semesters als Mediatoren an den New Yorker Gerichten tätig wurden.

Finanzierung des Studiums

Von Anfang an war die Finanzierung des Studiums angesichts der von der Universität veranschlagten Kosten von rund 75.000 US-Dollar ein zentrales Thema. Glücklicherweise konnte ich einen Teil der Studiengebühren und Lebenshaltungskosten über ein Jahresstipendium des DAAD abdecken. Daneben bot mir die Columbia einen „Loan“ über einen Teil der Studiengebühren an. Schließlich hatte ich das große Glück, von meiner Familie unterstützt zu werden.

New York Bar Exam: Absolvieren, „weil es alle machen“?

Ursprünglich hatte ich nicht geplant, nach zwei Examina auch noch das New York Bar Exam zu absolvieren, zumal mir der Nutzen zweifelhaft schien. Nachdem aber deutlich wurde, dass ein Job in New York nur mit Bar Exam zu haben war und ich aus privaten Gründen noch ein Jahr bleiben wollte, meldete ich mich zur Prüfung an. Meines Erachtens sollte man die Prüfung wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands jedenfalls nicht allein deshalb absolvieren, „weil es alle machen“.

Fazit

Mein Jahr an der Columbia ging wie im Flug vorüber; geblieben sind unzählige bunte Erinnerungen, neue Freundschaften und eindrucksvolle persönliche Begegnungen – und die Liebe zu einer Stadt, die oft und nicht zu unrecht als „capital of the world“ bezeichnet wird. Was mir der LL.M. gebracht hat? Praxiserfahrungen, die ich so in Deutschland nicht hätte machen können. Wertvolle persönliche Kontakte. Und die Möglichkeit, in New York (bezahlt) arbeiten zu dürfen!

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