LL.M. an der Boston University (2008)

Erfahrungsbericht von Wolf R. Bussian

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Wann hast du den LL.M. absolviert?

Nach dem zweiten Staatsexamen.

War der LL.M. für dich die Alternative zur Promotion oder machst du beides?

Ich mache beides. Der LL.M. ist sogar inhaltlich mit der Promotion verbunden.

Was waren deine Gründe für die Entscheidung für ein LL.M.-Studium?

Zum einen bessere Chancen auf eine Partnerschaft in einer der internationalen Großkanzleien durch sehr gutes Englisch und Erfahrungen mit dem US-Rechtssystem. Zum anderen aber auch die Aussicht auf ein im Vergleich zur Arbeit in einer solchen Kanzlei entspanntes Jahr in einer interessanten Stadt.

Nach welchen Kriterien hast du dir das Studienland ausgesucht? Gab es Alternativen?

Die hohen Studiengebühren in den USA haben mich über ein Studium in Kanada nachdenken lassen. Letztlich jedoch genießt der LL.M. in den USA besondere Anerkennung in den Großkanzleien.

Nach welchen Kriterien hast du dir die Uni ausgesucht? Gab es Alternativen?

Nach einer Vorauswahl namhafter Universitäten an der Ostküste war ein wesentlicher Faktor meiner Entscheidung die finanzielle Unterstützung, die mir an der Boston University gewährt wurde. Einen Studienplatz in New York habe ich wegen der dort noch höheren Lebenshaltungskosten und der für eine Familie geringeren Lebensqualität abgelehnt. Den Studienplatz in Cornell habe ich wegen der räumlichen Abgeschiedenheit dieser Universität ausgeschlagen.

Wie zufrieden warst du anschließend mit deiner Wahl?

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Inhaltlich waren die Vorlesungen an der BU erstklassig. Zudem bieten Boston und Neuengland einen sehr vielfältigen Rahmen für ein Auslandsjahr.

Welche besonderen Herausforderungen hat dein Studienland mit sich gebracht?

Die größte Herausforderung in den USA sind die Lebenshaltungskosten. Das Verfahren bezüglich der Visa ist etwas aufwändig, letztlich aber zu meistern.

Wie hast du das LL.M.-Studium finanziert?

Zum einen habe ich ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes bekommen. Das Bucerius-Sonderprogramm, das von der Studienstiftung verwaltet wird, unterstützt allerdings nicht das reine LL.M.-Studium. Vielmehr muss eine Forschungskomponente mit einfließen. Hier bietet sich die Verbindung mit der Dissertation an, ohne dass dies auf eine rechtsvergleichende Arbeit hinauslaufen muss. Bei geeigneten Rechtsgebieten (bei mir war es das Kapitalmarktrecht, insbesondere Insiderhandelsrecht) reicht es aus, wenn die Ergebnisse der deutschen Dissertation anhand der Erkenntnisse der US-amerikanischen Diskussionen überprüft und fortentwickelt werden. Dieses Stipendium zahlt einen Zuschuss zu den Studiengebühren, einen Beitrag zu den Lebenshaltungskosten, Reisekosten, ein Startgeld und sogar einen Zuschlag für Kinder, insgesamt mehr als 30.000 Euro. Zusätzlich habe ich von der Boston University ein Stipendium über 15.000 Euro erhalten. Die BU vergibt seit letztem Jahr ca. 7–8 solcher Stipendien pro Jahr, jeweils zwischen 7.500 und 15.000 Dollar. Deutsche haben dabei besonders gute Chancen, insgesamt vier haben in meinem Jahrgang eine solche Unterstützung erhalten. Darüber hinaus kann auch immer versucht werden, eine der internationalen Großkanzleien zu einer finanziellen Unterstützung des LL.M.-Studiums zu veranlassen. Zumeist jedoch bevorzugen es die Kanzleien, statt einer solchen Unterstützung ein höheres Einstiegsgehalt für LL.M.-Absolventen zu zahlen.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten?

Da ich mit meiner Frau und meiner zehn Monate alten Tochter angereist bin, waren die Lebenshaltungskosten für mich deutlich höher, als sie für einen einzelnen Studenten wären. Alleine für die Kaltmiete eines ansprechenden Apartments in Boston musste ich 2.000 Dollar im Monat bezahlen (in New York wären es mindestens 3.500 gewesen). Insgesamt beliefen sich die Lebenshaltungskosten (inkl. Miete, Gas, Strom, günstiges gebrauchtes Auto, Internet, Telefon, Fernsehen, Essen, Ausflüge etc.) auf etwa 4.000 Dollar im Monat – Boston ist sehr teuer. Ohne Familie kommt man aber mit der Hälfte sehr gut aus.

Waren der MBA oder andere Postgraduiertenprogramme eine Alternative für dich?

Nein, ich möchte auch künftig juristisch arbeiten, womit alleine der LL.M. in Betracht kam. Wie bist du mit der Landessprache und den kulturellen Besonderheiten des Landes klargekommen? Kulturell ist Boston für Europäer gut verträglich, sicherlich eine der interessantesten Städte der USA. Obwohl meine Englischkenntnisse nur mittelmäßig waren (Englisch in der Schule nach der elften Klasse abgegeben, aber vier Monate Wahlstation für eine Großkanzlei in London), habe ich mich durch das hohe Lesepensum hier schnell in die Sprache eingefunden.

Wie ging es für dich nach dem LL.M. weiter?

Nach dem letzten Feinschliff an meiner Dissertation habe ich im Frankfurter Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei Lovells angefangen.

Meinst du, dass sich das LL.M.-Studium finanziell auszahlen wird?

Durch den hohen Anteil von Fremdfinanzierung mit Sicherheit ja.

Hat sich das LL.M.-Studium in Bezug auf deine Karriere gelohnt?

Ich bin mir sicher, dass ein souveränes Englisch, aber auch die praxisnahe Ausbildung der Unis in den USA meine Aussichten auf eine Partnerschaft in einer Großkanzlei verbessert haben.

Hast du nach dem LL.M.-Studium überlegt, in deinem Studienland zu bleiben?

Als Jurist ist man leider recht stark an das Rechtssystem seiner Erstausbildung gebunden. Studium, Referendariat und Doktorarbeit im deutschen Rechtssystem werden durch ein Jahr Studium in den USA nicht so schnell aufgewogen. In Deutschland ist meine Arbeitskraft also mehr wert, dementsprechend sind die Aussichten auf einen guten Job und eine Karriere hier besser als in den USA. Zudem zahlen die US-Kanzleien in den USA zwar mehr und die Steuersätze sind niedriger, aber dafür sind die Lebenshaltungskosten viel höher. Vor allem aber waren Freunde und Familie in Deutschland der beste Grund zur Heimkehr.

Würdest du dich für dasselbe LL.M.-Studium noch einmal entscheiden?

Ja. Ich habe inhaltlich viel mehr für die Praxis mitnehmen können als erwartet. Vor allem aber: Wenn ich in dreißig Jahren zurückdenke, wird mir mein Jahr in Boston sicherlich besser in Erinnerung sein, als es ein weiteres Jahr Anwaltsarbeit wäre…

Welche Tipps gibst du zukünftigen LL.M.-Studenten?

Frühzeitige Vorbereitung ist der Schlüssel. Die Bewerbungen an den Unis in den USA sind extrem zeitaufwändig und nur sorgfältig vorbereitete Bewerbungen um die Studienplätze der guten Universitäten führen zum Erfolg. Das gilt noch mehr für alle Stipendienbewerbungen.