LL.M. am King’s College 2011

Erfahrungsbericht von Mara Wantuch-Thole, Referendarin und Promovendin am King’s College London und an der Humboldt-Universität Berlin sowie Lehrbeauftragte an der Freien Universität Berlin

Wahl des Zeitpunkts für das LL.M.-Studium

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Ich habe mich dazu entschieden, sofort nach dem Ersten Staatsexamen einen LL.M. in England zu machen. Der Grund dafür war, dass ich einen Tapetenwechsel vom deutschen Jura-Alltag gebraucht habe und unbedingt in einem anderen Land leben wollte. Für mich war der Zeitpunkt genau der richtige, da ich nach meiner Rückkehr wieder hoch motiviert war, kontinentaleuropäisches Recht zu lernen. Zudem hatte ich einen LL.M. und (fast) einen Ph.D. in der Tasche und hatte somit Spezialkenntnisse erworben, die mich für Kanzleien und andere Referendariatsstationen meiner Wahl als Referendarin interessant machten. Das war ein großer Vorteil gegenüber Referendaren, die sofort nach dem Ersten Staatsexamen mit dem Referendariat beginnen. Der Nachteil für mich bestand allerdings darin, dass ich mich erst wieder mühselig ins deutsche Recht einarbeiten musste.

Wahl des Studienlands und des LL.M.-Programms

Meine Wahl fiel sehr schnell auf das King’s College in London, da es dort einen spezialisierten LL.M. im Urheberrecht und Gewerblichen Rechtschutz gibt. Zudem interessiere ich mich besonders für das Exotenfach Kunstrecht, das zu dieser Zeit nur am King’s College unterrichtet wurde. Als Alternativen wären die Queen Mary University infrage gekommen oder die University of Edinburgh, die ebenfalls einen sehr guten Ruf genießen.

Die Vorbereitungsphase

Am mühseligsten war es, sich auf den TOEFL vorzubereiten. Die Vorbereitung hat ca. drei Monate in Anspruch genommen. Dafür habe ich mir viel Lernmaterial besorgt, das es online zu kaufen gab. Um am King’s genommen zu werden, musste man sehr hohe Punktzahlen erreichen, speziell was den sogenannten Essay-Teil des Tests angeht. Insgesamt habe ich den Test zweimal wiederholt, um die geforderte Essaynote zu erreichen. Zudem bin ich bereits drei Monate vorher nach London gefahren, um eine Wohnung zu finden. Das würde ich auch allen empfehlen, denn die Studentenwohnheime sind schäbig und viel teurer als gemietete WG-Zimmer. Der Standardpreis für ein WG-Zimmer beträgt ca. 500 bis 600 Pfund pro Monat!

Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten

Das Studium hat inklusive Lebensunterhalt für das komplette Jahr damals 15.000 Euro gekostet. Das Geld dafür habe ich gespart und teilweise von Verwandten bekommen. Es lohnt sich allerdings, sich beim DAAD für ein Stipendium zu bewerben.

Meine Highlights im LL.M.-Studium

Da ich mich besonders für die Kunst und das Recht interessiere, waren die Highlights natürlich die vielen kulturellen Angebote, die ich besuchen konnte. Durch meine Magisterarbeit hatte ich engen Kontakt zu meinem Professor, der mich in die Gepflogenheiten der Londoner Museumswelt einführte. Ich konnte an zahlreichen Konferenzen und Sitzungen teilnehmen, was mir für meinen Lebenslauf sicherlich viel gebracht hat. Natürlich war es auch ein großer Spaß, das Londoner Nachtleben zu erkunden, gemeinsam mit den vielen neuen Freunden aus aller Welt. Viele davon werden wohl Freunde fürs Leben bleiben.

Der Ph.D.

Bereits kurz nach Beginn des Programms stand für mich fest, nicht schon nach zehn Monaten aus London abzureisen. Ich wollte eine Doktorarbeit im Kunstrecht schreiben, und mein Professor war zu der Zeit einer der wenigen in Europa, der das Fach beherrschte und auch unterrichtete. Ich wurde also Ph.D.-Studentin und bekam die Möglichkeit, mit ihm gemeinsam zu lehren. Der Ph.D. war extrem teuer und musste finanziert werden. Ich habe zwei Jahre für ihn eingeplant, obwohl das Programm an sich drei Jahre dauert. An einen Ph.D. werden in den angloamerikanischen Staaten ganz andere Anforderungen gestellt als an eine Doktorarbeit in Kontinentaleuropa. Generell entscheiden sich dafür nur Kandidaten, die auch eine Professur anstreben. Ich musste umdenken, mich einarbeiten und eine völlig andere akademische Arbeitsweise verstehen lernen. Nach neun Monaten kam dann die berüchtigte Verteidigung der ersten Kapitel. Ich bestand, war aber extrem demotiviert, noch mindestens zwei Jahre weiterzumachen – und danach sah es wohl aus. Ich wusste, dass ich den Doktortitel in Deutschland schneller und vor allem billiger hätte haben können. Die Studiengebühren in England sind sehr hoch (ca. 6.000 GBP im Jahr) und die Chancen, an ein Stipendium zu kommen, stehen sehr schlecht. Der Vorteil besteht allerdings darin, dass einem nach einem absolvierten Ph.D. eine gut bezahlte Professur in den USA oder in England ohne Weiteres offensteht, da man eine sehr gute akademische Ausbildung erhält – und das ohne Habilitation!

Fazit

Der LL.M. war eine enorme akademische und kulturelle Bereicherung. Einen Doktortitel würde ich rückblickend allerdings eher in Deutschland erwerben – sofern man nicht plant, sich dauerhaft in den USA oder in England niederzulassen. Trotzdem waren die Jahre in England unbezahlbar. Ich werde mich immer etwas als Londonerin fühlen.

Weblinks


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