LL.M. Tax Law in Maastricht

Erfahrungsbericht von Aleksandra Bal Mitarbeiterin in Indirect Tax Service Line/VAT bei der Deloitte & Touche GmbH in Berlin


Allgemeines und Beweggründe

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Im Februar 2009 bin ich in der südöstlichsten Stadt der Niederlande angekommen, um dort meinen Master in International Tax Law zu absolvieren. Mein Aufenthalt dort hat sich in jeder Hinsicht gelohnt – er hat mich fachlich und sprachlich weitergebracht und auf den späteren Berufsweg besser vorbereitet.

Wahl des Zeitpunkts für das LL.M.-Studium

Ursprünglich wollte ich mit dem LL.M. gleich nach meinem Abschluss in Deutschland anfangen. Da ich aber mein Auslandsstudium selbst finanzieren musste, habe ich zuerst ein Jahr lang gearbeitet. Mein Job bei einer der Big Four hat mir gute Einblicke in die Praxis verschafft, meine Steuerrechtskenntnisse deutlich verbessert und war insgesamt eine exzellente Vorbereitung auf den LL.M.

Wahl des Studienlands und des LL.M.-Programms

Da Master-Programme in Tax Law nur an wenigen Universitäten angeboten werden, hatte ich von Anfang an beschränkte Möglichkeiten bei der Auswahl des Studienlands. Ich wollte unbedingt auf Englisch studieren, aber wegen der hohen Studiengebühren kamen die USA und England für mich nicht infrage. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen für Maastricht entschieden: Die Universität ist sehr international ausgerichtet (ca. 40 Prozent der Studenten und 22 Prozent der Dozenten kommen aus dem Ausland) und steht im europaweiten Vergleich recht gut da. Die meisten Master-Programme beginnen zweimal im Jahr (Februar und Dezember), sodass man seinen Aufenthalt flexibel planen kann. Die zentrale Lage von Maastricht war auch nicht ohne Bedeutung – von dort aus kann man dank der guten Verkehrsverbindungen viele europäische Metropolen recht schnell erreichen. Nach einer Stunde Zugfahrt ist man in Brüssel. Nach Paris braucht man nur drei Stunden. Obwohl ich kein Wort Niederländisch sprach, war das nie ein Problem. Dank der Sprachgewandtheit der meisten Niederländer konnte ich mit Englisch in Alltagssituationen ganz gut zurechtkommen.

Die Vorbereitungsphase

Man sollte den Umfang der notwendigen Vorbereitungen nicht unterschätzen. Obwohl die Bewerbungsfristen in den Niederlanden ziemlich spät liegen (Stichtag ist der 15. Dezember, wenn man im Februar anfangen möchte), benötigt man einige Monate, um alles zu organisieren. Als Nachweis der Englischkenntnisse wird ein gutes TOEFL-Ergebnis verlangt (mindestens 90 Punkte bei dem internetbasierten Test). Diejenigen, die sich bisher nicht mit dem Steuerrecht beschäftigt haben, müssen zusätzlich eine Aufnahmeprüfung ablegen, um zum Masterstudium in Tax Law zugelassen zu werden.

Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten

Die Gebühren für ein LL.M.-Studium in Maastricht liegen zurzeit bei 1.600 Euro. Hinzu kommen die Lebenshaltungskosten, die ein bisschen höher als diejenigen in Deutschland sind. Für ein Zimmer muss man in der Regel zwischen 300 und 400 Euro bezahlen. Die Wohnungssuche gestaltete sich für mich viel einfacher als angenommen. Die Universität verfügt über ein Guesthouse, das Unterkunft für ausländische Studenten bietet. Die Zimmer kann man über ein Online-Formular buchen. Sie sind zwar etwas teurer, man erspart sich aber so eine längere Wohnungssuche.

Meine Highlights im LL.M.-Studium

Das Studium ist sehr international ausgerichtet. Man lernt Studenten aus allen möglichen Ländern und Kontinenten kennen. Mein Master bestand aus sieben Pflichtkursen, einem Wahlfach und der Master-Arbeit. Während in Deutschland der Lernstoff überwiegend durch Vorlesungen, Übungen und Seminare vermittelt wird, steht in den Niederlanden der sogenannte „problemgesteuerte Unterricht“ (problem based learning) im Vordergrund. Man muss sich auf jede Veranstaltung vorbereiten und eine Mange an Lesestoff bewältigen – Präsentationen, Gruppenarbeit und Hausaufgaben gehören zum studentischen Alltag. Diese Assignments fließen, zusammen mit der Abschlussklausur, anteilig in die Gesamtnote ein. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, dass man ständig bewertet wird. Außerdem herrscht absolute Anwesenheitspflicht (mehr als zwei Veranstaltungen darf man nicht verpassen).

Das hat mir der LL.M. gebracht

Der fachliche Zugewinn durch ein Auslandsstudium ist sicherlich hoch. Insofern hat mich der LL.M sicherlich sprachlich und fachlich weitergebracht. Meines Erachtens ist aber der persönliche Erfahrungszuwachs mindestens genauso hoch einzuschätzen. Man lebt in einer neuen Umgebung und trifft Menschen aus verschiedenen Ländern und völlig unterschiedlichen Kulturen. Ich würde jedem empfehlen, sich nicht nur auf das Studium zu konzentrieren, sondern auch die Chance zu nutzen, internationale Erfahrungen zu sammeln.

Mein Fazit

Ein LL.M.-Studium im Ausland ermöglicht einem ganz neue Einblicke, die einen fachlich und privat weiterbringen und zugleich unglaublich viel Spaß machen.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.