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Studieren in Japan

(Weitergeleitet von Japan)

Der Legende nach ist Japan aus den Tränen einer Göttin entstanden. Dort, wo ihre Tränen den Pazifik berührten, bildeten sich Inseln. Tatsächlich entstand die Inselgruppe vor dem asiatischen Festland durch Bewegungen der Erdkruste. Japan liegt an den Schnittstellen tektonischer Platten. Deshalb suchen Erdbeben die japanischen Inseln ständig heim: Die fast 130 Mio. Bewohner haben sich daran gewöhnt, dass im Schnitt vier mal täglich die Erde bebt.

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Buddha
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Japanischer Garten


Japan in Zahlen

Stand: Januar 2008

Geographie

  • Staatsgebiet: Etwa 4.000 Inseln, die vier größten davon sind Honshu, Hokkaido, Kyushuu und Shikoku
  • Landmasse: 377.835 km² (etwa 20.000 km² größer als Deutschland)
  • Terrain: ca. 80 Prozent Gebrige, ca. 20 Prozent Ebene, 1 Prozent Gewässer
  • Klima: Reicht aufgrund der extremen Nord-Süd-Ausdehnung von subarktisch (Hokkaido) bis subtropisch (Okinawa)

Politische Organisation

  • Staatsform: Konstitutionelle Monarchie (Demokratie)
  • Hauptstadt: Tokyo
  • Verwaltungsstruktur: 47 Präfekturen

Gesellschaft

  • Einwohnerzahl: 127.463.600 (2006)
  • Bevölkerungsdichte: 337 Einw./km²
  • Bevölkerungsdichte Tokyo: 5655 Einw./km²
  • Amtssprache: Japanisch
  • Lebenserwartung: 85 Jahre (Frauen)/ 78 Jahre (Männer)
  • Religionen: Shintoismus und Buddhismus (95% der Bevölkerung)

Wirtschaft

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Tokyo
  • Bruttonationalprodukt: €4,366 Billionen
  • BIP/Einwohner: €29.400
  • Währung: Japanischer Yen

Geschichte

  • Erster japanischer Staat: ca. 660 v.Chr. (durch Kaiser Jimmu)
  • Nationalstaat: ab dem 17. Jh. durch das Tokugawa Shogunat
  • Industrialisierung: ab 1868 mit der Meiji Restauration
  • Derzeitige Verfassung: 3. Mai 1947

Hochschulen und Forschungsinstitute

  • Hochschulen öffentlich: 89 (werden mit etwa €500 Mio. vom Staat gefördert)
  • Hochschulen privat: ca. 400
  • Forschungsinstitutionen:
    • RIKEN - Naturwissenschaften (Etat: €650 Mio.) RIKEN
    • RIETI - Wirtschaft, privat (Etat: €15 Mio.) RIETI

Sonstiges

  • Telefonvorwahl: +81
  • Int. Domain: .jp -oft .co.jp (E-Commerce) oder .ac.jp (Universitäten)
  • Zeitzone: GMT +9h
  • Netzspannung: 110V mit 50Hz Frequenz in Nordostjapan und 60Hz in Südwestjapan


Reisevorbereitungen

Visum und Einreise

Als Deutscher Staatsbürger benötigt man ein Visum, sobald der Aufenthalt länger als drei Monate dauert. Bei Studierenden beantragt das in der Regel die japanische Universität; die nötigen Dokumente werden bereits bei der Anmeldung des Auslandsaufenthalts angefordert. Die japanische Hochschule verschickt darauf in Zusammenarbeit mit der Einreisebehörde ein temporäres Dokument (CESR), das sich bei der japanischen Botschaft oder Konsulaten in ein Visum umwandeln lässt. Die Bearbeitungszeit beträgt in diesem Fall etwa drei Stunden. Wer sich auf regulärem Weg um ein Visum bewirbt, kann dies bei den zuständigen Stellen in Japan oder der japanischen Botschaft bzw. den Konsulaten (empfohlen) tun. Das dauert dann aber etwa ein bis zwei Monate.

Zu beachten sind ggf. Beschränkungen, die je nach Visumstyp auftreten:

  • Einfachvisum:

Dem Inhaber des Visums wird die einmalige Ein- und Ausreise erlaubt. Wer während seines Japanaufenthalts das Land kurzfristig verlassen will, muss sich vorher bei den zuständigen japanischen Behörden melden und eine Wiedereinreisegenehmigung beantragen. Diese kostet rund 50€ je Antrag.

  • Mehrfachvisum:

Während der Gültigkeitsperiode ist die Ein- und Ausreise problemlos möglich.

Impfung und Krankenversicherung

Spezielle Impfungen sind i.d.R. nicht vonnöten. Da zumindest auf den vier Hauptinseln ein ähnliches Klima wie in Mitteleuropa herrscht, trifft man auch die gleichen Erreger an. Je nach Aufenthaltsort und Freizeitplanung kommen also Zecken- und/oder Tetanusimpfung in Frage sowie die restlichen Impfungen in Deutschland üblichen Impfungen (Masern, Hepatitis usw.). Die einzige Ausnahme stellt die Japanische Encephalitis dar, eine Viruserkrankung, die zu hohem Fieber und besonders bei Kindern zu Gehirnschädigung führen kann. Überträger sind Stechmücken. Eine mäßige Ansteckungsgefahr besteht in ländlichen Gebieten Süd-Honshus, Shikokus und Kyushus. Die Lieferzeit für den Impfstoff beträgt zwei bis vier Wochen für Deutschland, die Immunisierung findet innerhalb eines Monats statt. Geschätzte Kosten der Impfung: 150€.

Studierende, welche nur für kurze Zeit (d.h. weniger als ein Jahr) eine japanische Universität besuchen, sollten eine entsprechende Auslandskrankenversicherung in Deutschland abschließen. Japanische Angebote sind in der Regel teurer und/oder nur für japanische Staatsbürger/Ausländer mit Arbeitsgenehmigung verfügbar. Ausländische Studenten, die ein Jahr oder länger in Japan verweilen, müssen üblicherweise der Nationalen Krankenversicherung (Kokumin Houken) beitreten. Die Versicherungsgebühr beträgt rund 20€ pro Monat. Durch die Versicherung werden 70 Prozent der anfallenden Behandlungskosten bei Unfällen, Krankheiten und gewöhnlichen medizinischen Serviceleistungen erstattet. Trotzdem sollte man sich eine kurzfristige Auslandskrankenversicherung (30-60 Tage Laufzeit ab Abreise) zulegen, denn Unfälle während der Anreise und bis zum Erhalt des Versicherungsbelegs sind nicht oder nur umständlich abzudecken.

Sonstige Tipps

  • Wer kurzfristig und ohne Visum Japan besucht und zudem plant, das Land zu bereisen, sollte sich einen JR Railpass besorgen. Da bereits Mittelstreckenverbindungen (z.B. Kyoto-Tokyo, Osaka-Hiroshima) mit über 10.000 Yen einfach zu Buche schlagen können, lässt sich mit dem Railpass eine Menge Geld sparen.


Japan: Eigene Regeln bestimmen das Land

Ausländische Gäste müssen sich nicht nur auf wackelnde Wände einstellen: Allem westlichem Einfluss zum Trotz bewahrte sich die japanische Kultur und Lebensart ihren eigenen Regeln und Wertesysteme. Sich darauf einzulassen, fällt Europäern oft schwer. Trotz zum Teil erheblicher Sprachhindernisse und den vor allem in Tokio extrem hohen Lebenshaltungskosten hat sich die Zahl ausländischer Studierender seit 1999 nahezu verdoppelt. 2003 waren über 86.000 ausländische Studenten an einer japanischen Universität immatrikuliert. Der Großteil von ihnen stammte aus Asien. Gerade einmal 2.680 Studierende aus ganz Europa fanden den Weg in das ferne Land. Das sind 3,1 Prozent aller internationalen Studenten dort - trotz der intensiven Bemühungen des Monbukagakusho, des japanischen Bildungsministeriums. Gemäß einer Studie im Auftrag des Ministeriums haben japanische Dozenten die positivsten Erfahrungen mit deutschen Studenten gemacht.

Stipendien machen den Aufenthalt erschwinglich

Dabei bieten sowohl japanische als auch deutsche Organisationen zahlreiche Stipendien. Sie reduzieren zumindest die finanzielle Belastung eines Studienaufenthalts auf ein erträgliches Maß. Besonders zu empfehlen sind die Semester- und Jahresstipendien des Monbukagakusho. Bei bestehenden Hochschulpartnerschaften vermitteln die Akademischen Auslandsämter der Hochschulen die Stipendien.

Wer den Schritt nach Japan wagt, findet sich in einer faszinierenden Kultur wieder. Jahrtausende alte Tradionen und Ultra-Moderne verbinden sich miteinander. Schaffst du sogar den Sprung in eine der Elite-Hochschulen des Landes, stehen dir alle Türen offen. Nicht nur im Land des Lächelns.


Uni-Landschaft

Japan ist eine Wissensgesellschaft. Jeder zweite Japaner besucht eine Universität. Rechnet man alle höhere Bildungsinstitutionen dazu, liegt der Anteil sogar bei über 70 Prozent. Das japanische Ausbildungssystem unterscheidet sich erheblich vom deutschen: Neben den klassischen Universitäten existieren zahlreiche weitere Institutionen. Sie entsprechen nicht dem Standard einer Universität, werden aber trotzdem dem universitärem Ausbildungssystem zugerechnet.


Hochschulen in Japan

In Japan existieren über 600 Hochschulen, Business Schools, Colleges und Spezialschulen für höhere Ausbildung mit an die drei Millionen immatrikulierten Studenten. Davon sind nur 98 als sogenannte nationale Hochschulen von staatlicher Seite gefördert. Im weiteren Sinne sind auch die 46 städtischen und Präfektur-Hochschulen "staatlich", da sie ebenfalls öffentlich finanziert werden. Daneben existieren über 530 privat geführte und (bis auf 10 Prozent des Budgets) privat finanzierte Hochschulen. National und international anerkannte Spitzenuniversitäten finden sich allerdings nur unter den staatlichen mit der Tokyo University, Kyoto University, Tohoku University und der Osaka University in der Spitzengruppe. Obwohl die Ausbildung immer noch stark auf japanische Studierende zugeschnitten ist, findet seit den 1990er Jahren eine starke Öffnung zum Ausland hin statt, weil sich ein Studentenmangel abzeichnete. Leider hat sich Englisch noch nicht als Unterrichts- und Umgangssprache im Laboralltag eingebürgert. Wen diese Sprachbarriere aber nicht von einem Auslandsstudium in Japan abschreckt, der wird mit gut finanzierter Forschung in einem interessanten Arbeitsumfeld belohnt.

Anmeldung und Aufnahmebedingungen zum Studium in Japan

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Herbst in Kyoto

Die Anmeldeprozeduren an japanischen Universitäten unterscheiden sich je nach Art des Studienaufenthalts:

  • Kurzfristige Studienaufenthalte:

Diese werden meist im Rahmen von Austauschabkommen mit deutschen Universitäten geregelt. Interessenten sollten sich also an ihrer Hochschule über Kontakte zu japanischen Universitäten informieren und sich danach bei der internationalen Koordinierungsstelle melden. Voraussetzung sind neben guten Noten i.d.R. der TOEFL Test oder der JLPT in einer höheren Stufe.

  • Bachelor- und Masterstudiengänge:

Das japanische Studium gliedert sich in ein vierjähriges Bachelorstudium (Daigaku), an das ein zweijähriges Masterprogramm (Shushi Katei) angeschlossen werden kann. Voraussetzung zur Aufnahme des Studiums ist das Bestehen einer Aufnahmeprüfung, die meist in japanischer Sprache abgelegt werden muss. Die Anmeldung erfolgt direkt bei der entsprechenden Universität. Sofern in der Aufnahmeprüfung kein Sprachtest für ausländische Studenten enthalten ist, werden entsprechende Nachweise im Vorfeld angefordert. Da sich vor allem die Masterstudiengänge für ausländische Berwerber öffnen, gibt es hier z.T. auch alternative Anmeldeverfahren. Diese reichen je nach Universität und Fakultät von der Vorlage eines Bachelorzeugnisses, Empfehlung durch eine institutionelle Einrichtung (z.B. Japanische Botschaft, MEXT, DAAD) bis zum erfolgreichen Bestehen geforderter GRE Prüfungen.

  • Promotionsstudiengänge:

Die Anmeldung erfolgt hier abhängig von der Fakultät oder Forschungsgruppe bei der man sich bewirbt. Voraussetzungen sind hier ebenfalls entsprechend gute Noten im Masterzeugnis, Empfehlung durch Behörden und Stiftungen sowie Tests zur fachlichen und sprachlichen Qualifikation.


Studienfinanzierung

Für ausländische Studierende in Japan gibt es eine Reihe spezieller Stipendien. JASSO-Stipendien richten sich an Austauschstudenten und sind auf maximal ein Jahr Laufzeit ausgelegt. Daneben gibt es noch Monbukagakusho-Stipendien für Studenten in Masterkursen und Doktoranden, sowie JSPS Stipendien für Postdoc-Aufenthalte. Wer sich für kein Stipendium qualifizieren oder trotz Stipendium seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren kann, hat die Möglichkeit, mit einem Nebenjob dazuzuverdienen. Dafür bedarf es eines Antrags bei der Immigrationsbehörde. Die Arbeitszeit ist allerdings auf 28 Stunden pro Monat begrenzt. Zusätzliche Hindernisse sind das - meist erforderliche - perfekte Beherrschen der japanischen Sprache sowie die vergleichsweise geringe Entlohnung in Nebenjobs. Eine weitere viel genutzte, aber teilweise illegale Möglichkeit ist der Exporthandel mit japanischen Produkten, z.B. über eBay, und privater Sprachunterricht. Die letztgenannte Möglichkeit ist vor allem für englische Muttersprachler (etwa 30€/wh) geeignet, es finden sich aber auch Interessenten für Französisch, Deutsch (20€/wh), Koreanisch und Chinesisch (etwa 10€/wh).

Zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten

Schon in der Schule haben Japaner eine ganze Reihe verschiedener Ausbildungsmöglichkeiten: Viele besuchen bereits in ihren letzten Schuljahren Abendkurse, die sie auf die die harten Aufnahmeprüfungen der Hochschulen vorbereiten sollen. Manche Universitäten haben sogar eigene Schulen, die künftige Studenten für das Studium fit machen.

Die wichtigsten drei Hochschultypen in Japan sind Universitäten, die so genannten Junior Colleges und die Colleges of Technology. Während die Universitäten vom Standard her den deutschen Hochschulen entsprechen, zeichnen sich die Colleges durch wesentlich kürze Studienzeiten aus. Im Schnitt dauert die Ausbildung an den Junior Colleges nur zwei Jahre. Der Großteil der Studenten an den Junior Colleges sind Frauen. Die Colleges of Technology können schon nach dem Abschluss einer Mittelschule besucht werden. Von der öffentlichen Hand geführte und finanzierte Universitäten werden außerdem in staatliche und sogenannte Local Public Universities unterschieden. Die staatlichen Universitäten unterstehen direkt dem Erziehungsministerium, während die Local Public Universities von den Lokalregierungen geführt werden. Die japanische Universitätslandschaft ist stark durch private Einrichtungen geprägt: Die überwiegende Mehrheit der Universitäten werden privatwirtschaftlich geführt.

Schulden fürs Studium

Hier wird der hohe Stellenwert einer universitären Ausbildung in der japanischen Gesellschaft deutlich: Die Studiengebühren an den Privat-Unis betragen zum Teil ein Vielfaches der Kosten öffentlicher Einrichtungen. Für japanische Familien ist es deshalb auch nicht ungewöhnlich, sich hoch zu verschulden, um ihren Kindern eine universitäre Ausbildung zu ermöglichen.


Die besten Unis

Die Wahl der Hochschule in Japan ist für Ausländer eine schwierige Angelegenheit. Ein allgemein zugängliches Universitäts-Ranking in englischer Sprache existiert nicht. Das japanische Bildungsministerium erstellt inoffizielle Ranglisten, die man aber nicht einsehen kann. Welche Universität für einen Auslandsaufenthalt die beste ist, solltst du deshalb indivduell durch Gespräche mit Experten klären.

Je härter, desto besser

Generell bemisst sich der Ruf japanischer Universitäten nach dem Schwierigkeitsgrad der Aufnahmeprüfung - je härter, desto besser. Daneben beeinflusst auch die Höhe der Studiengebühren den Ruf, wobei die teuersten die besseren sein sollen. Die Aufnahmebedingungen der einzelnen Universitäten variieren stark. Du solltest das erforderliche Informationsmaterial spätestens acht Monate im Voraus im International Student Office der jeweiligen Universität anfordern.

Ähnlich wie im deutschen Universitätswesen unterscheidet sich die Qualität der einzelnen Fachbereiche an den Hochschulen: Eine Universität mit hervorragendem wirtschaftswissenschaftlichem Institut könnte in Sachen Ingenieurwissenschaften nur Durchschnitt sein.

Tokio an der Spitze

Trotz der individualisierten Hochschullandschaft gibt es einige Universitäten, die - ähnlich Cambridge oder Oxford - landesweites Renommee besitzen. Unangefochten an der Spitze steht die Universität Tokio. Die 1877 gegründete Hochschule ist vor allem für ihre Wirtschaftswissenschaften berühmt. Auch die zwanzig Jahre jüngere Universität Kyoto glänzt mit erstklassigem Ruf. Ähnlich begehrt bei japanischen und ausländischen Studenten sind die privaten Universitäten Waseda und Keio. Hier müssen allerdings erst einmal die sehr hohen Studiengebühren aufgebracht werden.

Auch kleine Unis sind top

Die Hälfte aller internationalen Studenten konzentriert sich auf die Universitäten in der Umgebung von Tokio. Dennoch bieten Unis in anderen Gegenden auch Vorteile: geringere Studiengebühren und Lebenshaltungskosten sowie kleine Studentengruppen und individuelle Studienpläne. Die Association of International Education rät ausländischen Studenten, ihre Uni-Wahl nicht nur vom Namen oder Ruf abhängig zu machen. Die von der Association veröffentlichte Checkliste soll es den Studenten erleichtern, die passende Uni zu finden:

  • Inhalt des Curriculums
  • Sprachlernprogramme
  • Spezielle Programme für ausländische Studenten
  • Aufnahmeprüfung
  • Höhe der Studiengebühren
  • Stipendien und andere finanzielle Hilfen
  • Unterbringungsmöglichkeiten
  • Recherche-Einrichtungen
  • Standort

Die Universität, an der du in Japan studieren willst, solltest du sehr sorgfältig auswählen. Ein Wechsel vor Ort ist nur schwer möglich und in Japan unüblich.


Auf Japanisch geht es besser

Kompliziert bis fast unmöglich wird ein Studienaufenthalt ohne Grundkenntnisse der japanischen Sprache. Nur wenige große Universitäten bieten ihre Kurse auch in Englisch an.

Anders die Situation bei Praktika: In den großen Metropolen, immer voran natürlich Tokio, ist es durchaus möglich, nur mit Englisch über die Runden zu kommen. Gerade in international agierenden Unternehmen ist Englisch Geschäftssprache. Dort bilden sich regelrechte Ausländerenklaven, die aber nur wenig mit der japanischen Kultur in Kontakt treten.

Sprachschulen vor Ort
Auf jeden Fall empfiehlt sich für einen Aufenthalt der Besuch von Sprachschulen vor Ort. Das ist relativ leicht zu organisieren, und als einzige Zugangsvoraussetzung wird meist das Abitur verlangt. Adressen über Sprachprogramme in Deutschland sind über das
Japanisch-Deutsche-Zentrum in Berlin erhältlich. Hast du vor, dein Studium auf Japanisch durchzuführen? Dann empfehlen wir dir den Japanese Profiency Test abzulegen. Bei internationalen Studiengängen ist der bestandene TOEFL-Test Voraussetzung.


Studium

Das Universitäts-Studium in Japan gliedert sich in zwei Abschnitte: den vierjährigen Undergraduate Course mit dem Abschluss Bachelor und den Graduate Course, der mit dem Titel Master (Dauer: zwei Jahre) bzw. Doktor (Dauer: zwischen drei und fünf Jahren) abgeschlossen wird.

Nach amerikanischem Vorbild

Dozenten an japanischen Universitäten vergeben ihre Noten nach amerikanischem Vorbild in den Abstufungen A, B, C und D. Um einen akademischen Grad zu erlangen, müssen die Studenten zum Ende eines Courses eine bestimmte Anzahl so genannter Credits vorweisen. Ein credit wird in der Regel über einen Zeitraum von 15 Wochen erarbeitet und setzt sich aus 45 Unterrichtsstunden zusammen. Für den Bachelor sind 124 credits nötig, für einen Master- oder Doktorgrad werden mindesten 30 credits vorausgesetzt.

Das Studium in Japan ist wie das deutsche in Semester aufgeteilt. Gezählt wird aber in Studienjahren. Ein Studienjahr beginnt - wie auch das Steuerjahr - im April mit dem Sommersemester. In der Regel ist dies auch der einzige Zeitpunkt, an dem du das Studium an japanischen Hochschulen aufnehmen kannst. Das Wintersemester endet Anfang Februar.

Studium universale

Noch vor dem zweiten Weltkrieg besuchten alle japanischen Studenten eine universitätsvorbereitende Oberschule. Sie sollte den künftigen Studenten eine breite Wissensbasis unabhängig von der späteren Fachrichtung vermitteln. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Hochschulsystem neu strukturiert: Seitdem sammeln japanische Studenten wie ihre amerikanischen und seit Kurzem auch ihre europäischen Kommilitonen für ihren Abschluss credits. Die universitätsvorbereitende Oberschule wurde abgeschafft und ins Studium integriert. 1996 wurde dieses Studium generale offiziell abgeschafft. Trotzdem ist das Grundstudium an japanischen Hochschulen noch vom Gedanken der Allgemeinbildung geprägt und vergleichsweise stark verschult. Erst in den Master Courses haben die Studierenden wirklich freie Hand bei der Gestaltung ihrer Studieninhalte. Deshalb beginnen japanische Studenten später als Europäer, sich wirklich in ihr Studienfach zu vertiefen. Schon aus diesem Grund ist für deutsche Studierende ein Studienaufenthalt an einer japanischen Universität erst ab dem Hauptstudium wirklich sinnvoll.


Studiengebühren und Lebenshaltungskosten

Vo allem das erste Studienjahr an einer japanischen Universität ist teuer: Zu den regulären Studiengebühren kommen hohe Aufnahmegebühren. In den folgenden Jahren betragen die Gebühren durchschnittlich 70 Prozent der hier genannten Zahlen.

Die Höhe der Gebühren für das erste Studienjahr variiert an den einzelnen Hochschulen erheblich. Je nach Fachgebiet betragen die Kosten für ein Undergraduate-Studium zwischen 1.000.000 Yen (7.900 Euro) an staatlichen und 5.000.000 Yen (39.500 Euro) an privaten Hochschulen. Die Gebühren für das erste Jahr im Graduate-Studium schwanken um die 1.100.000 Yen. (Quelle: DAAD, Stand 10/2004)

Mit Abstand am teuersten sind die Medizinstudiengänge, allen voran die Zahnmediziner. Geisteswissenschaftliche Studiengänge und auch die Wirtschaftwissenschaften liegen am unteren Ende der Skala.

Uni-Partnerschaften nutzen

Meist empfiehlt es sich, die jeweilige japanische Partneruniversität deiner Uni für den Aufenthalt zu wählen. Der größte Vorteil: Durch die Abkommen zwischen den Universitäten fallen die Studiengebühren oft weg.

Ein weiterer Vorteil der Uni-Partnerschaften: Zumindest zwischen den Partneruniversitäten bestehen meist Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung erbrachter Studienleistungen. Auf Länder- oder Bundesebene existiert so eine Regelung nicht. Ohne ein entsprechendes Abkommen kannst du nur auf die Kulanz deiner heimischen Universität oder des Kultusministeriums setzen.

Auch die zum Teil extrem aufwändigen Bewerbungsprozeduren fallen weg - oder werden durch die Unterstützung der heimischen Universität auf ein erträgliches Maß reduziert.

Lebenshaltungkosten

Der DAAD geht derzeitig von einem Bedarf in der Höhe von 1.000 Euro bis 1.200 Euro monatlich aus. Das entspricht ungefähr 125.000 Yen bis 150.000 Yen.

Hier einige Preisbeispiele des täglichen Lebens:

  • Mensaessen: 400-600 Yen
  • Dose Cola: 120 Yen
  • McDonalds BigMac: 280 Yen
  • Spaghetti (450g): 300 Yen
  • Tempeleintritt in Kyoto: 300-500 Yen
  • Shinkansenfahrt Tokio-Kyoto: 13.000 Yen


Leben und Studieren

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Japanisches Mädchen

Japan, Land der Gegensätze: Die Jahrtausende alte japanische Tradition prallt auf die westliche moderne Kultur. Bei Begrüßungen ist vorgeschrieben, wer sich wie tief verbeugt - je nach Status der Personen. Abends in der Rush-Hour kennt man dann beim Kampf um einen Sitzplatz in der U-Bahn kein Pardon mehr.

Die drei Phasen der Eingewöhung

Ausländer leben sich nach einem festen Muster in der fremden Kultur ein - hat der Japanologe Michael Baumgartner festgestellt: "Es gibt drei Phasen: Am Anfang ist die Begeisterung, alles ist neu und großartig. Nach etwa sechs bis zwölf Wochen setzt dann die zweite Phase ein: Ernüchterung. Alle negativen Eindrücke brechen geballt auf einen herein. Und wenn man schließlich auch diese Phase überwunden hat, kann man dem Land offen und vorurteilsfrei begegnen."

Durch Traditionen geprägte Umgangsformen spielen in dem Land eine wichtige Rolle: "Eigentlich erwartet man in Japan Effizienz in allen Dingen", berichtet Michael Baumgartner. "Aber dem ist nicht so. Wer jemals versucht hat, in einer japanischen Bank etwas zu erledigen, weiß, wovon ich spreche."

Zuerst die Gruppe

Schwierigkeiten bereitet Europäern oft auch die große Bedeutung der Gruppe in der japanischen Gesellschaft. Auch Armin Rump musste die Gepflogenheiten erst einmal kennen lernen. Der technische Biologe promovierte an der berühmten Tokioter Universität. "Ein Beispiel ist das gerne gepflegte "Nomikai" (wörtlich: Trink-Treff): Man geht mit den Kollegen ein Bierchen trinken. Unangenehm finde ich dabei vor allem, dass es gewissermaßen obligatorisch ist - allerdings nicht explizit - für die Mitglieder der Gruppe, daran teilzunehmen, aber niemand von außen dazu eingeladen wird. Dabei ist es von den Japanern gar nicht so exklusiv gedacht, wie ich es empfinde: Sie würden gar nicht auf die Idee kommen, außenstehende Freunde mit einzuladen."

Vorher: Lesen!

Goldene Regel vor jedem Aufenthalt ist deshalb: Ein Blick in die einschlägige Literatur. Nicht nur um peinliche Situationen möglichst zu vermeiden. Erst mit einem Mindestmaß an Sprach- und Landeskunde kannst du wirklich Kontakte zu Japanern knüpfen. Und das lohnt sich: "Das Berufsleben hat in der Tat viele negative Seiten", berichtet Armin Rump. "Privat aber habe ich sehr viele wirklich nette Freunde gefunden. Es fällt einfach nicht jeder in den Stereotyp des Roboters mit Krawatte."


Rund um die Formalia

In Sachen Einreise nach Japan müssen Austauschstudenten vor allem eines mitbringen: Zeit. Obwohl sich die japanischen Behörden erfolgreich bemüht haben, die Einreiseprozeduren zu entschlacken, sollte man mindestens ein halbes Jahr vor dem Aufenthalt mit den Vorbereitungen beginnen.

Das richtige Visum

Kein Problem ist es, ein Touristenvisum für 90 Tage zu bekommen. Das kannst du ohne Schwierigkeiten auf 180 Tage verlängern. Anders bei einem Studienaufenthalt: Ein Visum als Student musst du auf jeden Fall vor der Einreise nach Japan beantragen. Bist du einmal als Tourist mit einem entsprechenden Visum nach Japan eingereist, muss du das Land erst wieder verlassen, um deinen Visa-Status ändern zu können. Um ein Studentenvisum zu erlangen, muss man ein so genanntes Certificate of Eligibility vorweisen. Dieses Zeugnis wird bei erfolgreicher Aufnahme auf Antrag der japanischen Hochschulen von der japanischen Immigrationsbehörde ausgegeben. Organisierst du den Austausch über eine deutsche Partneruni, ist dies meist nur Formsache. In allen anderen Fällen muss man selber bei den japanischen Hochschulen vorstellig werden und einige Monate Bearbeitungszeit einplanen. Ebenfalls schon bei Antragstellung zu beachten: Für Studenten gibt es zwei Typen von Visa, "single" und "multiple". Während ersteres bei Ausreise verfällt, erlaubt das "multiple" Visum uneingeschränkt die Wiedereinreise während des Gültigkeitszeitraums. Wer Weihnachten zu Hause verbringen will, muss sich aber noch um ein weiteres Detail kümmern. Selbst mit einem "multiple" Visum bedarf es noch einer Erlaubnis zur Wiedereinreise. Diese kann man sich kurzfristig bei den Behörden vor Ort einholen, ist aber in jedem Fall kostenpflichtig (3.000 Yen für einmalige bzw. 6.000 Yen für mehrmalige Wiedereinreise).

Von Bürgen und Stempeln

Beim Ausfüllen des Certificate of Eligibility stoßen Bewerber zum ersten Mal auf das Wort "Bürge". Bürgen spielen im japanischen öffentlichen Leben immer noch eine große Rolle, vor allem bei der Wohnungssuche oder der Eröffnung von Bankkonten. Bürge kann jeder sein, der seinen Wohnsitz in Japan hat und dort ein regelmäßiges Einkommen erzielt. Auch hier gilt: Wird der Japanaufenthalt im Rahmen einer deutsch-japanischen Universitätspartnerschaft organisiert, ist der Bürge meist kein Problem - in der Regel bürgen die Dozenten der japanischen Partneruniversität. Ansonsten musst du dich selber um alle nötigen Kontakte vor Ort bemühen.

An vielen Straßenecken bieten Stempelmacher ihre Dienste an. Dies ist keine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Der Unterschriftsstempel ist noch heute gang und gäbe. Auf vielen japanischen Formularen ist statt einer Unterschrift ein Stempelabdruck vorgesehen. Wer keinen Stempel (Hanko) besitzt, kann zwar durchaus auch per Hand unterschreiben. Doch tut man sich reichlich schwer, in die oft sehr kleinen Felder seine Lettern zu platzieren.

Registrierte Aliens

Äußerst wichtig ist auch, sich vor Reiseantritt um die Krankenversicherung zu kümmern. Das japanische Gesundheitsystem ist sehr teuer. Für einen regulären Touristenaufenthalt genügt es durchaus, sich durch eine private Auslandsreiseversicherung abzusichern. Bei längeren Studienaufenthalten empfiehlt es sich jedoch, eine Police der japanischen staatlichen Krankenversicherung abzuschließen. Dann bezahlt man zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Kosten selber. Vorsicht: Die Behandlung in einem Krankenhaus kostet schnell viele tausend Euro. Dann kann auch dieser Eigenanteil den finanziellen Ruin bedeuten. Auch hier sollte man sich vor Reiseantritt auf jeden Fall beim akademischen Auslandsamt, seiner Krankenkasse oder dem DAAD-Büro in Tokio informieren. Sobald in Japan eine feste Adresse existiert, spätestens aber nach 90 Tagen Aufenthalt, musst du die örtliche Gemeindeverwaltung aufsuchen und eine so genannte "Alien-Registration" beantragen. Dieser Pass dient als eine Art Ersatzausweis und sollte während des Aufenthalts immer mit sich geführt werden.


Teurer Spaß: die Wohnungssuche

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Skyline Tokyo (Quelle: www.pixelquelle.de)

"Tokio ist in jeder Hinsicht das Zentrum", berichtet der Japanologe Michael Baumgartner. "Von der Urbanität her kommt Osaka noch am nächsten", fährt der Münchner fort. "Auf dem Land wird es dann ganz anders. Auf diese Kontraste war ich gar nicht vorbeitet", erinnert sich Baumgartner an seinen ersten Japan-Aufenthalt zurück. "Ich würde allerdings jedem empfehlen, in eine kleinere Stadt zu gehen. Dort ist es weniger anonym und man findet leichter Kontakt zu den Japanern. Gerade das ist ja sonst nicht immer leicht."

Vor allem in Tokio haben sich regelrechte Ausländerenklaven etabliert. Nicht immer vorteilhaft, findet Baumgartner: "Manche leben seit zehn Jahren und länger in Japan und sprechen kein Wort Japanisch".


Wohnheime: Unschlagbar günstig
Der Wohnungssuche kommt bei einem Aufenthalt in Japan große Bedeutung zu. Nicht nur wegen des finanziellen Aspekts: Wer einen Platz in einem Studentenwohnheim ergattern kann, lernt viel leichter die japanischen Kommilitonen kennen. Auch wenn die ausländischen Studenten meist getrennt untergebracht sind.

Außerdem sind die Plätze in einem Studentenwohnheim erheblich günstiger als die regulären Apartments: Eine Ein-Zimmer-Wohnung in Tokio schlägt schon einmal mit 600 Euro Monatsmiete zu Buche - ohne Nebenkosten. Da es in Japan üblich ist, Wohnungen über einen Makler zu vermitteln, fallen außerdem Vermittlungsgebühren in Höhe einer Monatsmiete an. Die Kaution an den Vermieter beträgt dann noch einmal zwischen ein und zwei Monatsmieten. Eine japanische Besonderheit ist das so genannte Schlüsselgeld (Reikin): Es wird beim Einzug an den Vermieter bezahlt - etwa eine Monatsmiete - und du erhältst es in der Regel nicht mehr zurück.

Da Wohngemeinschaften in Japan völlig unüblich sind, stellen die Wohnheimplätze mit durchschnittlich 100 Euro Monatsmiete eine unschlagbar günstige Alternative dar. Die Zimmer werden über die Studentenbüros der japanischen Universitäten vergeben.


Weblinks

Auch ohne die kostspieligen Bücher kann man sich über das Internet fundiert vor einem Japan-Aufenthalt über das fremde Land informieren. Und das zu tun ist in jedem Fall ratsam!

Studium und Hochschulen

Nützliche Informationen rund ums Studium in Japan.
Kostenlose Beratung und Vermittlung zum Studium in Japan sowie Erfahrungsberichte, Uni-Videos, Broschüren etc.
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Kyoto Tower (Quelle: www.pixelquelle.de)
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Lotusblüte
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Sushi (Quelle: www.pixelquelle.de)

Eine Liste der Hochschulen in Japan findest du in der Kategorie Hochschullandschaft Japan

Stipendien

Der Deutsche Akademische Austauschdienst bietet eine komfortable Stipendiensuche, geordnet nach Zielland, Fachrichtung und Status.
Die Förderprogramme der Alexander von Humboldt-Stiftung richten sich an Promovierte.

Offizielle Seiten

Die Homepage der japanischen Botschaft in Deutschland glänzt mit aktuellen Informationen zu Einreisebestimmungen und Austauschprogrammen. Hervorragend auch die Zusammenstellung aller Stipendien, die einen Japan-Aufenthalt erschwinglich machen.
Auch diese Seite glänzt durch ein sehr umfangreiches Angebot: Von Links zu Jobbörsen, Infos über Stipendien bis hin zu praktischen Tipps für einen Japan-Aufenthalt.
Die Organisation veranstaltet regelmäßig Treffen in Japan lebender Deutscher.

Infos zu Land und Leuten

Das Portal bietet thematisch geordnete Links, beispielsweise zum Thema Etikette.
Ein Geheimtipp: Die inoffizielle Seite des DAAD-Programms "Sprache und Praxis in Japan". Mit vielen Insider-Tipps.
Besonders interessant für Biologen: Diese Site informiert über die neuesten Trends in Sachen Biotechnologie in Japan.

Linksammlungen

Nicht nur zum Thema Japanstudien sind auf dieser kommentierten Liste viele nützliche Links versammelt.
KOPRA - Koordinationsstelle für Praktika
Nützliche Informationen zum Studium in Japan


Autoren

Zu diesem Artikel hat e-fellow Florian beigetragen.