Functional Genomics MRes (University of York, UK)

Dieser Artikel informiert über den Masterstudiengang Functional Genomics an der University of York, UK.

Was sind MRes Studiengänge?

Die Master of Research oder MRes Studiengänge sind in England recht neu und wurden eingeführt, um gezielt auf eine Promotion oder eine Forschungstätigkeit in der Industrie vorzubereiten. Sie sind an die Master of Science angelehnt, enthalten allerdings einen höheren Praxisanteil.

University of York

Die University of York ist eine recht junge Universität. Sie wurde 1963 mit 200 Studenten gegründet und ist heutzutage ständig in den Top10 des Times Universitäten Rankings zu finden. Der Campus liegt etwas außerhalb der Stadt York, eine recht uhrige und gerade vor Weihnachten bei Touristen sehr beliebte Stadt. Das Zentrum des Campus bildet ein kleiner See und rundherum wechseln sich Institute und Colleges (Studentenwohnheime) ab. Heute hat die Uni 11000 Studenten und 30 Institute und weitere Expansionen sind geplant.

Der Studiengang Functional Genomics MRes

Studienaufbau

Das Studienjahr in England gliedert sich in drei Trimester oder "Terms", entsprechend ist auch der einjährige MRes Functional Genomics (MResFG) aufgebaut.
Der erste Term von Oktober bis Dezember besteht aus sieben 1-2 wöchigen Modulen, die in Theorie und Praxis wichtige Methoden aus dem Bereich der "Functional Genomics" vermitteln. Benotet werden Datenanalysen, Essays, Laborbuch oder Präsentationen, es werden also keine Klausuren geschrieben.
Im zweiten "Term" wird es praktisch anspruchsvoller, jeder Student führt in einer Arbeitsgruppe in York ein kleines, eigenes Forschungsprojekt durch. Benotet wird ein Report über das Projekt, die Mitarbeit im Labor sowie ein wissenschaftliches Poster.
Der dritte und letzte “Term” ist einem externen Forschungsprojekt vorbehalten. Extern heist dabei eine beliebige universitäre oder industrielle Forschungseinrichtung. Einige Studenten aus vorhergehenden Jahrgängen haben die Möglichkeit genutzt und ein Projekt beispielsweise in Australien oder Amerika durchgeführt. Benotet wird auch hier ein Report über das Projekt.

Forschungsprojekte

Die beiden Forschungsprojekte nehmen einen Großteil des Studiums ein. Der Vorteil einer geteilten "Masterarbeit" ist sicherlich, dass man Einblick in verschiedene Bereiche erhält, wenn man sich noch nicht sicher ist, in welche Richtung man sich weiter spezialisieren möchte. Allerdings sind 3-4 Monate für ein wissenschaftliches Forschungsprojekt sehr kurz wenn man vernünftige, Aussagekräftige Ergenbisse erhalten möchte, somit ist dann Arbeiten am Wochenende eher die Regel als die Ausnahme. Für beide Forschungsprojekte galt bei mir, dass ich nach kurzer Einarbeitung weitgehend selbstständig arbeiten konnte. Ich wurde schnell als vollwertiger Mitarbeiter akzeptiert wobei ich für Fragen und Probleme jederzeit einen Anspruchspartner hatte.

Lernatmosphäre

Positiv aufgefallen ist mir während des Studiums, dass die Lehrenden in York scheinbar sehr viel mehr Interesse daran haben, einen möglichst reibungslosen Studienablauf für die Studierenden zu gewährleisten, als ich es aus Deutschland gewohnt war. Man hat für alle kleineren und größeren Probleme mehrere Ansprechpartner die sich auch zuständig fühlen und recht schnell reagieren. Zu meinen Mitstudenten hatte ich von Anfang an ein sehr gutes Verhältnis. Wir waren eine buntgemischte Gruppe mit Leuten aus England, Griechenland, China, Japan, Taiwan, Singapur und Indien. Trotz sehr viel Arbeit hatten wir viel Spaß zusammen, ob es nun Lehrveranstaltungen oder gemeinsames Abendessen oder Bowlen war.

Finanzen

England ist einfach sehr teuer, deswegen muss man dieses Thema bei seiner Studienwahl berücksichtigen. Hier einige Beispiele:

  • Studiengebühren: sie liegen bei rund 6000 Euro im Jahr
  • Miete: rund 500 Euro im Monat

Dazu kommt dann noch Essen, Bücher, Bus und Bahnfahrkarten, das wochenendliche Bier etc. was auch alles deutlich teurer als in Deutschland ist. Es lohnt also, sich frühzeitig um ein Stipendium zu kümmern!

Wohnen und leben

Die allgemeinen Standards sind in England niedriger als in Deutschland, man muss sich schon etwas umgewöhnen. Außerdem kann man sich seine Mitbewohner in Universitären Wohnmöglichkeiten nicht aussuchen, was zu weiteren Spannungen führen kann. Ich hab in einem "Graduate College" direkt auf dem Campus gewohnt, das nur Master und PhD Studenten beherbergte. Man hatte eine einfache Dusche auf dem Zimmer und zu sechst teilte man sich eine Küche. Es war interessant aber manchmal auch nicht ganz einfach. Das Leben ist begrenzt durch Zeit und Finanzen, da muss jeder selbst seinen passenden Weg suchen.

Persönliches Fazit

Fachlich und sprachlich gesehen hat mich das Studium in England unheimlich viel weitergebracht, ich fühle mich mittlerweile auch sehr viel sicherer beispielsweise Vorträge auf Englisch zu halten. Außerdem war es sehr interessant so eng mit vielen anderen Nationen zusammen zu leben und zu arbeiten und man lernt nebenbei auch praktische Dinge wie beispielsweise richtig mit Stäbchen zu essen. Die Wohnungssituation war nicht optimal aber für einen begrenzten Zeitraum akzeptabel. Erfreulich war außerdem, dass mein Master in Deutschland problemlos anerkannt wurde, ich somit direkt promovieren kann und im Endeffekt sogar ein Jahr gespart habe. Jeder, der die Chance hat, einen Teil seiner Ausbildung im Ausland zu verbringen, sollte diese nutzen. Ich möchte diese Zeit nicht missen, auch wenn ich mich jetzt auf meine Doktorandenzeit wieder in Deutschland freue.

Weblinks