Erfahrungsbericht - OC&C Strategy Consultants, Praktikant

Ein Erfahrungsbericht von Ali Aslan Gümüsay

studierte Economics, Politics and International Studies an der University of Warwick

„Quack, Quack“

Erfahrungs­berichte aus der Unter­nehmens­beratung

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Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Job­einsteiger und Berufs­erfahrene berichten in der Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungs­bericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung"

Eine gelbe Quietschente auf einer Firmenmesse an der University of Warwick hat mich auf OC&C Strategy Consultants aufmerksam gemacht. Das Maskottchen heißt „Rhys“ und hat mich direkt mit seinen großen schwarzen Augen in den Bann gezogen. So sehr, dass ich nach einer schriftlichen Bewerbung und einem erfolgreichen Recruiting-Tag in Düsseldorf mit vier Interviews und einer Gruppenfallstudie mit anschließender Präsentation der Ergebnisse auf Englisch letztendlich im Sommer ein Praktikum bei OC&C begann.

Streng geheim

Mein erstes Projekt fand in Hamburg statt und war eine DD. DD steht für Due Diligence und ist eine Unternehmensprüfung im Mergers & Acquisitions-Prozess. Auftraggeber war ein Investor, der mit der DD an potenzielle Käufer herantreten wollte. Es war also streng geheim.

Ich erwartete, zunächst Zubringer für die Berater zu sein, die wiederum dann Zubringer für den Projektleiter wären. Aber meine Erwartungen wurden vollkommen übertroff en. Ich bekam verschiedene Teilbereiche, für die ich selbständig Recherchen betreiben, Analysen und letztendlich Präsentationsfolien anfertigen musste. Dabei untersuchten wir nicht nur entlang der Wertschöpfungskette die Firma, ihre Zulieferer und Kunden, sondern entwickelten ein umfassendes Verständnis vom Markt, der Konkurrenz, möglichen Substitutionsprodukten und den zukünftigen Trends. In kürzester Zeit konnte ich sehr tief in die Ist- Situation einer Branche eindringen und dadurch mithelfen, gezielte Prognosen für die kommenden Jahre zu erstellen.

Unser Team bestand aus zwei Beratern, dem Projektleiter und mehreren Partnern, die anteilig auf dem Projekt waren. Einmal besuchte uns auch ein englischer Partner in der Nacht vor der Abgabe des Dokuments. Es spielte keine Rolle, dass ich nur Praktikant war, denn in der Aufgabenverteilung wurde ich genauso eingebunden wie die beiden Berater, die mir, wo erforderlich, unter die Arme griff en. Die Arbeitsergebnisse wurden Schritt für Schritt überarbeitet und immer weiter verbessert, sodass das Endprodukt zwar jeweils von einzelnen eigenständig erarbeitet wurde, aber den kritischen Blicken, Argumenten und Verbesserungsvorschlägen des ganzen Teams ausgesetzt war. Die letzte Nacht zog sich hin, und am nächsten Morgen wurde das Dokument vom Projektleiter und von den Partnern dem Kunden vorgestellt. Damit konnte der Kunde an mögliche Kaufi nteressenten herantreten, und ich begab mich auf mein zweites Projekt direkt bei einem Kunden vor Ort in Stuttgart.

Unmittelbar beim Kunden, mit dem Kunden, für den Kunden

Als Berater wird man meist vom obersten Management beauftragt, arbeitet aber natürlich mit sehr vielen Mitarbeitern des Unternehmens zusammen. Das Ziel ist eine gesunde Entwicklung des Unternehmens, an dem alle Beteiligten, d. h. Shareholder, Stakeholder, das Management wie auch Kreditgeber, interessiert sind. Manchmal divergieren die Interessen. Möchte man als Berater Erfolg haben, darf man also nicht einseitig die kurzfristigen Interessen einer einzigen Gruppe vertreten. Die erste Aufgabe von Beratern ist es daher, im Unternehmen Vertrauen zu schaff en.

In der ersten Phase unseres Vertriebsprojekts in Stuttgart haben wir uns durch Datenaufbereitung, Interviews und Recherchen Transparenz über die aktuelle Situation verschaff t. Ich wurde in alle drei Bereiche einbezogen, war aber vor allem für die Datenanalyse und -aufbereitung zuständig. Hierzu zählt die Datenbeschaff ung, -auswertung und -interpretation sowie die Aufbereitung der Resultate in Präsentationsform. Als zweiter Schritt folgten die Potenzialidentifi kation und der zu beschreibende Soll-Zustand. Drittens galt es, dieses Potenzial zu erschließen, also vom Ist- zum Soll-Zustand zu gelangen. Diese drei Schritte durchläuft man einmal gründlich gemeinsam mit dem Kunden. Statt mit dem Kunden zu fi schen, muss man diesem aber auch beibringen, selbst zu fi schen. Um den langfristigen Erfolg zu sichern, sollte unsere Beratertätigkeit nachhaltig sein und dem Kunden die Instrumente geben, kontinuierlich die Ist-Situation und die Soll-Situation zu erschließen und ein von dem Kunden selbst gelenktes Vertriebsinformations- und Steuerungssystem zu erzeugen.

Während ich mich also um die Bestandsaufnahme und damit „kurzfristige“ Seite des Projekts kümmerte, arbeitete der Berater in unserem Team an der langfristigen Vertriebsinformations- und Steuerungsstruktur. Der Projektleiter hielt diese beiden Stränge zusammen. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Partner eine Vision und das nötige Netzwerk hat, der Projektleiter die unternehmensübergreifende Erfahrung und die Berater das analytische Werkzeug. Daraus ergibt sich ein Bild davon, was einem Unternehmen in manchen Fällen zur eigenständigen Bewältigung von Herausforderungen fehlt und wofür Berater beauftragt werden. Eine Beratungsfi rma bringt aus meiner Erfahrung des Praktikums in solchen Situationen das ein, was gelegentlich fehlt: eine Vision für die erforderliche Entwicklung, fi rmenübergreifende Erfahrung und die methodische Kompetenz und analytischen Fähigkeiten, die vorliegenden Fragestellungen wirklich im Kern zu erfassen. Eine langfristige Veränderung führt man dann herbei, indem man als Berater die erforderlichen Kompetenzen im Unternehmen verankert.

Die Arbeit in der Beratung stellt natürlich besondere Anforderungen. Zum Beispiel reist man viel: Im Rahmen des Projekts fl ogen wir jeden Montag zum Kunden vor Ort und Donnerstagabend wieder zurück. Beim Kunden blieben wir bis ungefähr 21 Uhr und aßen dann gemeinsam zu Abend. In Dresden hatte ich an einem Freitag einmal die Gelegenheit, die Platzierung des Produkts des Kunden in mehreren Geschäften zu begutachten und mit Verkäufern zu sprechen. Der Freitag ist aber normalerweise ein Bürotag, den ich in der Regel im Düsseldorfer Büro verbrachte. Wenn es Freitagabend mal später wurde, trommelten sich die letzten Verbliebenen zu einer Runde Tischfußball zusammen. Auch hier zeigt sich die steile Lernkurve bei der Beratertätigkeit. Projektleiter und Senior Consultants gewannen recht häufi g, wenn wir Praktikanten sie herausforderten.

Die Beratertätigkeit ist eine geistige wie auch körperliche Herausforderung, die man nur in einem sympathischen Umfeld bewältigen kann. Ich habe die Arbeit wie auch die Freizeit mit Partnern, Projektleitern und Beratern bei OC&C sehr genossen. Die Früchte der Arbeit sind die persönliche Weiterentwicklung und der große Einfl uss auf Entscheidungen beim Kunden. Man verändert sich selbst und die Gesellschaft um einen herum. Und das macht einfach Spaß. Quack, Quack.