Duke Law School, Durham/North Carolina

Artikel über die Duke Law School in Durham, North Carolina.

Als Visiting Scholar an der Law School der Duke University

Von Januar bis Juni 2003 verbrachte ich zu Studien- und Forschungszwecken ein Semester an der Law School der Duke University in Durham, North Carolina (USA). Der Aufenthalt diente in erster Linie der Anfertigung des US-amerikanischen Teils meiner rechtsvergleichenden Dissertation. Neben dieser Arbeit besuchte ich auch Vorlesungen zum Gesellschaftsrecht. Als "Visiting Scholar" hat man einen offiziellen Status an der Universität und kann deshalb sämtliche Fakultätsressourcen nutzen sowie Vorlesungen und Seminare besuchen. Die Duke University hat sich zu diesen Zwecken als sehr attraktive Universität erwiesen. Der Aufenthalt als Visiting Scholar stellt aus vielerlei Gründen auch eine attraktive Alternative zum zeit- und kostenintensiven LL.M.-Studium dar.


Die Duke Law School

Die Law School der Duke University gehört zu den renommiertesten Rechtsfakultäten der USA. Im neuesten Ranking des Magazins „U. S. News“ vom April 2003 belegt sie den zwölften Rang. Zu ihrem Lehr- und Forschungspersonal zählen angesehene Professorinnen und Professoren, die eine echte „open door policy“ betreiben. Geht man durch die Gänge der Fakultät, so findet man zahlreiche offene Türen, welche den spontanen Kontakt ermöglichen. Der Kreis der engeren Fakultätsmitglieder umfasst zur Zeit 43 Professorinnen und Professoren, die sämtliche Rechtsgebiete abdecken. Darunter befinden sich Frau Professor Deborah A. DeMott und Herrn Professor James D. Cox. Beide zählen in den USA zu den bekanntesten Gesellschafts- und Kapitalmarktrechtlern. Daneben war mir auch Herr Professor Dr. Ralf Michaels sehr behilflich, der aus Deutschland stammt und seit Anfang des Jahres 2002 Mitglied der Fakultät der Duke Law School ist.

Einrichtungen an der Law School

Die Bibliothek der Law School wurde im Jahre 1995 komplett umgebaut und erweitert und verfügt über mehr als 550.000 Bücher und modernste Informationstechnologie. Als Visiting Scholar bekommt man einen eigenen Arbeitsplatz mit Netzwerkanschluss in der Bibliothek zugewiesen. Der Zugang zu den großen Datenbanken Westlaw und LexisNexis wird kostenlos gestellt und ist nach meiner Erfahrung für die Arbeit im US-amerikanischen Recht unverzichtbar. Die zahlreichen Laserdrucker in der Bibliothek sind ebenfalls kostenfrei zu benutzen. Als Visiting Scholar erhält man eine Karte, mit der man rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche Zutritt zum Fakultätsgebäude und zur Bibliothek hat. Zu erwähnen ist auch die große Hilfsbereitschaft und Kompetenz des Bibliothekspersonals, das auch die entlegensten englischen Entscheidungen aus dem 18. Jahrhundert beschaffen konnte.

Status als Visiting Scholar

Als Visiting Scholar erhält man, wie bereits erwähnt, einen offiziellen Status an der gesamten Universität und kann deshalb auch ohne Einschränkungen am Studenten- und Fakultätsleben teilnehmen. Die Law School ist besonders bemüht, ausländische Besucher in die Studentenaktivitäten einzubinden. So erhält man beispielsweise laufend Einladungen zu aktuellen Veranstaltungen mit hochkarätigen Rednern. Erwähnt seien nur eine Diskussion mit der bekannten Verfassungsrichterin Sandra Day O’Connor über ihre Karriere oder das Gespräch mit dem Manager der Band R.E.M., Bertis Downs, über die Auswirkungen des Filesharings auf die Musikindustrie. Als Mitglied der „International Law Society“ der Law School erhalten Visiting Scholars die Möglichkeit, an Veranstaltungen zu internationalen Themen teilzunehmen. Eindrucksvoll war hier beispielsweise eine Podiumsdiskussion zur völkerrechtlichen Zulässigkeit des damals allgegenwärtigen Irakkriegs. Zudem kann man nach Belieben die allgemeinen Vorlesungen besuchen oder an Seminaren teilnehmen. Ich habe die Vorlesung „Business Associations“ von Professor James D. Cox besucht und dabei wertvolle Einblicke sowohl in das US-amerikanische Gesellschaftsrecht als auch in die besondere Lehrmethode amerikanischer Rechtsprofessoren erhalten. Als Visiting Scholar hat man sogar Zugang zur Faculty Lounge, in der sich Professoren zum Mittagessen oder zur Kaffeepause treffen. Dabei lernt man mit der Zeit die meisten Fakultätsmitglieder persönlich kennen. Man lebt sich also schnell ein in der „Duke Law Community“.


Der Campus der Duke University und die Stadt Durham

Die Duke University erstreckt sich über weite Teile der Stadt Durham, die ca. 200.000 Einwohner hat. Der im neugotischen Stil errichtete Campus der privaten Universität verfügt neben den akademischen Gebäuden auch über umfangreiche Freizeitressourcen wie beispielsweise über einen schönen botanischen Garten, die Sarah P. Duke Gardens, sowie modernste Sportanlagen und einen eigenen Golfplatz. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich ein Basketballspiel der berühmten Blue Devils im Cameron Indoor Stadium oder den Besuch eines Konzerts oder einer Messe in der imposanten Duke Chapel. Was der Campus der Universität im Überfluss bietet, fehlt jedoch in der Stadt Durham. Sie hat sich leider nicht als die erwartete nette Studentenstadt erwiesen, sondern eher als wenig attraktive, ehemalige Hochburg der Tabakindustrie. Allerdings ist Chapel Hill nur ungefähr zehn Meilen entfernt, so dass man auf den Flair einer echten Studentenstadt nicht verzichten muss. In Chapel Hill befindet sich die University of North Carolina, die zusammen mit der North Carolina State University in der benachbarten Hauptstadt Raleigh und der Duke University in Durham das weltweit bekannte Research Triangle bildet. Dieser Großraum ist Heimat vieler Hightech-Unternehmen und Forschungsinstitute. Erwähnt sei noch, dass Durham nur ca. zweieinhalb Autostunden von der Atlantikküste North Carolinas im Osten sowie den Blue Ridge Mountains im Westen entfernt liegt. Attraktive Abwechslung zur manchmal tristen Bibliotheksarbeit ist also durchaus geboten.


Organisatorisches

Die Law School empfängt jedes Jahr 10 bis 15 ausländische Juristen aus der ganzen Welt als Visiting Scholars. Die Bewerbung sollte neben den üblichen Dokumenten wie Lebenslauf, Zeugnissen und Nachweis von Sprachkenntnissen vor allem eine aussagekräftige Beschreibung des Forschungsvorhabens mit den Bezügen zum US-amerikanischen Recht sowie eine Begründung für die Wahl der Duke University enthalten. Für den Aufenthalt als Visiting Scholar wird eine Gebühr von 2.000 US-Dollar pro Semester fällig. Diese kann jedoch reduziert werden. Auch bei der zeitlichen Planung zeigte sich die Law School sehr flexibel, so dass weder hinsichtlich der Dauer noch des Zeitpunkts des Forschungsaufenthalts feste Vorgaben bestehen. Freilich sollte man zu den Vorlesungszeiten kommen, um das Leben an der Law School mitzuerleben (in der Regel August bis Dezember und Januar bis Mai). Das Verwaltungspersonal der Law School ist sehr hilfsbereit bei allen organisatorischen Fragen und Problemen, die beispielsweise im Zusammenhang mit dem Visa-Antrag auftreten können. Die Bewerbung ist mindestens sechs Monate vor dem geplanten Antritt des Aufenthalts einzureichen.

Kontakt:

Judith A. Horowitz
Associate Dean for International Studies
Duke University School of Law
Box 90365
Durham, NC 27708-0365
USA

E-Mail: international@law.duke.edu


Dr. Christoph Knapp, Augsburg
E-Mail: c.knapp@gmx.net

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