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Wie bereite ich ein Studium im Ausland vor?

Entspannt Urlaub relaxen Strand Sonne [Quelle: Pixabay.com, Autor: Unsplash]

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Eine Hochschule außerhalb Deutschlands zu besuchen ist fast schon Pflicht. Die genaue Planung und Finanzierung sind aber manchmal kniffelig.

Sprachkenntnisse vertiefen, ganz in eine andere Kultur eintauchen und auch mal auf sich selbst gestellt sein: Während eines Auslandssemesters kann man viel lernen. Dazu gehören nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch soziale Kompetenzen und ein besseres Verständnis für andere Kulturen. Es kann auch in Sachen Berufsorientierung helfen: Gut 70 Prozent der Erasmus-Teilnehmer geben laut einer Studie der Europäischen Kommission an, nach der Rückkehr eher zu wissen, was für einen Karriereweg sie einschlagen wollen. War ein Auslandssemester vor einigen Jahren noch exotisch und kompliziert, gehört es inzwischen bei vielen Studiengängen fast zum Standard. Arbeitgeber legen viel Wert auf Auslandserfahrung: Bei gut der Hälfte macht sie laut einer Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und des Instituts der deutschen Wirtschaft bei ähnlicher Qualifizierung den entscheidenden Unterschied. Die Studie sagt auch, dass Arbeitgeber davon ausgehen, dass Studierende viele Kompetenzen während eines Auslandssemesters ausbauen und danach bessere Leistungen erbringen. Wichtig sind den Arbeitgebern dabei sowohl Fremdsprachen als auch interkulturelle sowie soziale Kenntnisse wie Selbständigkeit oder Belastbarkeit. Alexander Haridi, Referatsleiter von "Information zum Studium im Ausland" beim DAAD, geht sogar noch weiter: "Es ist gar nicht mehr denkbar, gut zu studieren, ohne ins Ausland zu gehen." Besonders wichtig ist für ihn, dass ein Auslandsaufenthalt mit der eigenen Identität konfrontiert und so weiterbringt.

Inzwischen gibt es unendlich viele Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt im Studium: ein Praktikum, ein Erasmus-Semester an einer Partneruni, ein Studium als sogenannter Freemover, also als Gasthörer unabhängig von Hochschulkooperationen, oder auch ein ganzes Studium weit weg von zu Hause sind möglich. 144 900 Studierende legten laut dem Statistischen Bundesamt 2016 einen Auslandsaufenthalt ein, gut zwei Drittel davon blieben dafür innerhalb der europäischen Union.

Der Schlüssel zum Auslandsstudium ist gute Vorbereitung, es ist sinnvoll, sich schon früh Gedanken zu machen. Für viele Programme gibt es streng geregelte Bewerbungsfristen, die man einhalten sollte, und außerdem bleibt so unter Umständen noch Zeit, Sprachkenntnisse auf- oder auszubauen. Viele Unis bieten darum für Erstsemester Orientierungsveranstaltungen zum Auslandsstudium an, auch wenn sie einen Auslandsaufenthalt erst in der zweiten Hälfte des Studiums empfehlen. Wichtige Fragen, die man für sich im Voraus klären sollte, sind, was das Ziel des Aufenthalts ist, ob man die Voraussetzungen an der Auslandsuni erfüllt und wie die Finanzierung aussehen soll.

Das Internationale Büro der eigenen Uni, häufig auch "International Office" genannt, ist grundsätzlich ein guter Ausgangspunkt für Recherchen. Auch die Website des DAAD kann gut zur ersten Orientierung dienen, auf seiner Seite "Studieren Weltweit" trägt er zum Beispiel Erfahrungsberichte zusammen. Der DAAD ist eine Einrichtung der deutschen Hochschulen und Studierendenschaften mit dem Ziel, internationale Beziehungen zu pflegen. Seit seiner Gründung im Jahr 1925 hat der DAAD mehr als 2,3 Millionen Akademiker im In- und Ausland unterstützt.

Für diejenigen, die vor allem Sprachkenntnisse ausbauen wollen, ist Unterricht in der Landessprache, kombiniert mit einem Sprachkurs, sinnvoll. Für diejenigen, denen es eher um akademischen und wissenschaftlichen Austausch geht, sollte die sprachliche Hürde nicht allzu hoch sein. Da ist es vielleicht besser, eine Hochschule mit Vorlesungen auf Englisch auszuwählen.

Nach einer groben Orientierung kann die konkrete Planung beginnen: Der einfachste Weg ins Ausland ist häufig ein Erasmus-Semester, gefördert durch die Europäische Union. Hier gibt es geregelte Kooperationsverträge, viele Rahmenbedingungen sind schon im Voraus festgelegt, und außerdem bekommt man automatisch finanzielle Unterstützung. Sie ist zwar niedriger als in anderen Programmen, hilft aber trotzdem weiter. Mehr als 40 000 deutsche Studierende profitierten davon 2017. Oft kann man auch von Erfahrungen von Kommilitonen der vergangenen Jahre lernen. Wer nicht in Europa bleiben will, kann sich danach umsehen, welche Partnerunis die eigene Universität auch im außereuropäischen Ausland hat. Meist gibt es zum Beispiel Kooperationen mit den Vereinigten Staaten oder Unis in Asien oder Lateinamerika

Deutlich aufregender, aber auch aufwendiger ist es, als "Freemover" an eine Universität ohne Partnerschaftsvertrag zu gehen. Dann muss man sich um viele Dinge selbst kümmern. Zulassung und Anerkennung von Prüfungsleistungen sind in diesem Fall nicht schon durch einen Vertrag geregelt. Der Vorteil: "Man wächst auch an dieser Herausforderung", sagt Haridi. Außerdem kann man so genau den Studiengang, den man möchte, in dem Land und an der Uni, die man für richtig hält, studieren. Um die Finanzierung muss man sich dabei allerdings ebenfalls gesondert kümmern.

Die Entscheidung zwischen einem organsierten Aufenthalt über ein Partnerschaftsprogramm und einem selbstorganisierten ist für Haridi auch die Entscheidung zwischen mehr oder weniger Abenteuer und mehr oder weniger Aufwand. Da müsse jeder selbst wissen, wo er sich einordne. In beliebten Städten im Süden Spaniens kann schon mal ein Viertel der Studierenden aus Austauschstudierenden bestehen. Da ist dann die Frage, ob man Spanien wirklich kennenlernt oder mehr Zeit in seiner "Erasmus-Blase" verbringt. Gleichzeitig ist man an einer Universität im Nahen Osten vielleicht einer der wenigen Ausländer, das kann spannend, aber auch herausfordernd sein.

Zur Finanzierung des Auslandsstudiums gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Vom DAAD gibt es das Stipendienprogramm Promos, zahlreiche Stiftungen vergeben ebenfalls (Teil-)Stipendien, und außerdem ist es möglich, Auslandsbafög zu beantragen. Das zu versuchen ergebe auch dann Sinn, wenn man in Deutschland kein Bafög bekommt, erklärt Haridi. Zwar sei der bürokratische Aufwand hoch, aber die Sätze dafür auch deutlich höher als zum Beispiel bei der Erasmus-Förderung. Wer wissen will, ob er eine Chance hat, Auslandsbafög zu bekommen, kann das zum Beispiel auf der Website meinbafoeg.de mit der Angabe einiger Eckdaten relativ schnell herausfinden.

Über diese allgemeinen Förderprogramme hinaus gibt es noch unzählige Programme für bestimmte Fächergruppen. Das Programm Sprache und Praxis ermöglicht es zum Beispiel Studierenden, die nicht Sprachwissenschaften studieren, einen Sprachkurs in China zu machen und ein Praktikum anzuschließen. Auch ist es möglich, für eine Sommerschule, einen Sprachkurs oder ein Praktikum im Ausland Förderung zu erhalten. Wer in den schon genannten Angeboten nicht fündig wird, kann sich noch nach Landesstipendien umschauen; die Begabtenförderwerke unterstützen Auslandsaufenthalte auch zusätzlich, und außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Bildungskredit aufzunehmen.

Laut Haridi gilt bei der Suche nach Stipendium und Finanzierung: "Je höher das Stipendium, desto mehr Aufwand muss man reinstecken, und desto mehr zeitlichen Vorlauf braucht man." 18 Monate vorher sollte man sich Gedanken machen, zwölf vorher dann mit der konkreteren Planung beginnen. Sein Tipp: Im Voraus schon mal nach allen Fristen schauen. "Wenn Sie die Frist verpassen, ist das Schiff abgefahren", sagt er, und oft gebe es auch nur eine einzige pro Jahr.

Damit man auch im weiteren Studium noch etwas davon hat, ist es nach dem Auslandsaufenthalt wichtig, seine Leistungen vom jeweiligen Prüfungsamt der Hochschule anerkennen zu lassen. Dafür ist es sinnvoll, vor dem Aufenthalt ein "Learning Agreement" abzuschließen, also eine Vereinbarung darüber, was man im Ausland ungefähr lernen wird. Vor der Rückreise sollte man sich außerdem darum bemühen, einen Notenbericht oder Transcript of Records über die an der ausländischen Uni erbrachten Leistungen zu bekommen. Das ist im Normalfall die Grundlage zur Anerkennung.

Auch für diejenigen, denen ein oder zwei Semester nicht genug sind, gibt es Möglichkeiten: Immer mehr Studierende entscheiden sich dafür, ganz im Ausland zu studieren. Hierfür zieht es sie dann oft gar nicht so weit weg; die beliebtesten Länder fürs ganze Studium im Ausland sind Österreich und die Niederlande. Auch ein Praktikum, das die Auslandserfahrung mit praktischem Lernen verknüpft, ist für viele eine interessante Option. Besonders gute Chancen hat man bei den ausländischen Niederlassungen deutscher Unternehmen oder Institutionen.

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