Partner von:

Auf die Universitäten kommt es an!

Thomas Rudolph war für Roche in den USA [Quelle: Pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: Pixabay.com, geralt

Amerika verdankt seine Stärke vor allem seinen starken Hochschulen. Die Politik von Präsident Donald Trump gefährdet diese Dominanz, analysiert Anne Krueger.

Amerika hat seine Größe in bedeutendem Maße den heimischen, qualitativ hochwertigen Universitäten zu verdanken. Jedes Jahr konkurrieren Spitzenstudenten aus der ganzen Welt um den Zugang zum Grundstudium und zu Graduiertenprogrammen in den Vereinigten Staaten, und amerikanische Universitäten belegen die meisten Spitzenplätze in globalen Rankings. Darüber hinaus ist die Grundlagenforschung an US-Universitäten ein wesentlicher Treiber für Innovation und Wirtschaftswachstum sowie der Grundstein für einen überproportionalen Anteil an Nobelpreisen gewesen.

Die Universitäten der Vereinigten Staaten sind auf ein breites Spektrum an Studenten, Forschern und anderen Wirtschaftsakteuren ausgerichtet. Die besten Forschungsuniversitäten ziehen nicht nur die besten und intelligentesten Studenten an, sondern auch Cluster von Hightech-Unternehmen wie im Silicon Valley und in Boston.

Gleichzeitig bieten öffentliche und private Hochschulen im ganzen Land hervorragende Programme für einen Abschluss nach vier Jahren an. Und Community Colleges bieten unzähligen anderen Highschool-Absolventen eine Berufsausbildung sowie die Möglichkeit, in einen vierjährigen Studiengang zu wechseln.

Da der Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen durch die Bank ein hohes Niveau gewährleistet, ist höhere Bildung in den USA seit Langem eine wichtige Exportgröße. Laut Catherine Rampell von der "Washington Post" sind US-amerikanische "Bildungsexporte etwa so groß wie die amerikanische Gesamtausfuhr von Sojabohnen, Kohle und Erdgas zusammen". Da dreimal mehr ausländische Studierende in den USA studieren als Amerikaner im Ausland, trug der US-Hochschulsektor 2017 einen Nettoüberschuss von rund 34 Milliarden US-Dollar zur US-Leistungsbilanz bei.

Amerika profitiert von den Ausländern an den heimischen Unis

Der Besuch ausländischer Studenten an US-Universitäten bringt viele Vorteile mit sich. Zunächst einmal zahlen diese Studenten in der Regel die volle Studiengebühr (vor allem vor dem ersten akademischen Grad), was es den Universitäten ermöglicht, mehr Beihilfen für Amerikaner bereitzustellen, die finanzielle Unterstützung benötigen.

Auf der Graduiertenebene sind über die Hälfte der eingeschriebenen Studenten und Studentinnen in Informatik- und Ingenieurstudiengängen im Ausland geboren und könnten in den USA bleiben, um zu arbeiten. Ohne sie würden Amerikas Hightech-Unternehmen mit einem noch größeren Nachwuchsmangel konfrontiert als ohnehin schon.

Zu guter Letzt bereichert die Anwesenheit ausländischer Studenten die Universitätserfahrung der amerikanischen Studierenden. Und als zusätzlicher Soft-Power-Bonus kehren viele ausländische Studenten als überzeugte Verfechter Amerikas nach Hause zurück und können die außenpolitischen Positionen ihres Landes entsprechend beeinflussen.

Bis zum Jahr 2016 war die Zahl der ausländischen Studierenden in den Vereinigten Staaten gestiegen, sank dann aber 2016 um rund drei Prozent und 2017 um 6,6 Prozent. Erste Berichte deuten zudem darauf hin, dass sie 2018 um weitere sieben Prozent gesunken ist. Ein Teil dieses Rückgangs ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass andere Länder die Bedeutung von Spitzenuniversitäten erkannt haben und stärker daran arbeiten, ausländische Studierende anzuziehen und ihre eigenen im Land zu halten.

Aber ein weiterer wichtiger Faktor ist die Regierung von US-Präsident Donald Trump. Seit der Amtseinführung von Trump ist es schwieriger geworden, ein Studentenvisum zu erhalten, und ausländische Studenten, die bereits an US-Universitäten eingeschrieben sind, mussten sich Sorgen machen, ob sie problemlos in ihr Heimatland reisen und wieder in die USA einreisen können. Die wenig gastfreundliche Atmosphäre – verkörpert durch Trumps berüchtigtes Einreiseverbot – hält eine wachsende Zahl von erstklassigen Studenten davon ab, eine Hochschulausbildung in den USA zu absolvieren.

Technologischer Vorsprung ist der Grundlagenforschung zu verdanken

Sicherlich hat der amerikanische Hochschulsektor durchaus seine eigenen Probleme. So häufen sich seit Jahren die Klagen übersteigende Studien- und andere Gebühren. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass das Wissen, das man an führenden Universitäten erwirbt, auch wertvoller geworden ist, vor allem in Fachrichtungen wie Biochemie, Informatik und Umweltwissenschaften. Und auch in anderen Bereichen haben Innovationen wie Big Data unsere Erkenntnisse und den Umfang der praktischen Anwendungsmöglichkeiten in Bereichen wie Wirtschaft, Medizin und Public Policy erheblich erweitert.

Anders ausgedrückt, hört man selten Beschwerden über den Preis eines Tesla im Vergleich zu einem Ford oder über den Preis eines Ford heute im Vergleich zu einem Model T in den 1920er-Jahren.

Insofern, als die Studiengebühren gestiegen sind, dürfte dies zum großen Teil auf Fortschritte in unserem Wissen und damit die Qualität eines vierjährigen Abschlusses zurückzuführen sein. So, wie ein Auto heute wertvoller ist als eines von vor 100 Jahren, ist auch ein vierjähriger Abschluss mehr wert.

So, wie sich das Wissen erweitert hat, sind natürlich auch andere Kosten gestiegen. Einer Studie zufolge, die die Boston Consulting Group an 13 US-amerikanischen Colleges und Universitäten durchgeführt hat, entfallen "drei bis elf Prozent der Betriebskosten von Hochschulen auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften". Und mit dem Aufkommen neuer Zukunftsfelder und hochbezahlter Möglichkeiten in der Privatwirtschaft sind auch die Kosten für die Gewinnung und Bindung von Lehrkräften gestiegen.

Als Teillösung haben Hochschulen und Universitäten ihre finanzielle Unterstützung erhöht, um die Belastung durch die vollen Studiengebühren für mehr Studierende zu kompensieren. Tatsächlich geben einige Universitäten heute bis zur Hälfte ihres Etats für finanzielle Beihilfen aus. Aber auch hier gilt: Je mehr ausländische Studenten die volle Studiengebühr entrichten, desto geringer wird diese Belastung ausfallen.

All seinen Klagen über das US-Handelsdefizit zum Trotz gefährdet Trump sich selbst, wenn er seine Regierung anweist, die Visumpflicht zu verschärfen, und so die Exporte von US-Hochschuldienstleistungen untergräbt und auch die Hochschulbildung selbst beeinträchtigt. Da andere Länder versuchen, ihre eigenen Universitäten zu stärken, sollten die USA ihre Bemühungen intensivieren, um ausländische Studenten zu werben. Dies würde die USA nichts kosten, die Talente anziehen, die ihre Wirtschaft braucht, und höhere Bildung für mehr Amerikaner erschwinglicher machen.

Die Autorin war Chefökonomin der Weltbank und stellvertretende Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds. Jetzt ist sie Senior Research Professor für internationale Ökonomie an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University. 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren