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Der Unialltag mit Hörgerät

Für Vorlesungen nutzt Toby eine FM-Anlage, eine Art schnurloses Mikrofon, das direkt mit seinem Hörgerät verbunden ist. Wenn der Dozent das Mikrofon um den Hals hängt, kann Toby ihn so gut verstehen, als stünde er direkt neben ihm.
"Einmal weigerte sich mein Dozent, die FM-Anlage anzuziehen. Ich saß dann in einem Hörsaal mit 200 Studenten und keiner hat reagiert. Da hätte ich mir die Unterstützung erhofft. Studenten, die aufstehen und sagen, "Das geht so nicht!"".

Stattdessen erfahren benachteiligte Studenten oftmals gut gemeintes Mitleid. Dabei wollen die meisten Menschen mit einer chronischen Einschränkung einfach normal behandelt werden.

Zwar schreibt die UN-Behindertenrechtskonvention eine Gleichbehandlung von Behinderten und Nicht-Behinderten vor, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, bemängelte die Hochschulrektorenkonferenz schon im Jahr 2009. So sind 55 Prozent der deutschen Hörsäle für Hörgeschädigte nicht barrierefrei. Helfen würde beispielsweise die Umrüstung der Tonanlagen. An meiner Uni kenne ich einen einzigen Hörsaal, der entsprechend ausgestattet wurde. Auch Toby bemängelt die Gleichbehandlung an seiner Alma Mater in Heidelberg: "Das ist schon sehr spartanisch. Viele Universitäten meinen, sie veranstalten inklusive Seminare und das muss reichen".

Hörtests, bis es pfeift

Als Kind bekam Toby Käp Ritalin, Diagnose: ADHS. Ein Fehler, in Wirklichkeit war er schlicht schwerhörig. Er sollte auf der Sonderschule landen, kam aber auf die Regelschule, bis er nach der 7. Klasse an das Bildungs- und Beratungszentrum für Hörgeschädigte in Stegen wechselte. Toby schrieb gute Noten und machte Abitur. An Stegen erinnere ich mich auch noch gut. Ich war dort selbst einmal, aber nicht dauerhaft.

Meine Bildungsgeschichte ist anders, aber ähnlich. Ich war immer auf einer Regelschule. Trotzdem bin ich im Laufe der Jahre dank zahlreicher medizinischer Untersuchungen zu einem Experten für den Aufbau des menschlichen Ohres geworden. Hörtests gehörten bei mir zum Alltag. Bei manchen sitzt du in einer kleinen, schalldichten Kabine und wirst mit Pfeiftönen bombardiert. Durch einen Drücker signalisierst du, was du hörst und der Computer erstellt ein Diagramm deines Hörverlusts. Am Ende bist du völlig durchgeschwitzt von der hermetisch verriegelten Kabine. Der Pfeifton hängt dir noch Stunden später im Ohr.

Behinderungen haben starke Auswirkungen auf den Alltag und damit auf den Studienverlauf. Studenten mit Behinderung investieren zwar durchschnittlich genauso viel Zeit in ihr Studium wie ihre nicht behinderten Kommilitonen, brauchen dafür aber deutlich länger und unterbrechen ihr Studium häufiger – sei es, weil ihre Krankheit sie in die Knie zwingt, oder weil das Geld ausgeht. Behinderte Studenten spüren eine deutlich größere finanzielle Unsicherheit, sind aber auch selbstständiger: Nur 45 Prozent von ihnen erhalten eine Unterstützung der Eltern – gegenüber 51 Prozent bei den anderen Studenten. Sie beziehen aber häufiger BAföG als ihre Kommilitonen und haben geringfügig mehr eigenes Einkommen (27 statt 25 Prozent). Das geht aus dem 21. Studierendensurvey des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hervor.

Mit Humor sensibilisieren

Toby geht mit Humor mit den Problemen um. Stegen war für ihn wie eine Käseglocke, sagt er. Sein Selbstbewusstsein kam erst mit der Comedy. Freunde wurden auf seine witzige Art aufmerksam und drängten ihn auf die Bühne. Dort blüht er auf: "Darüber lachen zu können macht es leichter".

Humor allein reiche aber nicht, so Toby. Nötig sei ein Perspektivwechsel bei den Dozenten und Kommilitonen. Regelmäßige Sensibilisierungsseminare, mal den Rollstuhlfahrer ans Pult lassen, warum nicht? 45 Prozent der Unis in Deutschland schulen ihre Dozenten nicht im Umgang mit Behinderungen. "Einen Rollstuhlfahrer erkennst du aus 100 Metern. Einen Hörgeschädigten nicht."

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