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Studieren ohne Jungs

Freundinnen, Team, erfolgreich, Jubel [Quelle: unsplash.com, Katy Belcher]

Quelle: unsplash.com, Katy Belcher

Feministinnen, Mauerblümchen und Realitätsverweigerinnen – so stellt sich manch einer vielleicht Studiengänge vor, die nur für Frauen geeignet sind. Hinter der Idee steckt aber viel mehr.

Ein Studium nur unter Frauen? Was in Ländern wie Japan, Kanada und den Vereinigten Staaten gang und gäbe und außerdem noch allseits anerkannt ist – immerhin haben auch die Präsidentschaftskandidatin und frühere First Lady Hillary Clinton sowie die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright an einem reinen Frauencollege studiert, dem Wellesley College bei Boston, einem der renommiertesten Frauencolleges der Vereinigten Staaten –, das genießt hierzulande Seltenheitswert. Oder sollte man ergänzen: noch? Denn als vor 21 Jahren die Wilhelmshavener Jade Hochschule den Anfang machte und ein Bachelorstudium "Wirtschaftsingenieurwesen für Frauen" einrichtete, leistete sie noch Pionierarbeit. Aber die Zeiten haben sich auch hierzulande geändert.

Seitdem nämlich ist die Zahl der Frauenstudiengänge in Deutschland zwar zaghaft, aber immerhin um eine Handvoll gewachsen: Informatik in Bremen und Wirtschaftsingenieurwesen in Stralsund (beide seit 2000/01), "Wirtschafts-Netze e-Business" in Furtwangen (2002/03), Elektrotechnik in Jena (2015/16). In diesem Wintersemester ist nun auch in Mülheim an der Hochschule Ruhr West ein neuer Frauenstudiengang Maschinenbau gestartet. In den ersten vier Semestern bleiben die Frauen im Studium dort unter sich, danach geht es gemischt weiter. Sechzig Interessentinnen hätten sich beworben, fünfzehn sich bislang eingeschrieben, berichtet die Studiengangsleiterin Alexandra Dorschu. "Wir haben regional viel Aufmerksamkeit bekommen."

Nicht mehr allein unter Männern

Die 32 Jahre alte Professorin hat an der Technischen Universität Dortmund Physik und technische Mechanik studiert und sieht sich selbst als "Vorbild und Kopf des Frauenstudiengangs". Ihre Motivation für dessen Einrichtung sei "eine persönliche" gewesen. Denn sie habe zu ihrer Studienzeit selbst erfahren, wie es sich als fast einzige Frau und unter lauter Männern im Hörsaal anfühle.

"Da kennt jeder jede, und man wird als nahezu einziges weibliches Wesen genau geprüft", sagt sie. "War man mal nicht in der Vorlesung, wird gleich nachgehakt. Beim Mann fragt niemand nach." Generell spiele die Atmosphäre eine große Rolle im Studium, glaubt Dorschu, ob man sich wohl fühle oder nicht. "Man möchte ja nicht immer auf dem Präsentierteller sitzen. Das ist bei Männern nicht anders. Sie fühlen sich deshalb in den typischen Frauenstudiengängen, etwa der Pädagogik, nicht wohl."

Trotzdem müssten Frauen in technischen Studiengängen natürlich akzeptieren und lernen, dass sie später im Berufsleben oft die einzige Frau unter lauter Männern seien, sagt Dorschu. Dieser Hintergrund – weibliche Wesen als Exotinnen in den Hörsälen von Informatik, Maschinenbau und Co. – ist hierzulande bislang auch treibende Kraft bei allen monoedukativen Studiengängen. Immerhin herrscht großer Bedarf an IT-Spezialisten, Stichwort: Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0, so dass man nun auch um jede Frau ringt, die sich für dieses Gebiet gewinnen lässt.

Monoedukation für mehr Frauen in MINT-Berufen

In Mülheim gibt es ein Begleitprogramm, das Frauen auf ihre spätere spezifische Situation in Männerberufen vorbereiten soll. In der Region habe man stark die Werbetrommel gerührt und sei in etlichen Schulen unterwegs gewesen, erzählt Dorschu. "Das allein habe ich schon als sehr lohnend empfunden, denn so konnte ich vielen Mädels klarmachen, dass Maschinenbau mehr ist, als nur am Auto zu schrauben."

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