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Landkind trifft Stadtkind – das Duell der Klischees

Kein Hahn kräht nach dem Stadtleben? Landbewohner kennen Busse nur aus dem Fernsehen? Wir klären, was an landläufigen Klischees dran ist.

Wenn ich an ein Studium in der Großstadt denke, geht mir ein Widerspruch nicht aus dem Kopf …

Landbewohner

Wie können so viele Menschen an einem Ort leben und wie kann das Leben dort dennoch so unpersönlich und anonym sein?

Das Leben in der Großstadt stößt mich ab: Das Leben in einer Stadt ist teuer, denn es wollen immer mehr Menschen auf begrenztem Raum leben, weshalb die Mietpreise steigen. Das Studium in einer großen Stadt musst du dir leisten können. Und der Preis ist nicht nur finanzieller Natur – wobei es Natur dort sowieso nicht gibt.

Großstädte sind schmutzig, weil jeder seinen Müll herumliegen lässt. Gleichzeitig sorgt der Lärm dafür, dass du kaum die eigenen Gedanken im Kopf hören kannst. Kein Wunder, dass alle Stadtbewohner schnell neurotisch und aggressiv werden, der Moloch macht die Menschen einfach wahnsinnig.

Und dieses Chaos sorgt auch dafür, dass Verbrechern Tür und Tor geöffnet werden. Ich müsste konstant aufpassen, dass mir in der Menschenmenge nicht das Geld gestohlen wird (zumindest das, was die Miete nicht vorher schon aufgefressen hat). Ich merke schon, wie ich beim Gedanken daran paranoid werde und meinen Mitmenschen immer weniger vertraue.

Und neben den Verbrechen verlieren die Menschen in diesem Sündenpfuhl auch noch jeglichen Sinn für Normalität. Sie werden komplett enthemmt und streben nur noch nach dem nächsten Kick. Es gibt keine echte Liebe mehr, nur unpersönlichen Sex. Beim Gedanken an die ganzen verschwitzten Körper (unter Drogeneinfluss auch noch) wird mir einfach schlecht. Klingt unrealistisch? Ist es nicht.

Die Unis dort stelle ich mir als kleine Versionen der Stadt vor. Also auf kleinerem Raum genauso viele Leute, die sich – stets den Blick auf die eigene Karriere gerichtet – durchkämpfen, immer mit ausgefahrenen Ellenbogen. Niemand sucht dort noch echte Freunde. Das Leben in der Großstadt ist genauso wie eine riesige, brutale Jura-Fakultät. Zumindest stelle ich es mir so vor.

Du malst dir das Stadtleben ja ganz schön düster aus ... So schlimm habe ich es bis jetzt noch gar nicht erlebt.

Stadtbewohner

Klar, in der Stadt zu leben hat Nachteile: die Mieten zum Beispiel. Allseits bekannt sind Bilder von Städten wie Berlin, in denen sich bei Wohnungsbesichtigungen lange Schlangen bilden. Die vielen Menschen produzieren auch Müll, der nicht immer korrekt entsorgt wird. Dass es unter Umständen laut wird, beweisen viel befahrene Straßen und Baustellen. Trotzdem habe ich persönlich bis jetzt fast immer ruhige Flecken gefunden.

Das Vertrauen zueinander ist in der Stadt auch nicht ganz so ausgeprägt wie auf dem Land – da hast du wahrscheinlich recht. Ich kann verstehen, dass dich manche Kriminalitätsstatistiken verunsichern. Doch habe ich mich in der Stadt eher selten wirklich unwohl oder gar unsicher gefühlt. Dennoch ist es immer ein guter Rat, sich möglicher Gefahren bewusst zu sein, seinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen und nicht mitten in der Nacht mit einem Bündel Geld in der Hand durch dunkle Seitenstraßen zu streifen. Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass es auf dem Land keine Gefahren und Kriminalität geben soll.

Meiner Meinung nach überwiegen in der Stadt ganz klar die Vorteile und ich für meinen Teil lebe sehr gerne in der Stadt. Entgegen deiner Bemerkung gibt es hier immer Natur. Das ist jetzt natürlich kein Urwald, aber denk doch mal daran, wie grün und "natürlich" der Tiergarten in Berlin oder der Englische Garten in München sind. Und auch der Industriestandort Stuttgart oder das im Ruhrgebiet gelegene Dortmund bieten einen Grünflächenanteil von über 50 Prozent. Im Zweifel kommst du aber durch die sehr gute Verkehrsanbindung leicht ins Umland, sprich "aufs Land". Waldspaziergänge oder Wanderungen in Nationalparks stehen also auch in meinem Kalender.

Das Stadtleben ist auch viel sozialer, als du denkst. Wer den Kontakt zu anderen sucht, muss nicht anonym bleiben. Natürlich kennt nicht jeder jeden, so wie in einem kleinen Dorf. Dafür gibt es andere Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen, beispielsweise in einem Yoga-Kurs oder bei Straßenfesten. In vielen Nachbarschaften werden Events organisiert; man trifft sich zum Grillen oder veranstaltet einen Flohmarkt. Meine Nachbarn kenne ich persönlich, es fühlt sich an wie auf dem Land – mit dem großen Vorteil, dass ich als Stadtkind auf fast nichts verzichten muss.

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