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Digitale Hilfe für Studenten

[Quelle: unsplash.com, Autor: Thought Catalog]

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Fintechs profitieren indirekt vom schlechten Ruf des Bafögs, indem sie den Prozess der Antragstellung digitalisieren. Doch es gibt auch Kritik.

Wäre das Bafög eine Vorlesung, bekämen Studierende am Ende des Semesters die Hälfte aller Klausurpunkte geschenkt – und trotzdem wäre der Hörsaal leer. Denn obwohl das Bafög – das Gesetz, mit dem der Bund junge Leute in der Ausbildung finanziell unterstützt – aus Verbrauchersicht gute Konditionen bietet, hat es unter Studierenden noch immer einen schlechten Ruf.

Bastian Krautwald sieht dafür zwei Hauptgründe. "Die Anträge sind einfach zu kompliziert, das schreckt viele ab. Andere denken, dass sich die Mühe nicht lohnt, weil sie ohnehin nichts bekommen würden." Krautwald will das ändern – dafür hat er das Start-up "DeineStudienfinanzierung" gegründet. Der 22-Jährige und seine beiden Mitgründer David Meyer und Alexander Barge haben aus dem Imageproblem des Bafögs ein Geschäftsmodell gemacht.

Die Idee: den Prozess digitalisieren und vereinfachen, sodass es leichter wird, den Antrag auf Anhieb korrekt und vollständig auszufüllen. Nutzer absolvieren dafür online eine Art Frage-Antwort-Spiel in einfacher Sprache. Wer Hilfe braucht, kann über einen Livechat einen Mitarbeiter kontaktieren. Ist ein Beleg notwendig, ploppt ein Hinweis auf und der Studierende kann das entsprechende Dokument per Mausklick hochladen.

Das Start-up sorgt dafür, dass die Antworten im echten Antrag an der richtigen Stelle stehen. "DeineStudienfinanzierung" druckt die ausgefüllten Dokumente aus und schickt sie analog ans Bafög-Amt. Der Nutzer muss sich nicht mehr mit den realen Formularen, Merkblättern und Rechtsgrundlagen auseinandersetzen. Das soll Zeit und Nerven sparen.

Das Versprechen: 30 Minuten vor dem Computer sollen genügen, um einen Antrag auszufüllen – vorausgesetzt, man hat die benötigten Dokumente schon parat. Nutzer zahlen 30 Euro für einen Antrag. Wessen Antrag nicht bewilligt wird, kann sein Geld zurückverlangen. Das Start-up bietet für 80 Euro auch eine Flatrate an, die bis zum Ende des Studiums gilt. Schließlich muss Bafög jedes Jahr neu beantragt werden.

Krautwald rät jedem Studierenden zu prüfen, ob er Anspruch auf das Geld vom Staat hat. "Wer das nicht tut, verschenkt im Grunde bares Geld", sagt der 22-Jährige. Bafög wird zur Hälfte als Darlehen gezahlt. Die andere Hälfte ist ein Zuschuss, also geschenkt. Das Darlehen ist zudem zinsfrei und die Rückzahlung auf 10.000 Euro gedeckelt. Wer zehn Semester lang den Höchstsatz von 735 Euro kassiert, bekommt vom Staat also 34.000 Euro geschenkt. Die exakte Förderung hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom eigenen Vermögen und der Einkommenshöhe der Eltern. Mit "meinBafög" und "StudierenPlus" gibt es bereits zwei Anbieter, die ähnliche Assistenten anbieten wie "DeineStudienfinanzierung". Krautwald betont: "Wir wollen auch Studierenden helfen, die keinen Anspruch auf Bafög haben oder die mit ihrem Satz nicht auskommen."

Angebot soll erweitert werden

Deshalb bietet das Start-up ebenfalls die Möglichkeit, ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu beantragen – entweder zusätzlich zum Bafög oder einzeln. Für die Zukunft sind ausgewählte Stipendien und Bildungsfonds geplant. So soll sich jeder Nutzer ein Angebot zusammenstellen können, mit dem er sein Studium möglichst günstig finanzieren kann.

Ein Imageproblem des Bafög will auch das Studentenwerk nicht bestreiten. Die ungebetene Hilfe kommerzieller Anbieter sieht es aber skeptisch: "Mit ihrer Absicht, Gewinn zu erzielen, mindern sie noch einmal die Sozialleistung", heißt es dort auf Anfrage. Das Studentenwerk rät jungen Leuten in der Ausbildung daher, sich an das zuständige Amt am Studienort zu wenden. Krautwald und seine beiden Mitgründer sind vor einem Jahr mit ihrem Start-up gestartet. Wie viele Studierende bisher Anträge gestellt haben, wollen sie nicht verraten. Zumindest diverse Business-Angels haben sie mit ihrem Konzept aber überzeugt: Anfang Oktober hat die Firma eine "hohe sechsstellige Summe" unter anderem von Figo-Chef André Bajorat und Onefootball-Gründer Lucas von Cranach eingesammelt.

Dabei hatten Krautwald und seine beiden Mitgründer ursprünglich eine ganz andere Idee: "Wir wollten ursprünglich einen digitalen Finanzberater starten, haben aber schnell gemerkt, dass das nicht klappt. Menschen denken nun mal eher in konkreten Anwendungsfällen", sagt er. Dann hat sich das Team auf eine Zielgruppe spezialisiert, die chronische Finanzprobleme hat: Studierende. Die Bundesregierung geht in ihrem letzten Bafög-Bericht vom Dezember 2017 davon aus, dass etwa 60 Prozent der Studierenden in Deutschland grundsätzlich förderberechtigt sind. Tatsächlich gefördert werden aber nur circa 20 Prozent. Potenzial ist also vorhanden.

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