Partner von:

Preisgeld und Ruhm - statt "nur" gute Noten

Geldregen [Quelle: pixabay.com, Autor: PublicDomainPictures]

Quelle: pixabay.com, PublicDomainPictures

Viele Firmen, Stiftungen und Verbände schreiben inzwischen Preise und Auszeichnungen für Abschlussarbeiten aus. Von der Bachelor- über die Master-, Magister-, Diplom- und Doktorarbeit ist für alle Studienabschlüsse etwas dabei. Im e-fellows.net wiki haben wir eine Liste mit vielen Preisen für dich zusammengestellt - du kannst sie gerne ergänzen.

Wann komme ich für einen Preis in Frage?

Häufig kannst du dich mit deiner Arbeit noch ein bis zwei Jahre nach der Abgabe deiner Arbeit bewerben. Wer eine Auszeichnung gewinnt, freut sich oft über mehrere Tausend Euro Preisgelder, die Veröffentlichung von Auszügen der Arbeit in Fachzeitschriften oder Kontakte zu Wissenschaftlern und Unternehmen.

Doppelt prämiert für Risikoprämien

Zum Preisgewinn gehört manchmal auch ein bisschen Glück. So wie bei Alumnus Andre Meier. Sein Professor schlug dem heute 34-Jährigen vor, sich für den Karrierepreis zu bewerben, der damals zum ersten Mal von der DZ Bank und dem Handelsblatt vergeben wurde. "Ich hatte keine Ahnung, dass es diesen Preis überhaupt gibt, aber als ich davon erfuhr, habe ich natürlich gerne meine Unterlagen eingesandt." In seiner Diplomarbeit ging es darum, ob Risikoprämien für den deutschen Aktienmarkt vorhersagbar sind.

"Einen Preis gewinnt nicht jeder"

Finanziell hat sich die Prämierung für Andre auf jeden Fall gelohnt: Vom Deutschen Aktieninstitut gab's 2.000 Euro, beim Preis der DZ Bank und des Handelsblatts waren es sogar 7.500 Euro, die Andre für einen bevorstehenden Studienaufenthalt in New York gut gebrauchen konnte. Heutigen Studenten empfiehlt er nicht nur deswegen, sich aktiv um einen Preis zu bewerben. "Bei den Auszeichnungen, die ich bekommen habe, ist der Bewerbungsaufwand recht gering. Man reicht lediglich die Arbeit mit Anschreiben und Betreuer-Gutachten ein." Die Preise stehen heute auch in Andres Lebenslauf, darauf angesprochen wurde er aber bislang nicht. "Ich denke trotzdem, dass so eine Auszeichnung den Gesamteindruck einer Bewerbung verbessert. Gute Noten und Praktika haben viele. Einen Preis gewinnt nicht jeder."

Große Auswahl für Wirtschafts- und Naturwissenschaftler

Auch wenn es eine Vielzahl an Preisen gibt: Die besseren Chancen haben Absolventen wirtschafts- und naturwissenschaftlicher Studiengänge. Für akademische Karrieren hat der Gewinn eines Preises natürlich einen noch höheren Stellenwert als für Laufbahnen in der Wirtschaft.

Kriterien: Originalität und Neuartigkeit

Auch Alumna Julia wurde von ihrem Professor für den Preis vorgeschlagen und bekam vom damaligen bayerischen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst als Auszeichnung eine Urkunde und 2.000 Euro Preisgeld. In ihrer Arbeit ging es um ein neues optisches Messverfahren mit Lasern, durch das man die Konzentration und Geschwindigkeit von Flüssigkeiten messen kann. Originalität und Innovation sind besonders in den Naturwissenschaften wichtige Kriterien für die Prämierung von Abschlussarbeiten.

"Mein Chef war begeistert"

"Die Anerkennung für die Arbeit spielt eine ganz große Rolle", sagt Julia. "Für mich war es ein tolles Gefühl, dass etwas, worum ich mich sehr bemüht hatte, auch gewürdigt wurde." Auch bei ihr steht der Preis im Lebenslauf, allerdings war sie bereits im Berufsleben, als sie den Preis gewann. "Mein Chef war begeistert, und meine Firma veröffentlichte eine Meldung im Intranet über meinen Preis."

"Heute würde ich mich selbst bewerben"

Ein Netzwerk unter den Preisträgern gibt es bei Julia nicht. "So etwas ist sicher wichtiger, wenn man promovieren möchte." Auch Julia würde sich heute selbst um einen Preis bewerben: "Generell ist es schön, überhaupt einen Preis zu gewinnen. Wenn er dann noch einen großen Namen hat, den viele Personaler kennen, und von einer bekannten Institution vergeben wird, ist das umso besser." Das Preisgeld muss man nicht immer in die eigene Weiterbildung investieren: "Ich habe mir einen Teil meiner Wohnungseinrichtung davon gekauft", sagt Julia.

Money, Money, Money...

Der größte Vorteil eines Preises ist auf kurze Sicht wohl das Geld. Für Wissenschaftler zählt auf lange Sicht aber vor allem die Auszeichnung im Lebenslauf.

Preise für die Abschlussarbeit: Checkliste

Für jede Preisausschreibung gelten andere Bedingungen. Folgendes musst du jedoch in den meisten Fällen beachten:

Was du brauchst:

  • eine (sehr) gute Note
  • Abstract, Zusammenfassung oder deine gesamte Arbeit
  • (teilweise) ein Empfehlungsschreiben deines Professors
  • bei Ausschreibungen von Unternehmen: ein praxisbezogenes und innovatives Thema
  • bei Wissenschaftspreisen: ein aktuelles Thema des jeweiligen Forschungsgebiets

Für viele Preise kannst du dich auch noch ein bis drei Jahre nach Abgabe deiner Arbeit bewerben.

Was du dafür bekommst:

  • Geld
  • Auszeichnung für deinen Lebenslauf
  • Kontakte zu anderen Preisträgern, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen
  • Kontakte zu Unternehmen oder wissenschaftlichen Einrichtungen

Interview mit mehrfachem Preisträger Dr. Presser

Herr Dr. Presser, Sie haben im letzten Jahr einen der vier Rendel-Preise gewonnen. Wie sind Sie zu dem Preis gekommen?

Der Bernd-Rendel-Preis wird nicht für eine einzige Arbeit oder Veröffentlichung verliehen, sondern für die gesamte bisherige Arbeit eines Wissenschaftlers. Mein Doktorvater hat mich vorgeschlagen; daraufhin musste ich meinen Lebenslauf, meine Zeugnisse und meine bisherige Publikationsliste einreichen. Die Publikationsliste ist besonders wichtig und in diesem Punkt hatte ich meinen Mitbewerbern gegenüber auch einen echten Vorteil. In den drei Jahren davor hatte ich etwa 20 Artikel in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht. Der Durchschnitt liegt bei drei bis vier Publikationen.

Wie kommt es, dass Sie so überdurchschnittlich viel veröffentlicht hatten?

Ich interessiere mich einfach für viele verschiedene Gebiete und beschäftige mich beispielsweise mit Grundlagenforschung, Materialeigenschaften, aber auch mit Bionik. Hier geht es darum, was wir von der Natur für die Technik lernen können. Statt Forschung um der Forschung willen steht bei mir im Vordergrund, dass meine Ergebnisse auch praktischen Nutzen haben.

Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Was haben Sie mit dem Preisgeld gemacht?

Das Preisgeld soll jungen Wissenschaftlern ermöglichen, an einer Tagung außerhalb von Deutschland teilzunehmen. Ich war in Nevada.

Wie hat der Preis Ihre Karriere beeinflusst?

Das ist schwierig zu beantworten, da ich ja keinen Vergleich habe. Von vielen Professoren und Leuten aus der Wirtschaft habe ich gehört, dass sie bei der Flut von Bewerbungen mit sehr guten Noten, Auslandsaufenthalten und diversen Sprachkenntnissen genug haben. Das reicht als Unterscheidungskriterium oft schon gar nicht mehr aus. Solche Preise können da den Unterschied machen, denn sie heben einen aus der Flut der guten Bewerber heraus.

Wird man durch so einen Preis wirklich bekannter in der "scientific community"?

Ich denke schon. Plötzlich rufen oder schreiben mich Leute an, die sonst sicherlich nicht auf mich aufmerksam geworden wären. Sie stoßen oft über die Website der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) auf mich und stellen mir dann Fragen zu einem meiner Forschungsthemen. Andererseits ist der Bernd-Rendel-Preis noch relativ jung und daher in den Geowissenschaften noch nicht so bekannt. Ich denke aber, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird.

Neben Ihnen gab es im vergangenen Jahr drei weitere Preisträger. Haben Sie untereinander Kontakt?

Wir kennen uns natürlich von der Preisverleihung in Aachen. Viel Kontakt haben wir untereinander aber nicht, da wir uns mit ganz verschiedenen Themen beschäftigen.

Welche Pläne haben Sie für Ihre Zukunft?

Ich möchte auf jeden Fall eine klassische akademische Laufbahn einschlagen und Professor werden. Bis Ende des Jahres bleibe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in meiner Forschungsgruppe an der Uni Tübingen. Hier gebe ich zurzeit auch eine eigene Lehrveranstaltung. Meine weitere Post-Doc-Zeit möchte ich gerne im Ausland verbringen. Wohin es mich genau verschlagen wird, steht noch nicht ganz fest.

Preise von Firmen

Herr Freundt, in diesem Jahr wurde zum dritten Mal der EMAC McKinsey Marketing Dissertation Award vergeben. Warum sollte ich mich für diesen Preis bewerben?

Der EMAC McKinsey Award ist einer der größten europäischen Preise im Marketing. Viele der Bewerber planen eine wissenschaftliche Karriere. Und bei uns bekommen die besten Drei die Chance, ihre Arbeit vor einem Publikum von bis zu 700 Professoren, Doktoranden und Marketing-Experten vorzustellen. Für angehende Wissenschaftler ist das eine tolle Gelegenheit, sich und ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und bekannt zu werden. Wenn es später einmal darum geht, einen Ruf zum Professor zu erhalten, sind solche Preise ein gutes Argument für die eigene Person.

McKinsey vergibt den Preis zusammen mit der European Marketing Academy. Was genau verbirgt sich dahinter?

Die European Marketing Academy (EMAC) ist ein Zusammenschluss wichtiger europäischer Marketing-Lehrstühle mit insgesamt mehr als 1.000 Mitgliedern. Sie ist ein Forum für die Forschungsarbeiten von Doktoranden, die hier ihre Arbeitsergebnisse vorstellen können. Für die Vergabe unseres Dissertationspreises bilden zwei Präsidenten der EMAC und eine Kollegin von McKinsey gemeinsam mit mir die Jury.

Was verspricht sich McKinsey von der Preisvergabe, wenn ein Großteil der Preisträger in die Wissenschaft geht?

Wir möchten in erster Linie stärker mit den Top-Marketing-Universitäten Europas kooperieren, um so neue Konzepte kennenzulernen und zu diskutieren. Künftig möchten wir unser Netzwerk in Europa stärken, was bereits in der Vergangenheit in Deutschland gut funktioniert hat. Durch die Preisverleihung, die vor einigen Wochen im französischen Nantes stattfand, hat McKinsey sich vor einem großen Publikum als Beratung mit einer starken Marketing & Sales Practice präsentiert. Als Arbeitgeber werden wir so sicherlich für diejenigen Teilnehmer interessant, die nach ihrer Promotion nicht in die Wissenschaft gehen möchten. Unser primäres Ziel mit diesem Preis ist das aber nicht.

Was macht eine Arbeit "preiswürdig"?

Bei der Vergabe der drei Preise achten wir zuerst darauf, dass die Arbeiten methodisch einwandfrei sind. Unsere wissenschaftlichen Kollegen von renommierten Instituten wie dem INSEAD oder der Pennsylvania State University überprüfen die Dissertationen auf diese Kriterien. Der Innovationsgrad und die Praxistauglichkeit sind für uns weitere wichtige Aspekte. Auch die EMAC achtet sehr darauf, dass die Forschungsergebnisse praxisrelevant sind. Den letzten Ausschlag gibt dann die Präsentation auf der Abschlusskonferenz. Dabei wollen wir auch die Soft Skills der Kandidaten testen. Sie haben zwanzig Minuten Zeit, ihre Arbeit vorzustellen. Danach beantworten sie zehn Minuten lang Fragen der Jury.

In diesem Jahr haben sich 60 Kandidaten beworben. Rechnen Sie nächstes Jahr mit mehr Bewerbern?

Ehrlich gesagt nicht. Mit den 60 Kandidaten hat sich in diesem Jahr etwa jeder dritte europäische Doktorand beworben, der für den Preis überhaupt in Frage kommt. Mit so einem guten Ergebnis hatte ich persönlich gar nicht gerechnet. Allein unsere formalen Anforderungen sind bereits sehr hoch: Die Kandidaten müssen eine Zusammenfassung ihrer Arbeit von maximal 30 Seiten einreichen. Dazu kommen ein einseitiges Abstract und ihr Lebenslauf. Alle Unterlagen müssen in englischer Sprache abgegeben werden. Für den Fall, dass sie unter die drei Finalisten kommen, erklären sie sich zusätzlich bereit, ihre Arbeit vor 700 Experten auf der Abschlusskonferenz zu präsentieren. Das traut sich nicht jeder.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

In der Stipendien-Datenbank findest du fast 900 Stipendien von 500 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Das könnte dich auch interessieren