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Interviews mit e-fellows in China

Mit einem entspannten Party-Semester braucht man an der University of Hong Kong wahrscheinlich nicht zu rechnen, oder?

Nein, während des Semesters war extrem viel zu tun. Ich habe vier Kurse à sechs Credits gemacht, in jedem Kurs musste ich vier bis fünf Hausarbeiten im Semester abgeben, dazu kamen Pflichttutorien, Übungen und Präsentationen sowie Zwischenprüfungen nach der Hälfte des Semesters. Die chinesischen Kommilitonen haben noch mehr gearbeitet, die sind morgens zur Uni und haben bis Mitternacht gelernt. Der Ehrgeiz ist groß, denn die Hong Kong University ist die beste Uni am Platz. Auch die Eltern machen Druck, schließlich sind die Studiengebühren hoch.

Was ist eigentlich so spannend an China?

Mich fasziniert an China die Kultur, aber auch der Mythos der aufstrebenden Weltmacht, vor der man sich fürchtet. Ich wollte das selber erleben, diesen extremen Hunger nach Aufstieg, Wachstum, Konsum.

Wie kommt dein Auslandsaufenthalt bei Personalern an?

Ich schreibe meine Bachelor-Arbeit bei Bosch. Natürlich war China auch ein Thema im Vorstellungsgespräch. Der Personaler fand das super. Weil mir das Land so gut gefiel, bin ich nach dem Auslandssemester noch für ein Praktikum zur Volkswagen Group nach Peking gegangen. Peking ist mehr das wahre China, kein Mensch spricht dort Englisch. Es ist nicht so eine Weltstadt wie Hong Kong, hat aber viel mehr Kultur zu bieten.

Liegt China im Trend?

Ja, die Hemmschwelle, nach China zu gehen, ist gesunken. Viele Studenten überlegen sich das inzwischen, weil es gut im Lebenslauf aussieht. Ich bekomme oft Anfragen von Studenten, die wissen wollen, wie ich das organisiert habe.

Und wie hast du das organisiert?

Wir haben ein Austauschprogramm an der Hochschule, die Uni hat den Studienplatz besorgt und der Auslandskoordinator an der Uni Hong Kong hat sich für mich um einen Platz im Studentenwohnheim und das Visum gekümmert. Im Studentenwohnheim habe ich nur 500 Euro fürs ganze Semester gezahlt. Dafür musste ich mir die 15 Quadratmeter auch mit einem Equadorianer teilen.

Ist es dir schwer gefallen, Kontakte zu Chinesen zu knüpfen?

In Hong Kong war es nicht schwer, man geht zum Beispiel viel zusammen essen. In Peking war es schwieriger, weil mein Chinesisch nur für die normalen Alltagsdinge reicht.

Würdest du gerne länger in China leben?

Ich kann mir gut vorstellen, noch mal nach China zu gehen, vielleicht für zwei, drei Jahre. Es ist einfach spannend, was sich da alles bewegt. Man fährt an einem Wohngebiet vorbei, das gerade abgerissen wird, alles Schutt und Asche. Zwei Monate später steht schon wieder ein fertiger Rohbau da. Das Tempo ist krass. Ich glaube auch, dass ein beruflicher Aufenthalt in China ein Karrierebeschleuniger ist. Der finanzielle Aspekt ist mir nicht so wichtig – man bekommt zwar Zuschläge, aber wenn man so leben will wie in Europa, kostet das auch genauso viel.

Was ist dein erster Eindruck von Schanghai?

Viele Menschen, viele Touristen, aber es gibt auch viele grüne Flächen. Insgesamt geht es hier hektischer als in Peking zu.

Hast du eine Art Kulturschock bekommen?

Der Kulturschock wirkt sich bei mir am Anfang meistens so aus, dass ich ziemlich genervt bin. Denn die Chinesen sind zum Beispiel in der U-Bahn oder auf der Straße recht rücksichtslos. Man wird angerempelt, keiner entschuldigt sich, und die Autos dürfen hier auch bei grüner Fußgängerampel immer rechts abbiegen, so dass man sehen muss, wie man über die Straße kommt.

Trotzdem muss es dir in China gut gefallen haben, schließlich bist du schon zum zweiten Mal da.

Ich habe in Peking sehr gute chinesische Freunde gefunden, die mir wirklich bei allem geholfen haben. Diese Gastfreundschaft hat mich sehr beeindruckt. China ist außerdem von der Kultur her ganz anders als Deutschland. Ich fand das so interessant, dass ich unbedingt wieder nach China zurück wollte. Außerdem spürt man hier so eine gewisse Aufbruchsstimmung. Es werden in kürzester Zeit neue Hochhäuser aus dem Boden gestampft, neue U-Bahnlinien gebaut. China hat mich auch als Reiseland fasziniert, da es so viele verschiedene Landschaften gibt: die chinesische Mauer, die Karst-Berge in Guilin...

Und im Lebenslauf macht sich ein China-Aufenthalt sicher auch nicht schlecht?

Ja, das denke ich auch. Ich habe auch schon gehört, dass das mit ein Hauptgrund für viele ist, nach China zu gehen. Für mich war das jedoch nicht ausschlaggebend. Ich habe mich schon immer sehr für Asien interessiert, weshalb ich vor meinem Jurastudium angefangen hatte, Sinologie zu studieren. Als meine Uni dann ein Austauschprogramm mit der CUPL Peking angeboten hatte, habe ich mich sofort beworben. Aus fachlicher Sicht ist aber zum Beispiel ein LL.M. in den USA oder England für einen Juristen die bessere Wahl. Ein Studium an einer chinesischen Uni lohnt sich insofern, als China ein wichtiger Handelspartner von Deutschland ist. Zudem zeigt es, dass man in einer fremden Kultur zurecht kommen kann.

Was genau machst du jetzt in China?

Ich absolviere einen Teil meiner Verwaltungsstation beim Generalkonsulat der BRD. Ich habe mich beim Auswärtigen Amt beworben, da ich noch nicht sicher weiß, was ich nach dem zweiten Staatsexamen machen möchte. Eine Station ist eine gute Möglichkeit, das mal auszuprobieren. Zudem wollte ich schon immer international arbeiten.

Was verbindest du mit China?

Mit China verbinde ich vor allem Vielfalt und starke Kontraste. Das merkt man vor allem, wenn man die Städte hinter sich lässt und aufs Land reist, wo Konsum noch nicht so groß geschrieben wird. Mit China verbinde ich aber auch Lärm, Umweltverschmutzung, Menschenmassen. Leute, die einen manchmal nicht verstehen wollen. Das Bedürfnis, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, was man hier nicht darf. Andererseits gibt es so viele positive Dinge wie die Gastfreundschaft.

Kannst du dir vorstellen, dauerhaft in China zu leben?

Dauerhaft eher nicht, aber für zwei bis fünf Jahre sicher.

Was war dein schönstes Erlebnis bisher in China?

Mein schönstes Erlebnis war, als eine chinesische Freundin mich und andere chinesische Freunde zu ihrer Mutter nach Hause zum Jiaozi machen eingeladen hat. Jiaozi sind Teigtaschen.

Und was nervt an China?

Ich fand es nervenaufreibend, dass man wichtige Termine erst kurzfristig und nach mehrmaligem Nachfragen mitgeteilt bekommt. Das Planungsbedürfnis ist hier nicht so ausgeprägt wie bei uns Deutschen.

Hast du einen Tipp für andere Studenten, die eine Zeit in China verbringen möchten?

Sucht euch chinesische Freunde und reist viel. Nur so kann man Land und Leute richtig kennenlernen. Und man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn man am Anfang nicht verstanden wird.

Wie findet man denn am besten chinesische Freunde?

Indem man auf dem Campus wohnt und sich Sprachpartner sucht – es gibt viele Chinesen, die gerne ihr Englisch oder Deutsch verbessern wollen. Oder indem man Tischtennis oder Badminton an der Uni spielt. Häufig wird man von chinesischen Studenten angesprochen, ob man nicht Sprachpartner für Englisch werden möchte. Wenn man ein Praktikum in China macht, ist es wahrscheinlich schwieriger, Kontakte zu Chinesen zu knüpfen. Ich habe mich daher entschieden, zu einer Chinesin in die WG zu ziehen. Nach Zimmern in Schanghai kann man übrigens auch übers Internet suchen unter www.smartshanghai.com.

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