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Studieren an der Universidad Carlos III in Madrid

Als ich die Zusage für einen Erasmus-Aufenthalt in Madrid zum ersten Mal in Händen hielt, war ich enttäuscht. Ich hatte eigentlich fest damit gerechnet, dem deutschen Winter im sonnigen und warmen Malaga entgehen zu können - und nun sollte ich sechs Monate in einer Großstadt fernab vom Meer verbringen! Doch nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, beschloss ich, dies als Wink des Schicksals zu sehen. Schließlich war es eine Chance, die Hauptstadt Spaniens kennen zu lernen.
 

Studieren an einer jungen Uni
 Um es schon mal vorwegzunehmen: Ich habe es nicht bereut und bin froh, dem Ruf des Schicksals gefolgt zu sein. Von September 2002 bis März 2003 studierte ich Jura an der Universidad Carlos III de Madrid. Die Universidad Carlos III ist mit knapp über zehn Jahren eine sehr junge Universität, die vom spanischen Staat sehr gut ausgestattet und unterstützt wird. Bei den spanischen Studenten zählt sie mit zu den besten Universitäten des Landes. Jedes Jahr nehmen viele Schulabsolventen die schweren Aufnahmeprüfungen auf sich, um einen Studienplatz zu erhalten. Die Bedeutung dieser Universität lässt sich wohl auch daran erkennen, dass der spanische König Juan Carlos öfters vorbeikommt. Eines Tages spazierte er ganz unverhofft über den Campus und ich konnte ihn aus nächster Nähe erleben. Der König fragte uns lediglich ganz trocken: "Müsst ihr denn eigentlich nicht studieren?"
 

Verteilt auf drei Städte: die Fakultäten
 Die einzelnen Fakultäten der Universität sind auf die Städte Getafe, Leganés und Colmenarejo aufgeteilt. Getafe und Leganés liegen einige Kilometer außerhalb, sind aber mit Bus, Metro und Nahverkehrszügen, Cercanias, bestens zu erreichen. In Getafe werden Jura, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften (Humanidades) gelehrt. Als Erasmus-Student hat man die Möglichkeit, sich zu beliebig vielen juristischen Lehrangeboten anzumelden. Dabei kommt einem auch der Aufbau des spanischen Studiums zugute: Die Studenten jedes Semesters sind dort in unterschiedliche "Klassen" aufgeteilt. Das hat den Vorteil, dass man zusätzlich auch zeitlich flexibel ist. Gerade in den unteren Semestern gibt es dann Vorlesungen bis zu viermal am Tag.
 

Das Lehrprogramm für Juristen
 Das Lehrprogramm für Juristen an der Carlos III bietet neben den uns bekannten Fächern auch ein paar Exoten. Zum Beispiel gibt es hier Luft- und Raumfahrtrecht. Auch besteht die Möglichkeit, sich in historischer, philosophischer und rechtstheoretischer Weise dem Fach Jura zu nähern. Ich habe mich für Derecho Internacional Privado, Teoría de Derecho und Derecho Internacional Público entschieden. Meine Wahl beruhte zum Teil auf persönlichem Interesse und Neugier, zum anderen auch auf meiner Wahlfachgruppe (IPR und Rechtsvergleich). Die Dozenten kümmerten sich sehr gut um die ausländischen Studenten und standen gerne nach der Vorlesung für Fragen und ein kurzes Gespräch bereit. So lud uns unser Professor in Derecho Internacional Privado zu einem Seminar ein, das eigentlich nur für Professoren gedacht war.
 

Das Erasmus-Netzerk lebt
 Neben den Vorlesungen gibt es für Austauschstudenten auch Sprachkurse und spezielle Kurse für Juristen und Wirtschaftsstudenten. Zum studentischen Leben passen die zahlreichen Angebote des örtlichen Erasmus-Netzwerks von Carlos III. Spanische Studenten opfern dafür viel von ihrer Freizeit. Dafür gibt es wöchentliche Treffen in einer Madrider Bar, Parties oder Fahrten nach Sevilla. Die Betreuung ist sehr gut und man findet immer jemanden, der gerne bereit ist, weiterzuhelfen. Auch Anschluss finden ist an der Carlos III nicht schwer: Es gibt viele Studenten, die Mühe haben mit dem Deutschlernen und gerne bereit sind, beim Intercambio die jeweilige Fremdsprache zu verbessern. Daraus haben sich schon sehr nette Freundschaften entwickelt.
 

Leben im Zentrum Spaniens
 Madrid ist eine tolle Stadt, die einem in jeder Hinsicht umfassende Vielfalt bietet. Ein halbes Jahr in Madrid zu leben, war für mich eine der interessantesten und spannendsten Erfahrungen meines Lebens. Man lebt dort im politischen, kulturellen, gesellschaftlichen und fast geographischen Zentrum Spaniens. Neben dem weltbekannten Prado, der die größte Kunstsammlung Spaniens beherbergt, bieten auch das "Centro de Arte Reina Sofia" und das "Museo Thyssen Bornemisza" eine riesige Auswahl an Kunstwerken aller Epochen. Und am politischen Tagesgeschehen Spaniens ist man natürlich auch hautnah dabei. So nahm ich an den ersten großen Demonstrationen gegen den Irak-Krieg teil.
 

Keine Panik: auch bei Stress
 Zuammenfassend brachte mir der Aufenthalt in Madrid einen tiefen Einblick in die Kultur Spaniens. Ich habe die Lebensweise der Spanier kennen gelernt, die sich auch bei Stress nicht so einfach aus der Ruhe bringen lassen. Zwar kostete es mich anfangs ein paar Nerven, wenn es mal nicht so schnell wie gewohnt ging. Aber ich habe gelernt, dass es manchmal auch nicht schneller geht und man dann einfach einmal tief durchatmen muss. Letztendlich war es für mich eine wunderbare Zeit in Spaniens Hauptstadt und ich habe Madrid kennen und lieben gelernt!
 
 

Noch Fragen? E-Mail an Dominic.

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