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Juristisches Verwaltungspraktikum im Auswärtigen Amt in Boston

Boston City Amerika Himmel Wolken [Quelle: Pixabay, skeeze]

© skeeze - Pixabay.com

Angefangen hatte alles mit einem Freund, der mir von seinen unvergesslichen Erlebnissen während seines Praktikums an der Deutschen Botschaft in Windhuk, Namibia, berichtete. Total begeistert von dieser Idee, das juristische Verwaltungs-praktikum im Ausland zu absolvieren, setzte ich mich noch am gleichen Abend an meinen Computer und schrieb meine Bewerbungen. Die schickte ich per E-mail an circa 35 deutsche Auslandsvertretungen in der ganzen Welt. Das war im April 2002. Neben zahlreichen Absagen erhielt ich immerhin drei Zusagen für die Botschaften in Lissabon und Windhuk sowie für das Generalkonsulat in Boston. Nach langem Hadern entschied ich mich schließlich für sechs Wochen Boston. Im August 2003 sollte es losgehen – USA ich komme!
 

Wohnungssuche in Boston
 Natürlich bedurfte auch eine Reise in dieses eher unexotische Land einer gewissen Vorbereitung. Neben der vom Auswärtigen Amt durchgeführten Sicherheitsüberprüfung musste ich mich um Flug und Unterkunft kümmern. Nach einer positiven Sicherheitsüberprüfung erhielt ich mit dem ausgestellten Vertrag als Anlage auch einige Tipps für das Leben in Boston. Dabei befanden sich unter anderem Vorschläge für private Unter-künfte, Hostels und die Anmietung von Zimmern an einer Universität. Hierbei hatte ich auch gleich großes Glück. Denn trotz der angespannten Wohnsituation in Boston war schon die erste Anfrage ein Treffer. Ich wohnte privat bei einer allein stehenden Frau in einem Vorort von Boston in einem ganz neuen Haus mit jeglichem denkbaren Komfort. Neben der Bad- und Küchennutzung konnte ich auch jederzeit Fernseher, Internet und Telefon mitnutzen. Die allmorgendliche Fahrt zum Konsulat dauerte von der Haustür zur Eingangsschleuse des Konsulats mit Bus und U-Bahn maximal 25 Minuten.
 

Rettung durch das Auswärtige Amt
 Viel schwieriger gestaltete sich anfangs indes die Beschaffung des erforderlichen Visums. Denn mit den Tipps für das Leben in der Stadt erhält der künftige Praktikant in der Regel auch den Hinweis, dass sämtliche Visa-Angelegenheiten gänzlich dem Praktikanten obliegen. Hier kann ich nur jedem empfehlen, sich gerade für das US-Visum rechtzeitig zu kümmern. Nicht zuletzt nach den neuerdings verschärften Einreisebestimmungen sind die US-Behörden völlig überlastet. Ich selbst beging den Fehler, mich erst zu spät zu kümmern, so dass mein recht knapp gebuchtes Flugticket doch recht teuer ausfiel. Aber immerhin half mir letztlich doch das Auswärtige Amt. Nach einem Anruf in Berlin erhielt ich im Gegensatz zu den üblichen Antragsformu- laren eine stark komprimierte Fassung. Daraufhin bekam ich dann schon drei Wochen später ein A2-Visum, was mir bei der Einreise in Boston einen VIP-Status bescherte und das Prozedere somit erheblich beschleunigte. Zugleich sparte ich mir aber durch den behördlichen Umweg über Berlin vor allem auch die sonst anfallenden Ausstellungsgebühren.
 

Boston - ein riesiger Campus
 Mit Boston erwartete mich eine für die USA wohl eher wenig repräsentative Stadt. So ist bei dieser stark mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskampf verbundenen Stadt nicht nur die europäische Prägung allgegenwärtig, sondern sorgen gerade die zahlreichen Studenten für ein ganz und gar nicht prüdes Flair. Schon allein die Zahlen sprechen für dieses Bild: Die mehr als 35 Colleges und Universitäten im Großraum Boston bieten Platz für rund 250.000 Studenten. Für die Zeit des Semesteranfangs bedeutete das neben unzähligen Umzugs- wagen auf den Straßen vor allem einen riesigen Menschenan- drang auf den sonst so leer scheinenden öffentlichen Straßen und Plätzen. Boston selbst machte auf mich einen sehr angenehmen Eindruck. Vor allem die zahlreichen Grünflachen und Stadtstrände machen die Stadt im Sommer sehr lebenswert. Jedoch wirkt die Innenstadt vor allem in den Abendstunden recht eingeschlafen. All denen, die auch nach 19 Uhr noch Trubel auf den Straßen erleben wollen, sei daher immer der Abstecher über den Charles River nach Cambridge empfohlen. Insbesondere auf dem M.I.T.-Campus sowie am Harvard-Square war immer noch jede Menge los!
 

Das Deutsche Generalkonsulat in Boston
 Das Konsulat befindet sich in einem vornehmeren Teil der Bostoner Innenstadt, in der so genannten Back Bay. Dort sitzt das Konsulat in einer Büroetage innerhalb einer Geschäftsmall. Wer also eine schicke Villa oder einen repräsentativen Kolonialbau erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Aber gerade diese Zurückgezogenheit machte auch das Flair des Konsulats aus. Mit seinen 17 Mitarbeitern gehört es zu den eher kleineren Auslandsvertretungen. Seine Daseinsberech- tigung erhält es hauptsächlich von der großen Anzahl an berühmten Bildungs- und Forschungseinrichtungen in den Neu-Englandstaaten: Harvard, M.I.T, Boston University, Wellesley und Dartmouth College. Dementsprechend war auch der Schwerpunkt der Arbeit im Konsulat angelegt. Zum einen war ich Anlaufstelle für die vielen Deutschen, die dort leben, studieren und arbeiten. Gleichzeitig soll aber auch den in Deutschland ansässigen Wissenschaftlern, Unternehmen und Politkern ein Kontakt vor Ort geboten werden.
 

Als Praktikant im Auswärtigen Amt
 Zwar gibt es für die Beschäftigung von Praktikanten im Auswärtigen Amt bestimmte Richtlinien. Jedoch obliegt es hauptsächlich dem Konsul beziehungsweise Botschafter wie und wo er "seine" Praktikanten einsetzt. Manche Auslandsvertretungen verzichten auch völlig auf Praktikanten. Insofern kann die Beurteilung der Tätigkeit keinesfalls als ein allgemeingültiges Urteil der Tätigkeiten im Auswärtigen Amt gelten. Vielmehr ist es stark abhängig von den jeweiligen Vorgesetzten, dem Zeitpunkt des Praktikums und den individuellen Vorstellungen des Praktikanten. Da die Entsandten in den Auslandsvertretungen dem Rotationsprinzip unterliegen, kann man nicht einmal ein verlässliches Urteil für die konkrete Auslandsvertretung fällen.
 

Etwas Pech und etwas Glück
 Ich hatte leider ein bisschen Pech, dass während meines Praktikums nicht nur draußen Sommerloch war, sondern auch das Konsulat selbst sich mehr oder weniger im Urlaub befand. Das Konsulat arbeitete daher ein wenig auf Sparflamme. Insofern war es streckenweise auch ein wenig langweilig. Das, was es zu tun gab, waren aber durchweg höchst interessante Tätigkeiten. Dabei kam den Praktikanten zugute, dass das Konsulat selbst gar keinen ständigen Juristen besaß und bei jedem juristischen Problem auf die Praktikanten und Referendare zurückgreifen "musste".
 

Meine Tätigkeit als Praktikant
 So hatte ich es während meiner sechs Wochen unter anderem mit einer Sammelklage zu tun, musste Verwaltungsrichtlinien im Bereich des Staatsangehörigkeitsrechts anfertigen, durfte einen Infobrief zum Thema doppelte Staatsangehörigkeit verfassen und habe an einem Bericht bezüglich einer Revision zum US Supreme Court mitgewirkt. Neben diesen juristischen Aufgaben fielen auch sehr interessante organisatorische Aufgaben wie zum Beispiel der Besuch eines Bundestagsabgeordneten an. Hinzu kamen des öfteren Rechercheaufträge zu historischen und aktuellen Themen. Trotz des kurzzeitigen Arbeitsmangels wurden die Praktikanten und Referendare nie mit irgendwelchen Hilfstätigkeiten wie Kopieren oder Kaffeekochen befasst. Vielmehr hatte jeder sein eigenes Büro, in dem man seine Arbeit recht eigenverantwortlich erledigen konnte. Gleichzeitig war durch das im Konsulat geltende Prinzip der offenen Bürotür auch immer die Möglichkeit gegeben, in andere Tätigkeits- bereiche reinzuschnuppern, um so den gesamten Arbeitsablauf einer Auslandsvertretung kennen zu lernen.
 

Fazit
 Dieses Praktikum war sicherlich eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Nicht nur weil ich einen Einblick in die spannende Welt des diplomatischen Dienstes erhielt, sondern vor allem auch aufgrund der eigenverantwortlichen Bearbeitung anspruchsvoller und herausfordernder Aufgaben. Dazu beigetragen hat aber sicherlich auch diese tolle Stadt und ihre Umgebung. Wer die Ostküste aber intensiv kennen lernen möchte, dem sei auf jeden Fall ans Herz gelegt, sich vor oder nach der Praktikumszeit noch ein wenig Urlaub zu gönnen. Denn bei einem Acht-Stunden-Tag im Konsulat verbleiben für Freizeit meistens nur die Wochenenden.

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