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Ziel in Reichweite

Eurozeichen Sterne [Quelle: Unspplash.com, Autor: Mika Baumeister]

Quelle: Unsplash.com, Mika Baumeister

Mit dem besten Jahresstart seit sieben Jahren überzeugt das Geldhaus langsam auch seine Kritiker. Die Pleite der Bremer Greensill Bank und deren Folgeschäden stellen aber die Kostenziele von Vorstandschef Sewing infrage.

So viel Lob ist die Deutsche Bank seit vielen Jahren nicht mehr gewohnt. Mit den deutlich besser als erwarteten Zahlen zum Jahresauftakt kommt Vorstandschef Christian Sewing nicht nur seinen Sanierungszielen einen wichtigen Schritt näher, er kann sogar einige Dauerkritiker besänftigen. Am Dienstag präsentierte das größte heimische Geldhaus den höchsten Quartalsgewinn seit sieben Jahren. Dabei profitierten die Frankfurter zum einen vom florierenden Kapitalmarktgeschäft, zum anderen von einer deutlich niedrigeren Risikovorsorge. Unter dem Strich stand in den ersten drei Monaten ein Gewinn von 908 Millionen Euro, nach einem Verlust von 43 Millionen Euro vor einem Jahr.

Die Erträge stiegen um 14 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Vor Steuern erwirtschaftete das Institut ein Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro, nach einem Plus von 206 Millionen Euro vor Jahresfrist. Getrübt wird der Optimismus allerdings durch die Folgeschäden der Pleite der Bremer Greensill Bank, die Sewings Kostenziele infrage stellen.

Für Finanzvorstand James von Moltke ist das Quartalsergebnis trotzdem ein "Meilenstein" für die Bank – und die Investoren scheinen nicht abgeneigt, sich dieser Einschätzung anzuschließen. Bis Dienstagnachmittag legte die Deutsche-Bank-Aktie um knapp zehn Prozent zu.

Für die Ratingagentur Moody’s hat die Bank mit ihrem Zwischenergebnis "ein neues Level" erreicht. Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment sieht das ähnlich: "Selbst dem größten Bären fällt es schwer, an den Zahlen viele Kritikpunkte zu finden." Zwar gebe es eine Unwucht zugunsten der kapitalmarktabhängigen Erträge, aber auch das Firmen- und Privatkundengeschäft hätten besser abgeschnitten als erwartet. Besonders gut gefällt Annecke, dass die Deutsche Bank bereits im ersten Quartal 300 Millionen Euro für eine Dividende zurückgestellt hat: "Darauf haben wir gewartet." Selbst die Analysten der britischen Großbank Barclays, bislang eindeutig auf der Seite der Skeptiker, sprechen dieses Mal von einem "soliden Zahlenwerk".

Im ersten Quartal kletterte die Rendite auf das materielle Eigenkapital auf 7,4 Prozent – und näherte sich damit erstmals den Zielen, die Sewing zu Beginn des Umbaus vor zwei Jahren gesetzt hat. Bis Ende 2022 hat der Vorstandschef den Investoren eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent versprochen. Bislang zweifelten die meisten Analysten allerdings, dass diese Vorgaben realistisch sind. Sewing sieht sich jetzt bestätigt: "Wir haben in unserer Kernbank bereits unsere Renditepläne für das kommende Jahr übertroffen", betonte er. Und: "Diese Ergebnisse bestärken uns in unserer Erwartung, dass wir unsere Ziele für 2022 erreichen werden."

Vorbereitung auf Fusionen

Noch muss der Banker Überzeugungsarbeit leisten, aber die Stimmung wird zunehmend positiver: "Wir halten die Ziele für 2022 nach wie vor für ambitioniert. Allerdings wird es mit jedem Quartal, in dem die Bank gut abschneidet, realistischer, dass sie diesen Zielen zumindest nahekommen wird", meint Fondsmanager Andreas Thomae von der Deka.

Ihren Umbau sieht die Deutsche Bank auch als Vorbereitung auf die erwartete Welle von Fusionen und Übernahmen in der europäischen Bankenbranche. "Die Konsolidierung wird auf jeden Fall kommen", betonte Finanzchef von Moltke. Noch sei die Bank dabei, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Aber dank der Fortschritte bei der Sanierung nähere sich der Zeitpunkt, an dem das Geldhaus für die Bereinigung des europäischen Bankenmarkts vorbereitet sei.

Fondsmanager Thomae hält das für etwas zu optimistisch: "Damit die Deutsche Bank als starker Partner in Fusionsgespräche gehen kann, muss sie erst noch ihre Bewertung verbessern", betonte er. Im Moment wäre nach Thomaes Meinung eine Konsolidierung am ehesten in der Asset-Management-Sparte sinnvoll. In diesem Bereich spielten Skaleneffekte eine wichtige Rolle. Außerdem habe die Deutsche Bank hier eine Größe, die für eine Fusion interessant sei.

Als die Bank vor einigen Jahren auf einer Strategietagung mögliche Fusionen durchspielte, galt die Schweizer UBS als Lieblingspartner. Die UBS ist an der Börse allerdings 48 Milliarden Euro schwer, die Deutsche Bank bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 21 Milliarden Euro. Zumindest die derzeit von einer Skandalserie erschütterte Credit Suisse hat die Deutsche Bank beim Börsenwert eingeholt. Auch die zweite Schweizer Großbank wird von einigen Fusionsberatern als potenzieller Partner für die Frankfurter gehandelt. Vor allem wegen der guten Position im Wealthmanagement und weil sich die Stärke der Credit Suisse im Aktiengeschäft mit dem Anleihefokus der Deutschen Bank gut ergänzen würde.

Ermutigt durch den guten Start ins Jahr hat die Deutsche Bank ihren Ausblick für 2021 angehoben und rechnet jetzt mit unveränderten Erträgen im Vergleich zum Vorjahr. Ein wichtiger Grund dafür ist die Arbeit von Risikomanager Stuart Lewis, den Sewing in einer Mitteilung an die Mitarbeiter explizit lobte. Obwohl die Pandemie die Weltwirtschaft weiter belaste, sei die Risikovorsorge im ersten Quartal um 86 Prozent gesunken und habe so deutlich unter den Befürchtungen des Instituts gelegen. "Wir rechnen auch für das Gesamtjahr mit einer merklich niedrigeren Risikovorsorge als angenommen." Finanzchef von Moltke stellt für das Gesamtjahr eine Risikovorsorge von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht, nach 1,8 Milliarden im Vorjahr, als die Bank wegen der Coronakrise ihre Rückstellungen für notleidende Kredite massiv hochgefahren hatte.

Grafik HB deutsche Bank in Zahlen [Quelle: Handelsblatt, Autor: Bloomberg]
Grafik HB Deutsche Bank in Zahlen [Quelle: Handelsblatt, Autor: Bloomberg]

Die Zusatzkosten für die gesetzliche Einlagensicherung summieren sich laut Finanzchef von Moltke auf rund 250 Millionen Euro, die sich auf die kommenden vier Jahre verteilen. Wie viel das Auffüllen der privaten Zusatz-Einlagenversicherung am Ende kosten wird, ist noch unklar. Von Moltke verwies auf die noch laufenden Reformdiskussionen innerhalb des privaten Bankenverbands BdB.

Boom beim Investmentbanking

Wichtigster Gewinntreiber war bei der Deutschen Bank erneut das Investmentbanking, das seit gut einem Jahr von den Kursausschlägen infolge der Coronakrise und dem anschließenden Börsenboom profitiert. Hier stiegen die Erträge um 32 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro und der Vorsteuergewinn um 134 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, obwohl Sewing diesen Bereich deutlich zurechtgestutzt hat und die Bank sich aus dem Aktienhandel quasi komplett zurückgezogen hat. Besonders gut lief es im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen sowie bei der Beratung bei Börsengängen und dem neuen Boom im Geschäft mit leeren Börsenmänteln, den sogenannten Spacs. Teilweise waren die Zuwächse höher als bei den US-Rivalen Goldman Sachs und JP Morgan.

Für den Rest des Jahres rechnet Sewing zwar mit einem Auslaufen der Sonderkonjunktur im Investmentbanking. Dennoch geht er davon aus, dass die Sparte ähnlich hohe Erträge erzielen kann "wie im sehr starken Vorjahr". Großinvestoren halten diesen Optimismus inzwischen für begründet: "Die Entwicklung in der Investmentbank wird sich nicht linear fortschreiben lassen. Positiv ist allerdings, dass die Zugewinne zum Teil auf Marktanteilsgewinne und wieder gefestigte Kundenverbindungen zurückgehen – und damit nicht allein dem aktuellen Boom im Handelsgeschäft geschuldet sind", meint Fondsmanager Thomae.

Niedrige Zinsen belasten

Mit seinen Umbauplänen wollte Sewing eigentlich die stabileren Geschäftsfelder stärken, um die Abhängigkeit vom volatilen Investmentbanking zu reduzieren. Aber in der Unternehmensbank und im Privatkundengeschäft läuft es noch immer nicht rund. Zwar konnten beide Bereiche die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen, doch war für diese Entwicklung maßgeblich die niedrigere Risikovorsorge verantwortlich. Die Erträge stagnierten dagegen. In beiden Bereichen leidet die Bank, wie die gesamte Branche, unter den chronisch niedrigen Zinsen. Sewing stellt allerdings Besserung in Aussicht: "Wir rechnen fest damit, dass die Folgen der Niedrigzinsen unsere Erträge in der Unternehmensbank und der Privatkundenbank im Vorjahresvergleich allmählich weniger stark belasten werden."

Im Gegensatz zur Unternehmens- und Privatkundenbank konnte das Frankfurter Geldhaus im Asset-Management im ersten Quartal erneut echte Fortschritte melden. Die Erträge stiegen um 23 Prozent auf 637 Millionen Euro, und der Vorsteuergewinn legte um 66 Prozent auf 183 Millionen Euro zu. Die hauseigene Bad Bank konnte im ersten Quartal ihre Verluste deutlich reduzieren. Das Minus in der Capital Release Unit (CRU) lag bei 416 Millionen Euro, Analysten hatten mit einem Vorsteuerverlust von 564 Millionen Euro gerechnet. In diese Einheit hat die Bank Bilanzpositionen ausgelagert, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Bis 2022 soll die CRU rund fünf Milliarden Euro an Kapital freisetzen, das dann an die Investoren zurückgehen soll.

In einem Brief an die knapp 85.000 Mitarbeiter zog Sewing sein persönliches Fazit des ersten Quartals: "Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass unsere Bank wieder nachhaltig profitabel wird." Und dieses Mal gab es von Analysten, Investoren und Ratingagenturen kaum Widerspruch zu dieser These.

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