Partner von:

Überraschender Gewinn

Darstellung Schweinchen Geld Steigerung [Quelle: Pexels.com, Autor: Gabby]

Quelle: Pexels.com, Gabby

Erstmals seit 2014 schreibt Deutschlands größtes Geldhaus schwarze Zahlen ohne Wenn und Aber. Der Chef erneuert sein Versprechen an die Aktionäre.

Christian Sewing hat sein Versprechen übererfüllt. Als der Chef der Deutschen Bank Anfang des vergangenen Jahres den Investoren einen Vorsteuergewinn für das Jahr 2020 in Aussicht stellte, waren die Zweifel groß angesichts der enormen Aufgaben, die vor der Bank lagen. 2019 hatte das größte deutsche Geldhaus wegen der Kosten für den tief greifenden Konzernumbau noch einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro angehäuft.

Jetzt konnte die Deutsche Bank ausgerechnet in der Coronakrise zum ersten Mal seit sechs Jahren sogar wieder einen Nettogewinn präsentieren. Unter dem Strich – also nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen – stand ein Plus von 113 Millionen Euro. Die Erträge stiegen insgesamt um vier Prozent auf 24,03 Milliarden Euro. Damit hat das Geldhaus die Erwartungen der Analysten übertroffen. Außerdem hat die Bank nach eigenen Angaben bereits 85 Prozent der bis 2022 erwarteten Umbaukosten verarbeitet.

Sewing zeigte sich "fest entschlossen", wie versprochen bis 2022 eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von acht Prozent zu erreichen und ab dann fünf Milliarden Euro an Kapital an die Aktionäre zurückzugeben. Die Bank sei dafür nicht auf den Rückenwind der Märkte angewiesen, sondern habe es selbst in der Hand. "Allein über die Kostenseite" könne die Bank "nahe" an ihr Renditeziel kommen.

Die Analysten haben das allerdings bis zuletzt bezweifelt. Im Schnitt gingen sie bislang von einer Rendite auf das materielle Eigenkapital von 5,1 Prozent bis 2022 aus. Ende vergangenen Jahres schaffte die Bank gerade einmal 0,2 Prozent.

Trotzdem fällt Sewings Fazit selbstbewusst aus: "Im wichtigsten Jahr unseres Umbaus ist es uns gelungen, die Transformationskosten und die gestiegene Risikovorsorge mehr als auszugleichen – und das trotz globaler Pandemie", sagte er. "Mit dem Ergebnis von einer Milliarde Euro vor Steuern haben wir unsere eigenen Erwartungen übertroffen."

Auch für das laufende Jahr zeigt sich der Vorstandschef optimistisch: Sewing betonte, die Bank strebe "natürlich" einen Gewinn an. Davon sollen dann auch die Aktionäre profitieren, denen er im kommenden Jahr eine Dividende in Aussicht stellt.

Anders als bei der Commerzbank und der Aareal Bank gab es bei der Deutschen Bank in puncto Risikovorsorge keine negativen Überraschungen: Mit 1,8 Milliarden Euro entsprach sie einem Anteil von 0,41 Prozent des Kreditbuchs. Damit lag sie innerhalb der Bandbreite von 0,35 bis 0,45 Prozent, die die Bank schon früh prognostiziert hatte.

Aktie mit Zickzackkurs 

Die Anleger zeigten sich unentschlossen. Nach vorbörslichen Gewinnen ging es für die Aktie zunächst bergab. Sie zählte zeitweise mit einem Minus von 3,5 Prozent zu den größten Verlierern im Dax, bevor der Kurs sich am Nachmittag wieder minimal über die Nulllinie bewegte.

"Insgesamt lässt sich Herrn Sewing und seinem Team nach vielen sehr schwierigen Jahren in 2020 ein nennenswerter Fortschritt bescheinigen", meint Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien der Fondsgesellschaft Union Investment. Allerdings bleibe das Umfeld für Banken in Europa angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage herausfordernd.

"Das Ergebnis der Deutschen Bank überzeugt", sagt auch Andreas Thomae, Bankenanalyst der Sparkassenfondstochter Deka. Er lobte, dass die Bank im Anleihehandel im vierten Quartal doppelt so stark wuchs wie ihre US-Konkurrenten. Die Bank "hebt Aufholpotenzial", stellt Thomae fest. Für das laufende Jahr ist er weniger optimistisch, weil er mit einem Rückgang der Erträge im Investmentbanking rechnet, der von der Firmen- und Privatkundensparte nur zum Teil aufgeholt werden könne.

Im Vergleich zu den Resultaten wichtiger Wettbewerber fällt der Gewinn der Deutschen Bank klein aus. Die Schweizer Großbank UBS etwa hatte im vergangenen Jahr vor Steuern umgerechnet 6,7 Milliarden Euro verdient. Dagegen kam noch nicht mal der um alle Umbaukosten und um die Abbaubank bereinigte Gewinn der Deutschen Bank von 4,2 Milliarden Euro an.

Allerdings steht die Deutsche Bank dank ihrer geringen Risikovorsorge deutlich besser da als die spanische Großbank Santander, die aufgrund der Coronakrise erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen Jahresverlust einfuhr. Das Minus lag bei 8,8 Milliarden Euro.

Grafik Aktienkurs Deutsche Bank [Quelle: Handelsblatt, Autor: Handelsblatt]

Analysten misstrauen Handelsgewinnen

Dass das Jahresergebnis besser ausfällt als erwartet, hat die Deutsche Bank vor allem ihren Investmentbankern zu verdanken. Die Sparte verdiente mit rund drei Milliarden Euro vor Steuern mehr als jeder andere Bereich der Bank, selbst wenn man noch die Verluste der Abbaubank von rund zwei Milliarden Euro vollständig davon abzieht. Die Eigenkapitalrendite der Investmentbanker lag mit 9,7 Prozent deutlich über den 3,6 Prozent im Unternehmenskundengeschäft. Rentabler war nur die Fondstochter DWS, die auf eine mehr als doppelt so hohe Rendite von 21,4 Prozent kam.

Im Investmentbanking stiegen die Erträge insgesamt um knapp ein Drittel auf 9,3 Milliarden Euro. Die Coronakrise löste im vergangenen Frühjahr und Herbst heftige Kursschwankungen an den Märkten aus, die die Kunden dazu zwangen, ihre Portfolios umzuschichten. Das sorgte für Hochbetrieb in den Handelssälen.

Wie die US-Konkurrenz profitierte die Deutsche Bank vom Boom beim Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten. Hier stiegen die Einnahmen um 28 Prozent. Bei der Platzierung von Bonds erzielte die Bank einen neuen Rekord: Sie brachte für ihre Kunden Anleihen im Umfang von 1,7 Billionen Euro an den Markt, ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die große Bedeutung des schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäfts am Gesamtergebnis ist auch der wichtigste Kritikpunkt von Analysten. Die Finanzexperten der Citi etwa bemängeln, die Ergebnisse der Deutschen Bank seien "anständig", aber wahrscheinlich nicht nachhaltig, da sie auf Einmaleffekten beruhten und der Ausblick nicht detailliert genug sei.

Sewing sieht das anders. Er rechnet für das Investmentbanking mit anhaltender Stärke. Die Entwicklung im vergangenen Jahr stimme ihn zuversichtlich, dass die Ertragszuwächse zu einem großen Teil nachhaltig seien, auch wenn sich die Märkte wieder normalisieren dürften, schrieb er den rund 85.000 Mitarbeitern des Konzerns.

Die Bank habe im zweiten Halbjahr gegenüber US-Wettbewerbern Marktanteile gewonnen, viele wichtige Kunden machten wieder deutlich mehr Geschäft mit dem Institut. Das Geschäft mit den wichtigsten 100 Kunden habe 2020 um mehr als 30 Prozent zugelegt. Trotzdem rechnet Sewing für 2021 nur noch mit Einnahmen von 8,5 Milliarden Euro in der Investmentbank.

DWS schaltet auf Wachstum 

Gut lief es auch im Asset-Management. Dieser Bereich erzielte einen Vorsteuergewinn von 544 Millionen Euro, etwas mehr als von Analysten erwartet. Die Fondstochter DWS konnte mit deutlich niedrigeren Kosten ihre sinkenden Erträge überkompensieren. So hat DWS-Chef Asoka Wöhrmann die Führungsebene verschlankt und Kernsparten neu geordnet. Er will nach dem vorzeitigen Erreichen ihres Kostenziels nun auf Wachstum schalten. Dabei sollen auch Zukäufe helfen. 2021 würden "erste Investitionen in Wachstum und Transformation erfolgen".

Im vergangenen Jahr flossen der DWS rund 30 Milliarden Euro von Investoren zu, etwas mehr als im Jahr zuvor und deutlich mehr als von Analysten prognostiziert. Damit schloss das Fondshaus besser ab als seine großen deutschen Konkurrenten. Allerdings verdankte die DWS die Zuflüsse vor allem passiven Indexfonds (ETF), deren Margen relativ gering sind. Das belastete auch die Netto-Gebührenmarge.

Die Unternehmensbank, die eigentlich den Kern der neuen Deutschen Bank bilden soll, hatte dagegen mit den niedrigen Zinsen und einer ungünstigen Währungsentwicklung zu kämpfen. Zwar hat sich der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr auf 561 Millionen Euro versechsfacht. Das verdankte die Sparte aber im Wesentlichen den im Vergleich zum Jahr 2019 deutlich geringeren Restrukturierungs- und Abschreibungskosten. Bereinigt um Sondereffekte verringerte sich der Gewinn um ein Fünftel.

Das lag vor allem daran, dass die Sparte angefallene Ertragsrückgänge durch niedrige Zinsen und die ungünstigen Wechselkurse nicht gänzlich durch die Ausweitung von Negativzinsen auf Kundeneinlagen ausgleichen konnte. Außerdem erhöhte sich die Risikovorsorge des Bereichs um etwa 30 Prozent.

In der Privatkundensparte sah es noch düsterer aus. Zwar halbierte sich der Vorsteuerverlust auf 124 Millionen Euro. Doch das liegt in erster Linie daran, dass die Belastungen durch Umbaukosten geringer ausfielen als im Vorjahr. Die günstige Entwicklung beim Neugeschäft und sinkende Kosten konnten die Belastungen aus den niedrigen Zinsen nicht ausgleichen. Außerdem musste die Sparte ihre Risikovorsorge verdoppeln.

Bei der Abbaubank kam die Bank mit der Reduzierung der Altlasten voran. Die geringeren Risiken wirkten sich auch auf die Kernkapitalquote aus, die von 13,3 Prozent auf 13,6 Prozent stieg. Den Beitrag der Abbaubank daran taxiert das Institut auf 0,2 Prozentpunkte.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de

nach oben

Willst du mehr über unseren Partner, die Deutsche Bank, erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren