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Die Elektro-Offensive von Bosch scheint zu greifen

Schwarz Weiß Bosch Maschine [Quelle: Unsplash.com, Autor: Adi Goldstein]

Quelle: Unsplash.com, Adi Goldstein

Der Automobilzulieferer stärkt trotz Umsatzeinbußen seine Position als Weltmarktführer.

Bosch hat die Belastungen durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise und den Einbruch in der weltweiten Automobilproduktion begrenzen können. Laut vorläufigen Zahlen ging der Konzernumsatz 2020 um 6,1 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro zurück. Zuwächse bei den in der Pandemie stark nachgefragten Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen federten die Rückgänge in anderen Bereichen ab. In der ausgewiesenen Vorjahreszahl ist die Ende 2019 verkaufte Verpackungstechnik herausgerechnet.

Die automobile Sparte MobilitySolutions erlebte zwar einen Einbruch um 9,5 Prozent auf 42,3 Milliarden Euro Umsatz. Da der größte Konkurrent Continental erwartet, mehr als 15 Prozent seines Geschäfts zu verlieren, und in Mahle ein weiterer Rivale 16 Prozent Umsatz eingebüßt hat, dürfte Bosch seine Weltmarktführung als Automobilzulieferer sogar ausbauen.

Eine Prognose für dieses Jahr gab Bosch-Chef Volkmar Denner aufgrund der weltweiten Pandemie und der "volatilen Rahmenbedingungen" nicht ab. Er rechnet jedoch mit einer Steigerung der weltweiten Autoproduktion auf 85 Millionen Fahrzeuge. 2020 war die Produktion von 92 auf 78 Millionen Fahrzeuge eingebrochen.

"Den Auswirkungen der Pandemie zum Trotz haben wir ein deutlich positives Ergebnis erzielt", bekräftigte Denner. Das operative Ergebnis (Ebit) sank nach den vorläufigen Zahlen allerdings von 3,2 auf rund 1,9 Milliarden Euro. Die Zielrendite von sieben Prozent Ebit-Marge ist damit in weite Ferne gerückt, die Ebit-Rendite liegt bei rund 2,5 Prozent. Allerdings hatte der Konzern 1,4 Milliarden Euro für Restrukturierung ausgegeben. Damit konnte der zur Halbjahresbilanz Mitte 2020 noch drohende Verlust letztlich überraschend deutlich abgewendet werden. Den Gewinn und die endgültigen Jahreszahlen teilt das Unternehmen erst im April mit.

"Wir haben schnell gehandelt, um unsere Kosten und Investitionen an den Umsatzrückgang anzupassen", sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Boschs oberster Kassenwart hat die Investitionen um 1,1 Milliarden Euro gekappt. Eine Vollbremsung, ohne die die Verlustzone gefährlich nahe gekommen wäre.

Durch die Sparmaßnahmen erzielte Bosch mit rund fünf Milliarden Euro den nach eigenen Angaben bislang höchsten freien Cashflow der Unternehmensgeschichte. "Konsequente Arbeit an Kosten und Wettbewerbsfähigkeit sichert die finanzielle Basis für den Ausbau unserer Zukunftsfelder", erklärte Asenkerschbaumer. Überraschend offensiv stellte der Finanzchef in Aussicht, dass die Zielrendite von sieben Prozent bereits in zwei bis drei Jahren wieder erreicht werde.

Das kann nur gelingen, wenn die Elektrooffensive des Konzerns richtig greift. Lange wurde der deutschen Autoindustrie vorgeworfen, zu spät eine Umstellung in Richtung Elektromobilität forciert zu haben. Bosch hat bereits über fünf Milliarden Euro in die E-Antriebe gesteckt. Jetzt stockt Denner das Jahresbudget für E-Mobilität um 40 Prozent auf 700 Millionen Euro auf. Als Grund nennt er wachsende Bestellungen der Autokonzerne. "Auf Sicht wird die Elektromobilität für Bosch zum Kerngeschäft. Unser Ziel ist die Marktführerschaft in der E-Mobilität", sagte der Bosch-Chef.

Das Elektrogeschäft wachse derzeit doppelt so schnell wie der Markt und betrage bereits mehrere Milliarden Euro, so Denner. Seit 2018 habe das Unternehmen 90 Elektroprojekte gewonnen, davon allein im vergangenen Jahr 30 im Gesamtvolumen von 7,5 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben fahren bereits mehr als 2,5 Millionen Fahrzeuge weltweit mit elektrischen Antriebskomponenten Boschs.

Ergänzt wird die Elektrooffensive mit dem Ausbau des Angebots von Zentralrechnern, die die weit im Auto verteilten Steuerfunktionen in Fahrzeugcomputern bündeln. Für das sogenannte "Gehirn des Autos" hat Bosch allein im zweiten Halbjahr Aufträge im Wert von 2,5 Milliarden Euro erhalten. Die neuen Zentralrechner ermöglichen Updates über das Internet.

Insbesondere aus der Kombination von Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge verspricht sich Bosch Wachstum in Milliardenmärkten, auch abseits der Mobilitätsbranche. Zehn Millionen vernetzbare Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und Heizsysteme hat Bosch bereits verkauft.

Boschs Zukunftsgeschäftsfelder beginnen damit, sich gerade rechtzeitig auszuzahlen. Denn das bislang wichtigste Konzerngeschäft Dieseltechnologie scheint schneller wegzubrechen als befürchtet. Allein in Westeuropa sank der Dieselanteil im vergangenen Jahr von 33 auf 29 Prozent, im Januar ging der Abwärtstrend weiter.

Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut in Duisburg erwartet, dass 2025 nur noch zwei Millionen Diesel-Pkws in Westeuropa verkauft werden, 2030 sogar deutlich unter einer Million. Mit drastischen Folgen: "Bis 2025 fallen zwei Drittel der heutigen Arbeitsplätze bei Zulieferern für Diesel-Pkws weg", betont der Marktexperte. Bosch als Weltmarktführer in dieser Technologie wird dies mit voller Wucht treffen. Die Hälfte der rund 80.000 Beschäftigten in der Antriebssparte arbeitet am Diesel.

Die neue Personalchefin Filiz Albrecht, die erste Frau in der Geschäftsführung, steht vor einer harten Aufgabe. Bei ihrem ersten Auftritt nannte sie noch keine konkrete Zahl, wie viele Stellen in diesem Jahr wegfallen werden. "Das wird ein Marathon, kein Sprint", sagte Albrecht. Bei Gewerkschaften hat das Unternehmen bislang einen guten Ruf, in solchen Situationen die Folgen für die betroffenen Mitarbeiter stärker zu mildern als andere Unternehmen.

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