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Amazon setzt auf digitale Arztbesuche

Frau Roter Pulli Laptop Frau mit Maske Weißer Kittel [Quelle: Pexels.com, Autor: Anna Shvets]

Quelle: Pexels.com, Anna Shvets 

Der Konzern öffnet sein Angebot für andere Unternehmen. Die Aktien der Konkurrenten geraten unter Druck.

Der US-Internetriese Amazon bietet seinen digitalen Gesundheitsdienst demnächst auch anderen Unternehmen in den USA an. Bei Amazon Care handelt es sich um eine virtuelle medizinische Betreuung, die mit Ärzten vor Ort kombiniert wird. Bisher können nur Amazon-Mitarbeiter in Seattle das Projekt nutzen. Ab dem Sommer soll es allen Mitarbeitern des Konzerns zur Verfügung stehen. Gleichzeitig können andere Konzerne die Angebote gegen Gebühr nutzen.

Damit weitet der Onlinehändler und Cloud-Konzern sein Geschäft im milliardenschweren Gesundheitsmarkt weiter aus. Schon heute ist Amazon auch als Apotheke im Netz präsent und betreibt mit einem Partner eigene Kliniken für seine Mitarbeiter. Jetzt ist das virtuelle Gesundheitsgeschäft dran. Dabei profitiert das Unternehmen von der großen Nachfrage nach digitalen Arztterminen in der Corona-Pandemie.

Angefangen hat Amazon Care mit einem Pilotprojekt vor zwei Jahren in Seattle. Das war vor allem für kleinere Notfälle gedacht, die sogenannten "Urgent Care"-Visiten bei akuten Bauchschmerzen oder leichten Unfällen. Doch mittlerweile hat die Amazon-Tochter das Angebot weiter ausgebaut und bietet heute auch Hausarztdienste als Mischung aus virtueller Betreuung und regelmäßigen Kontrollen und der Begleitung von chronischen Krankheiten mit einem Arzt vor Ort.

"Die anderen Unternehmen zeigen großes Interesse an dem hybriden Modell aus virtuellem und persönlichem Service", berichtete Kristen Helton, Direktorin von Amazon Care, im US-Sender CNBC. Sie legt Wert darauf, dass Amazon Care heute auch den Hausarzt ersetzen und chronisch Kranke begleiten kann: "Sie können den gleichen Betreuer sehen, ein Behandlungsteam, sodass eine Gruppe von Fachleuten Sie wirklich kennen lernt."

Auch Analyst Charles Rhyee von Cowen berichtet, dass Unternehmen vor allem nach Plattformen suchen, die verschiedene Dienstleistungen anbieten können. Bisher hätte sich die Onlineversorgung vor allem auf Notfälle konzentriert. "Virtuelle hausärztliche Versorgung ist der nächste Schritt", urteilt Rhyee.

Ambitioniertes Projekt scheiterte

Die neue Gesundheitsoffensive kommt nur zwei Monate, nachdem ein anderes großes Projekt von Amazon gescheitert ist: Haven, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Großbank JP Morgan und der Holding Berkshire Hathaway von Star-Investor Warren Buffett. Amazon-Gründer Jeff Bezos hatte das ambitionierte Projekt gemeinsam mit Buffett und JP-Morgan-Chef Jamie Dimon im Februar 2018 angekündigt. Gemeinsam wollten sie eine eigene Krankenversicherung mit einem eigenen stark digitalisierten Ärztesystem und direktem Zugang zu Medikamenten aufbauen. Das alles zu günstigen Preisen, weil die Beteiligten keinen Gewinn damit machen wollen.

Das Projekt war mit Spannung verfolgt worden. An die Spitze hatten die Unternehmer den Chirurgen und Harvard-Medizinprofessor Atul Gawande gesetzt. Beobachter hatten gehofft, dass Haven eine Alternative zum komplizierten und überteuerten amerikanischen Gesundheitssystem sein könnte, eine Art Blaupause für eine landesweite Lösung. Doch diese Hoffnungen wurden enttäuscht, im Januar lösten die Partner das Projekt auf.

Nun geht Amazon seinen eigenen Weg weiter. Dabei interessiert sich der Konzern schon länger für das lukrative Gesundheitsgeschäft: 2018 hat der Einzelhändler die Online-Apotheke Pillpack übernommen. Im vergangenen Jahr ging Amazon eine Partnerschaft mit dem Gesundheitsanbieter Crossover Health ein, um eigene Kliniken für seine Angestellten zu gründen. Sie gibt es bereits an 17 Standorten. Ob Amazon mittelfristig seine verschiedenen Gesundheitsinitiativen vereinen will, steht bisher noch nicht fest.

Mit seinem neuen Angebot von Telemedizin für Unternehmen geht der Konzern aus Seattle noch einen Schritt weiter. Allerdings ist Amazon nicht der einzige Spieler auf dem Markt. Dort sind auch spezialisierte Anbieter wie Teladoc, Versicherer wie United Healthcare oder die Apothekenkette CVS Healthcare unterwegs. Sie alle bieten ihre Dienste auch speziell für Arbeitgeber an.

Dass die Investoren Amazon als neuen Spieler auf dem Markt ernst nehmen, zeigte die Reaktion der Börse auf die Ankündigung am Mittwoch: Sowohl der Aktienkurs von Teladoc als auch der von CVS Healthcare haben deutlich verloren, bevor sie sich am Donnerstagmorgen wieder erholten.

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