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Amazon Air

Flugzeug, blauer Himmel, Kondensstreifen [Quelle: pexels.com, Autor: SevenStorm JUHASZIMRUS]

Quelle: pexels.com, SevenStorm JUHASZIMRUS

Der Onlineriese hat in Windeseile die viertgrößte Frachtfluglinie der Welt aufgebaut. Am Flughafen Leipzig zeigt sich: Die Sparte ist ein zentrales Instrument, um die Konkurrenz abzuschütteln.

Fast meint man, Amazon verstecke sich am deutschen Himmel. Während auf den Frachtflugzeugen des Konzerns in den USA das auffällige Smiley-Logo prangt, landen die Amazon-Maschinen in Leipzig ohne Logo, sozusagen inkognito. Vor einem Jahr hat Amazon Air hier offiziell ein Drehkreuz eröffnet. Fünf Flugzeuge täglich fertigt der Internetriese ab. Aber auch wenn der Auftritt des US-Unternehmens noch diskret ist – Experten vermuten, dass Amazon in Leipzig Großes vorhat.

Das Fluggeschäft zählt zu den besonders schnell wachsenden Geschäftsbereichen – und ist für den Konzern ein zentrales Instrument, um die Konkurrenz abzuschütteln. Amazon Air helfe dem Konzern, sein "wichtigstes Ziel" zu erreichen, die "Kunden schneller zu beliefern", sagt Michael Garvens, lange Jahre Chef des Flughafens Köln und heute unabhängiger Berater: Die Sparte "schließt die letzte wichtige Lücke in der Logistik" des Konzerns.

Anders als FedEx oder DHL fliegt Amazon keine verpackten und adressierten Sendungen, sondern nackte Waren von Lager zu Lager. Melden etwa die Algorithmen, dass in einer Region unerwartet viele Regenjacken gefragt sind, oder dass sich in Spanien eine bestimmte Küchenmaschine besonders gut verkauft, schafft Amazon flugs Nachschub heran. Das Ziel: Die Verfügbarkeit von allem, rund um die Uhr.

Amazon muss daher "seine Lagerbestände in Lichtgeschwindigkeit aufstocken können", sagt Joe Schwieterman, Verkehrsforscher an der De Paul Universität in Chicago. Und das fällt mit den Expresslinien zunehmend schwer, sagt Nathan Zielke, Chef der Logistikberatung Cullinan Consulting: "Über Jahre hinweg unterlagen DHL, FedEx und UPS dem Irrglauben, dass Kunden eine hohe Leidenstoleranz haben", was die Lieferqualität betreffe: "Damit haben die Expressdienstleister provoziert, dass Amazon das Fluggeschäft lieber in die eigenen Hände nimmt." Noch braucht Amazon die Dienstleister, etwa bei interkontinentalen Flügen. Doch innerhalb der USA – und bald auch Europas – dürfte der Konzern den Großteil der Flüge künftig selbst übernehmen.

Alles für mehr Zuverlässigkeit

Amazon Air wurde erst vor sechs Jahren im US-Bundesstaat Ohio gegründet. Inzwischen ist die Linie mit derzeit rund 80 Maschinen zur viertgrößten Frachtlinie der Welt aufgestiegen. Und der Abstand zu den drei führenden Expressdienstleistern (jeweils mehr als 260 Jets) soll zügig schrumpfen, sagen Insider des Konzerns. Im Jahr 2025 könnte Amazon laut Schätzungen bereits mehrere Hundert Jets am Start haben. Der Konzern würde DHL und Co. dann nur noch für Spitzenzeiten und in Sondersituationen buchen.

Für Amazon bringt die eigene Airline vor allem Effizienzgewinne. Das beginnt schon bei der IT. Bisher nutzt der Konzern beim Flugtransport notgedrungen die teilweise recht betagten Systeme der Expressdienstleister. Doch die nehmen nur begrenzt Rücksicht auf die Wünsche von Amazon. Mit der eigenen Flugtochter weiß der Konzern jederzeit, wo welche Sendung gerade unterwegs ist, wann genau sie an welchem Punkt der Lieferkette sich befindet – und kann seine Kunden noch passgenauer bedienen. Zumal sich die Jets von Amazon Air auch im Betrieb am Flughafen und bei den Startzeiten stärker an den Bedürfnissen des Konzerns orientieren können: "Das macht das System deutlich effizienter", so Garvens.

Bleibt dennoch die Frage, ob sich der Aufwand rechnet. Experten mutmaßen, dass Amazon die höhere Qualität noch mit höheren Kosten als bei den Expressdienstleistern erkauft. Noch. Denn "das dürfte sich ändern, wenn Amazon Air wie erwartet weiter wächst und auch nach Asien oder Lateinamerika expandiert", sagt ein Insider.

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