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23 Karrierebooster für 2023

Das neue Jahr bietet Talenten viele Erfolgschancen – ob bei der Bewerbung oder im aktuellen Job. Wie Sie das optimal nutzen.

Es bewegt sich etwas in der Arbeitswelt – und in den Köpfen. Immer mehr Menschen stellen den Status quo in ihrem Job auf den Prüfstand, das zeigen diverse Studien und Umfragen. Und der Arbeitsmarkt belohnt Wechselwillige derzeit mit vielen Chancen: Denn in Zeiten knapper Ressourcen sind qualifizierte Fachkräfte wichtiger denn je.

Auch die Unternehmen wissen das. Um Talente zu halten und neue zu finden, stehen jetzt sowohl die Personalgewinnung als auch die Mitarbeiterbindung bei vielen ganz oben auf dem Zettel. Doch worauf müssen Bewerber ihrerseits eigentlich achten, wenn sie auf der Suche nach ihrem Traumjob sind? Das haben dem Handelsblatt verschiedene Personalexperten verraten.

1. Digitalkenntnisse pflegen

Neue Programme und Tools prägen die Arbeitswelt. "Wer Neugier und Spaß am Neuen und Digitalen hat, stellt sich im Job besser", sagt Harald Fortmann, Gründer der Personalberatung five14. Im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion passiere gerade besonders viel, ergänzt Niels Van Quaquebeke, Führungsexperte an der Kühne Logistics University (KLU). "Spielen Sie selbst mit den Sachen", rät er. Sein Tipp: "Erkunden Sie auf dafür angelegten Portalen etwa die Welt des Programmierens." Das bringe Spaß – und Bewerber nach vorn.

2. Hybrides Arbeiten kultivieren

Der Spagat zwischen Remote Work und Präsenz wird Firmen weiter prägen. Auch beim Tabakkonzern Philip Morris arbeitet man hybrid. Dessen Personalmanagerin Vanessa Grube sagt: "Dass wir nicht komplett remote arbeiten, hat auch mit Beweglichkeit zu tun." Die Unternehmenskultur lebe von zufälligen Begegnungen und ungeplanten Gesprächen. Für Meetings werde der Standard in spätestens fünf Jahren aber virtuell sein, glaubt Ivan Cossu, CEO des Start-ups Deskird. Ausnahmen werde es trotzdem immer geben.

3. Weiterbildung – ein Leben lang

"Lernen sichert die Karriere", sagt Anna Bordzol, Weiterbildungsexpertin beim Bildungsanbieter GFN. Für immer mehr Jobs seien digitale Kompetenzen Einstellungsvoraussetzung. "Screenen Sie interessante Stellenanzeigen: Haben Sie, was da gefragt ist?" Lernen sei heute agiler als früher, meint Christophe Zwaenepoel, CEO der IT-Personalberatung SThree. Gerade für Bewerber über 50 lohne sich Offenheit. Zwaenepoel: "Sie geraten angesichts des Fachkräftemangels verstärkt ins Visier von Personalverantwortlichen."

4. Veränderungsbereit sein

Das Umfeld für Mitarbeiter wird disruptiver. Sie sollten in der Lage sein, sich neue Routinen und Sichtweisen anzueignen – ob für ortsunabhängiges Arbeiten oder bei Change-Prozessen im Unternehmen. "Die vergangenen Jahre haben die Arbeitswelt komplett verändert", sagt Philip-Morris-Personalchefin Grube. "Wir hier erleben beispielsweise parallel dazu den größten Wandel in der Firmengeschichte – weg von der Zigarette, hin zu einer rauchfreien Zukunft. Veränderung und neue Sichtweisen sind für uns also wesentlich."

5. Offene Kommunikation

Vertrauen und Teamgeist sichern Produktivität – heute mehr denn je. Auch neue Mitarbeiter sollten sich nicht scheuen zu benennen, was sie gerade motiviert oder behindert. "Viele Führungskräfte sind schon bereit, dem Team mehr über sich selbst und ihre Gefühle in Bezug auf die Arbeit und das Weltgeschehen zu erzählen", sagt Pip White, Senior Vice President des Messengerdienstes Slack. "Mitarbeiter sollten dasselbe tun." Eine offene Kultur sei für den Erfolg unerlässlich. Auch Lachen gehöre dazu.

6. Werte und Job abgleichen

"Fragen Sie sich zum Jahresstart: Was will ich noch erreichen? Zahlt mein Job darauf ein?", rät Sabine Votteler, Consultant und Gründungscoachin. "Hier geht es nicht um Verdienst oder Titel, sondern um das größere Ganze." Eine ehrliche Bestandsaufnahme helfe immer. Gute Arbeit brauche auch die passenden Rahmenbedingungen. "Was ist für Sie ein No-Go? Stimmen Strukturen, Führungskräfte, Team? Klären Sie, was für Sie nicht mehr verhandelbar ist", sagt Votteler. Müssen Sie gegen Ihre Werte handeln, sollten Sie etwas ändern.

7. Netzwerke pflegen

Jobs werden über Netzwerke vergeben. "Aktivieren Sie Ihr Netzwerk!", empfiehlt Personalberater Zwaenepoel (SThree). "Den Hinweis richte ich besonders an Frauen, die hier tendenziell immer noch zurückhaltender sind." Männer nutzten ihre Kontakte oft gekonnt für einen Jobwechsel. "Frauen fürchten den Beigeschmack von ,Bittstellertum‘", so Zwaenepoel. Wer Network-Veranstaltungen einfach einmal ausprobiere, erhalte aber meist viel mehr Unterstützung und gute Tipps als erwartet.

8. Unbequem sein

Das Mindset entscheidet. "Habt Mut, unbequem zu sein!", fordert Tijen Onaran. "Unbequem zu sein bedeutet, Veränderung zu bewirken. Es bedeutet, den Status quo zu hinterfragen und ,Das haben wir immer so gemacht‘ durch ,Das haben wir noch nie so gemacht‘ zu ersetzen." Das gilt etwa für den Einsatz für mehr Diversität oder das Hinterfragen tradierter Leadership-Muster. Im Vorstellungsgespräch ist kritisches Mitdenken ein Muss. "Wir werden als Arbeitgeber nicht selten hinterfragt", sagt etwa Philip-Morris-Personalerin Grube. "Wir suchen daher aktiv den Diskurs mit Bewerbern. Sie sollten sich nicht scheuen, uns auch unbequeme Fragen zu stellen."

9. Nachhaltig arbeiten

Ein gesunder Ausgleich zum Job ist zentral – von Anfang an. SAP-Personalchef Younosi rät Bewerbern, von Anfang an zu zeigen, dass sie sorgsam mit sich selbst umgehen. "Zeigt im Gespräch proaktiv, dass ihr im vergangenen Jahr nachhaltig gearbeitet habt – also auch nach Arbeitsspitzen kürzergetreten seid und keinen Urlaubsstau angehäuft habt." Keine Arbeit mit in die Freizeit zu nehmen sollte die Regel sein. "Wer eigenen Bedürfnissen gerecht wird, kann sich auch um die des Umfelds, etwa des Teams, besser kümmern."

10. Soft Skills verbessern

Kompetenz schlägt Persönlichkeit? Keineswegs. "Nur ein Gleichklang von Soft Skills und Hard Skills garantiert auf lange Sicht Erfolg", glaubt Ralf Ostendorf, Professor für Finance and Business Management an der Hochschule Niederrhein. "Ein substanzloser Verbalakrobat wird beim Berufseinstieg genauso scheitern wie ein Fachexperte ohne kommunikative Fähigkeiten." Fachlich seien viele Bewerber auf ähnlichem Niveau, bestätigt Personalberater Zwaenepoel. "Ausschlaggebend sind Begeisterungsfähigkeit, Neugierde und Spaß daran, sich neue Kompetenzen anzueignen."

11. Öfter Nein sagen

Viele haben das Neinsagen verlernt, glaubt Personalberater Christophe Zwaenepoel. "Bei voller Agenda noch Kollegen mit neuen Anfragen Unterstützung zuzusagen ist zwar ehrenwert und spricht für den Teamspirit", sagt er. "Man sollte aber die eigenen Grenzen kennen." Eine freundliche Absage führe in den seltensten Fällen zu Missstimmung.

12. Privatleben und Job vereinen

Arbeit und Privates lassen sich nicht strikt trennen. "Führungskräfte am Puls der Zeit wissen, dass sie viel bewirken können und produktiver sind, wenn sie Flexibilität bieten", sagt Slack-Managerin Pip White. Gerade Eltern wünschten sich Rücksicht. Auch White selbst ist Mutter. "Die zeitliche und örtliche Flexibilität, die mir insbesondere durch die digitale Firmenzentrale möglich ist, macht es mir so viel einfacher, verschiedene Prioritäten im Leben unter einen Hut zu bringen."

13. Sich zeigen

In einer digitalen Welt rückt der Einzelne stärker in den Fokus. "Habt den Mut, sichtbar zu sein!", rät Autorin und Unternehmerin Tijen Onaran. "Sichtbarkeit bedeutet Unabhängigkeit und auch, dass ich mir meine eigenen Jobs bauen kann." Dass so viele Kandidaten offen in sozialen Medien preisgeben, dass sie auf Jobsuche seien, sei ein Novum. "Heute ist die eigene Sichtbarkeit die Bewerbung für den zukünftigen Job", so Onaran. "Das zu wissen und bewusst einzusetzen gibt Bewerbern Einfluss und Gestaltungsfreiheit."

14. An Personalberatungen denken

Es sind die Talente, die Unternehmen durch die Krise bringen. Beide Seiten finden aber oft nicht zueinander – weil sie übereilt und damit unüberlegt handeln. In einer Rezession drohen laut einer aktuellen Umfrage des HR-Software-Anbieters Personio vermehrt Hauruck-Rekrutierungen. Jobsuchende sollten daher auch Personalberatungen einbeziehen. Sie bringen passende Bewerber mit den passenden Unternehmen zusammen. "Die Profile auf beiden Seiten werden gematcht", sagt Personalberater Christophe Zwaenepoel. "So müssen weder Unternehmen noch Bewerber Vorstellungsgespräche für Jobs führen, die man sich eigentlich sparen könnte."

15. Raum für Dankbarkeit

Die Dynamik am Arbeitsmarkt kann verwirren. "Wahren Sie Perspektive", rät KLU-Führungsexperte Van Quaquebeke. "Es ist viel los und es wird nicht weniger werden." Ein täglicher Blick zurück auf gute Erlebnisse im Job helfe auch Kandidaten. "Resümieren Sie jeden Tag, was Sie geschafft haben und wofür Sie dankbar waren", rät Van Quaquebeke. "Schreiben Sie es auf oder tragen Sie es in einen Kalender ein. So erinnern Sie sich im nächsten Jahr am gleichen Tag daran."

16. Eigene Erfolge im Job kennen

Personaler sehen gern praktische Erfolge. "Zeigt, welchen Beitrag ihr zu vergangenen Projekten im letzten Jahr geleistet habt", rät Cawa Younosi Bewerbern und Mitarbeitern. Außerdem hilfreich sei es, sich zu überlegen, wo man im gerade begonnenen Jahr noch mehr Verantwortung übernehmen könne – und auf welches Unternehmensziel man damit konkret einzahle.

17. Gespräche besser vorbereiten

Im Vorstellungsgespräch sollten Bewerber keine Nachlässigkeiten riskieren. "Im Kennenlernprozess ist wichtig: Wo sieht jemand eigene Berührungspunkte zu unseren Stellen?", sagt SAP-Personalchef Younosi. "Wenn möglich, erinnert euch an eine konkrete Situation im vergangenen Jahr, wo ihr einen sehr guten Vorschlag gemacht habt, der vielleicht etwas über den eigenen Bereich hinausging und den ihr erfolgreich umgesetzt habt." Es dürfen auch zwei sein.

18. Das digitale Profil aktuell halten

Es spricht vieles dafür, seinen Jobwunsch digital zu zeigen. Das setzt aktuelle Angaben zu den eigenen Kompetenzen voraus. "Profile in den sozialen Netzwerken gehören auf den neuesten Stand", sagt Personalberater Christophe Zwaenepoel. Ein Abgleich lohnt sich immer dann, wenn es etwas hinzuzufügen gibt – Weiterbildungen, Positionswechsel, Jobwechsel.

19. Expertenstatus aufbauen

Fachbeiträge und Kommentare in sozialen Netzwerken können das eigene Kompetenzprofil schärfen. Für SAP-Personalchef Cawa Younosi ist das aber nur ein Teil des Erfolgsrezepts. "Nicht lautes Schreien steht für Expertise, sondern Engagement", sagt er. "So fällt man bei Entscheidungsträgern auf und hält sich relevant." Auch Auftritte auf Veranstaltungen zahlen auf das eigene Profil ein. Wer sich digital mit Fachwissen zeigt, sollte seine Stärken kennen und wissen, wofür er brennt. Kollegen und Freunde können zusätzlich Hinweise geben.

20. Eine Wahl treffen

Vielfältige Erfahrungen schärfen das eigene Profil. Bewerber sollten bei der Jobsuche viele Optionen in Betracht ziehen. Ein Konzern muss dabei nicht für jeden die richtige Wahl sein. Das gibt Business-Professor Ralf Ostendorf zu bedenken. "Manche Bewerber können sich als wichtige Person in einem kleinen Unternehmen besser positionieren, als einer von 100 Absolventen bei einem Dax-Unternehmen zu sein."

21. Mut zur Lücke

Bewerber sollten Stellenanzeigen mit realistischem Blick prüfen. "Deckt jemand 50 Prozent der Anforderungen an eine Stelle ab, lohnt sich die Bewerbung", sagt Business-Experte Ralf Ostendorf. Eine 100-prozentige Deckung sei utopisch – und werde nicht erwartet. Personalberater Zwaenepoel sieht hier besonders bei weiblichen Fachkräften Besserungsbedarf. Sie würden sich vor allem auf Jobangebote bewerben, "die hundertprozentig auf das eigene Profil zugeschnitten sind". Männer seien meist mutiger. "Wenn der Job einen interessiert, heißt es manchmal auch: Mut zur Lücke."

22. Neue Arbeitsfelder erkennen

Wo tut sich gerade besonders viel? Wo gibt es bald Stellen, die zum eigenen Profil passen könnten? Überlegungen, die bei der Jobsuche helfen. Besonders viele Chancen bieten aktuell der Bereich Cybersecurity, das Personalwesen oder der Bereich Nachhaltigkeit. Auch im Gesundheitswesen entstehen Jobs mit Zukunft. "Wir beschäftigen uns mit den medizinischen und pharmazeutischen Möglichkeiten der Radioaktivität", sagt etwa Anita Überheim, Personalchefin beim Strahlen- und Medizintechnikunternehmen Eckert & Ziegler. "Bewerber lassen sich bei uns meist auf ein ganz neues Betätigungsfeld ein." Am Ende der Arbeitsprozesse stehen Patienten mit Krebserkrankungen, die auf eine diagnostische oder therapeutische Behandlung warten. "Wir freuen uns, wenn Talente über den eigenen Tellerrand hinausschauen und sich fachlich breit aufstellen."

23. Nicht für den Lebenslauf arbeiten

Eine Jobposition nach der anderen erreichen zu wollen kann ein Erfolgstreiber sein – oder den Blick für das Wesentliche trüben. "Arbeiten Sie nicht für den Lebenslauf – das ist überholt", rät Consultant Sabine Votteler. Ein CV lasse sich nicht im Vorhinein gestalten. "Das Leben beinhaltet Wendepunkte. Für die lässt sich im Nachhinein besser ein Narrativ finden – Learnings inklusive."

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