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"Acht Stunden Schlaf bekomme ich nur im Urlaub"

Schlaf, müde, Frau, Bett, Ruhe [Quelle: unsplash.com, Autor: Gregory Pappas]

Quelle: unsplash.com, Gregory Pappas

Schläft ein Schichtarbeiter gut? Wie findet ein Student Ruhe, wie eine Lehrerin? Fünf Menschen erzählen, wie ihre Arbeit ihren Schlaf verändert.

Womit wir ein Drittel unseres Lebens verbringen? Schlafen. Jedenfalls, wenn's gut läuft. Warum schläft der Mensch überhaupt, wie viele Stunden sind genug und was hilft, wenn wir abends nicht einschlafen können und morgens wie gerädert aufwachen? Diesen und weiteren Fragen widmet ZEIT ONLINE den Schwerpunkt "Besser schlafen".

Die Förderschullehrerin

Lara S.* unterrichtet die Fächer Deutsch, Mathe und Soziale Entwicklung. Sie muss genügend schlafen, um ihren anstrengenden Job zu schaffen.

Mein Alltag als Referendarin an einer Förderschule ist fordernd. In der Klasse herrscht oft Durcheinander. Und da meine Schüler zwischen sechs und zehn Jahre alt sind, wird es manchmal auch extrem laut. Weil ich verschiedene Fächer unterrichte, muss ich häufig umdenken und mich neu sortieren. Dazu kommt noch die Verantwortung, den Kindern etwas beizubringen. Deshalb versuche ich, immer acht Stunden zu schlafen, um ausgeschlafen zum Unterricht zu kommen.

Eine Schlafroutine ist für mich extrem hilfreich. Ich stehe meist um sechs auf, mein Arbeitstag beginnt um acht Uhr. Wenn die Schüler nach Hause gehen, folgt für mich die Unterrichtsvorbereitung für den nächsten Tag oder eine Lehrerkonferenz. Sobald ich nach Hause komme, versuche ich den Tag durch kleine Unternehmungen mit meinem Mann oder Freunden ausklingen zu lassen – wenn ich nicht zu kaputt bin. Bevor ich ins Bett gehe, schaue ich meistens noch ein wenig fern oder lese. Gegen zehn mache ich das Licht aus.

Zum Wochenende gehe ich häufiger etwas später ins Bett und schlafe ein wenig mehr. Das ändert sich zum Sonntag allerdings wieder. Mein Schlaf ist so durchritualisiert, dass ich eigentlich keine Probleme habe, montags wieder früh aufzustehen. Egal, ob ich am Samstag feiern war oder nicht. Im Urlaub brauche ich weniger Schlaf. Das liegt vielleicht daran, dass ich dann keine Verantwortung mehr tragen muss.

Die Altenpflegerin

Vera Gehrke arbeitet seit 25 Jahren als Altenpflegerin im Bochumer St. Johannes-Stift. Acht Stunden oder länger schläft sie fast nie – das liegt vor allem am Schichtbetrieb.

Bei uns gibt es drei verschiedene Schichten: Spät-, Früh und Nachtdienst. Insgesamt arbeite ich elf Tage und habe dann drei Tage frei. Die Spätschicht beginnt um 13.15 Uhr. Mit der starte ich normalerweise. Nach etwa einer Woche wechsle ich dann direkt in den Frühdienst, der um 06.15 Uhr beginnt.

Weil der Übergang so nahtlos verläuft, ist es schwer, eine feste Schlafroutine zu entwickeln. Der Wechsel von Spät- auf Frühschicht ist schwierig. Weil ich nach der letzten Spätschicht noch etwas Freizeit haben möchte, gehe ich zur selben Zeit ins Bett wie an den Tagen davor. Am nächsten Tag muss ich dann aber schon um kurz nach vier Uhr morgens aufstehen, statt um kurz nach neun. Acht Stunden Schlaf bekomme ich dementsprechend nur im Urlaub oder am Wochenende – normalerweise schlafe ich fünf bis sechs.

Mit dem Schichtwechsel ändert sich auch meine Tagesroutine. Nach einer Spätschicht gehe ich mit meinen Hunden eine kleine Runde spazieren. Vorm Schlafengehen lese ich ein wenig oder schaue mir einen Film an. Nach meinem Frühdienst ruhe ich mich oft ein wenig aus. Danach habe ich etwas mehr Zeit, um mich um andere Dinge wie meinen Garten zu kümmern.

In der Nachtwache arbeite ich von abends halb neun bis morgens halb sieben. Das habe ich früher noch gerne gemacht, aber ungefähr seitdem ich 50 bin, finde ich es zermürbend. Nach der Hälfte der Schicht erreiche ich einen toten Punkt. Dann werden selbst Routinearbeiten am Computer anstrengend. Weil wir mittlerweile zwei Festangestellte für Nachtdienste haben und Mitarbeiter über 50 nicht mehr verpflichtet sind, Nachtwachen zu machen, arbeite ich diese Schicht zum Glück immer seltener.

Am Wochenende hole ich mir den verpassten Schlaf häufig zurück. Da schlafe ich gut und gerne zehn Stunden – im Urlaub genauso. Gerade wenn ich länger frei hatte, ist es schwer, wieder in den Arbeitsalltag hineinzukommen.

Die Volontärin

Johanna Böhnke hatte im Studium keinen geregelten Schlaf. Das hat sich in einem Praktikum schlagartig geändert.

Während meines Studiums hatte ich überhaupt keinen strukturierten Schlaf. Mal ging ich spät ins Bett, mal früh und je nachdem, was anstand, bin ich nach sechs bis neun Stunden aufgestanden. Diese lockere Schlafroutine habe ich zwangsläufig wegen eines Praktikums bei einem Seriendreh kurz vor meinem Abschluss abgelegt. Dabei war ich Setrunner und musste die meiste Zeit Dinge wie Filmrequisiten herumtragen und darauf achten, dass die Crew versorgt wird. Mein Tag bestand aus herumlaufen und schleppen – mindestens zehn Stunden pro Tag. Das bedeutete: Arbeit, Schlafen, Arbeit.

Mittlerweile schlafe ich immer acht Stunden. Ich mache ein Volontariat in einer Contentmarketingagentur. Mein Arbeitstag startet um kurz vor zehn und endet in der Regel um 18 Uhr. Nach der Arbeit gehe ich meistens ins Fitnessstudio oder erledige ein paar Einkäufe.

Sobald ich alle Freizeitverpflichtungen hinter mir habe, schaue ich mir im Bett noch eine Serie an oder lese ein Buch. Meist schlafe ich um 23 Uhr ein – unabhängig davon, ob auf meinem Laptop eine Serie läuft oder ich mitten im Satz bin. Mir fallen einfach meine Augen zu.

Am Wochenende ändert sich das nicht allzu stark. Klar, nach einer Party schlafe ich schon mal länger. Aber am Sonntag geht alles wieder den gewohnten Gang, wodurch ich montags wieder fit bin. Witzigerweise ändert sich mein Schlafbedarf zum Sommer. Wenn es draußen länger hell ist, komme ich oft schon nach sechs Stunden gut aus dem Bett. Komme ich allerdings aus dem Urlaub zurück und muss direkt am nächsten Tag wieder arbeiten, fühle ich mich wie gejetlagt. Dann mache ich häufiger Tippfehler und bin unkonzentriert.

Direkt schlafen? "Ich will noch was vom Tag haben"

Der Informatikstudent

Patrick F.* hat nach seiner Ausbildung zum Werkstoffprüfer ein Informatikstudium angefangen. Das hat seinen Schlaf verändert.

Einen richtigen Schlafrhythmus habe ich nicht. In der Regel gehe ich gegen drei oder fünf ins Bett und versuche zwischen elf und 13 Uhr aufzustehen. Die Zeit, zu der ich ins Bett gehe, verschiebt sich meist langsam nach hinten, sodass ich mich irgendwann zwingen muss, wieder früher schlafen zu gehen. Sonst ist der nächste Tag hinüber. Normalerweise brauche ich mindestens sechs Stunden Schlaf, um halbwegs fit zu sein. Ich könnte auch fünf verkraften, aber das ist dann wirklich die Schmerzgrenze. In meiner Ausbildung zum Werkstoffprüfer habe ich ein paar Mal meine Grenzen ausgetestet. Einmal war ich feiern und bin nach nur einer Stunde Schlaf bei der Arbeit erschienen. Ich war so müde, dass sich acht Stunden Arbeit wie zwanzig angefühlt haben.

Meist haben mir meine Arbeitszeiten aber eine gewisse Routine gegeben. Gegen null Uhr ins Bett und gegen sieben Uhr aufstehen. Seitdem ich studiere, hat sich das verändert. Das hängt damit zusammen, dass ich momentan wenig Verpflichtungen habe. Meinen Nebenjob als Webdesigner kann ich im Homeoffice erledigen und zur Uni gehe ich relativ selten, weil ich den Stoff normalerweise zu Hause nacharbeite. Wenn ich einen Auftrag bekomme, tue ich meist erst einmal wenig. Sobald der Abgabetermin allerdings näher rückt, komme ich unter Druck. Dann wird die Arbeit in Windeseile erledigt und pünktlich eingereicht. Dafür arbeite ich bis spät in die Nacht und stehe möglichst zeitig auf.

Der Industrielackierer

Patrick K.* arbeitet seit vier Jahren als Industrielackierer in einem Schichtbetrieb. Ihm setzen die ständig wechselnden Arbeitszeiten zu.

In meinem Betrieb lackiere ich Kupplungen im Schichtdienst. Meine Schichten wechseln dabei wöchentlich zwischen einer frühen, die um 06.30 beginnt, und einer späten, die um 14.30 Uhr anfängt. Als ich in der Firma angefangen hatte, war das echt unangenehm. Kaum hatte ich mich an die eine Schicht gewöhnt, kam auch schon wieder die andere.  Mittlerweile komme ich mit dem Schichtwechsel besser klar. Da meine Arbeit je nach Auftraggeber variiert, kann es schon mal vorkommen, dass ich an einem Tag unzählige Kupplungen wie am Fließband lackieren muss. Die monotone Arbeit ist bei Schlafmangel zusätzlich belastend.

Wenn die Frühschicht beginnt, verschiebt sich mein Schlafrhythmus. Anfangs gehe ich noch um null Uhr ins Bett und stehe nach fünf Stunden wieder auf. Ab Mittwoch kann ich mich dann häufig nicht mehr richtig konzentrieren und bin schlecht gelaunt. Dann gehe ich früher ins Bett – Donnerstagabend wird es dann schon mal neun Uhr. Und selbst dann fühle ich mich nach Feierabend etwas ausgelaugt. Leider hört die Arbeit nach Feierabend nicht auf. Oft helfe ich noch meinen Freunden oder Familie bei Streicharbeiten. Wenn ich abends endlich nach Hause komme, haue ich mich auf die Couch und spiele etwas Playstation, um zu entspannen. Richtige Einschlafrituale habe ich eher nicht.

Zur späten Schicht penne ich auch mal mehr als acht Stunden, gehe dafür aber wesentlich später schlafen – häufig sogar nach drei Uhr morgens. Das liegt einfach daran, dass ich in der Regel erst um zehn Uhr zu Hause bin und keine Lust habe, mich direkt schlafen zu legen. Ich will noch etwas vom Tag haben.

Am Wochenende versuche ich, mich ausgiebig auszuruhen. Dann schlafe ich bis zu zehn Stunden und kann am Montag wieder voll durchstarten. Im Urlaub bleibe ich lange wach und stehe spät wieder auf, vor allem, wenn ich verreise. Wenn ich dann wieder anfangen muss zu arbeiten, fühle ich mich extrem gerädert.

*Manche der Protagonistinnen und Protagonisten wollen aus privaten Gründen nicht mit vollem Namen und Foto erscheinen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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