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"Ich esse Müll"

"Ich esse Müll"

Mein Fahrrad hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Es ist so voll beladen, dass ich es schieben muss. Melonen, Kartoffeln und Zitronen stapeln sich in einer Kiste auf dem Gepäckträger. Der Lenker zittert unter dem Gewicht zweier Ikea-Tüten voller Backwaren. In meinem Rucksack eine Tupperbox Tomaten, zwei Basilikumtöpfe und eine Tüte Postelein-Salat. Vorsichtig, mit angezogener Handbremse, überwinde ich die Bordsteinkante. Mein Gewissen treibt mich an. Und der frische Smoothie, den ich mir gleich aus dem geretteten Obst und Gemüse mache. Ich esse Müll. Lebensmittel, die aussortiert wurden, weil sie sich nicht mehr verkaufen lassen. Ihre Masse überfordert mich jedes Mal aufs Neue. Einzelne Tomaten haben schimmlige Stellen, die Brötchen sind morgen hart. Aber der größte Teil ist noch gut. Zu schade, um weggeschmissen zu werden! Zu Hause angekommen muss ich die Ladung also sortieren, waschen, einkochen, einfrieren, weiterverschenken. Das ist richtig viel Arbeit. Etwa 50.000 Foodsaverinnen und Foodsaver leisten in Deutschland diesen ehrenamtlichen Dienst und verringern damit unser aller Fußabdruck. Seit ich 40 Stunden die Woche in der Redaktion sitze, habe ich keine Zeit mehr Essen abzuholen. Das nagt an meinem Gewissen.

Leonie Sontheimer, Hospitantin im Ressort Wissen/Digital bei ZEIT ONLINE

"Das letzte Produkt in einer Plastikverpackung"

Als Erstes flog das Duschgel raus. Während meines Erasmusstudiums in Frankreich entdeckte ich die vielen bunten Seifen auf den Marseiller Märkten und war begeistert: Sie rochen total gut und wurden ohne Verpackung verkauft. Duschgel in Plastikflaschen habe ich seitdem nie wieder gekauft. Denn auch in Deutschland gibt es Stückseife in den unterschiedlichsten Sorten – Omageruch? Fehlanzeige! Die nächste Plastikflasche, die ich aus meinem Bad verbannte, war mein Peeling. Als ich las, dass die meisten Mikroplastik enthalten, beschloss ich, einen anderen Weg zu finden. Naheliegend wäre gewesen auf ein Salzpeeling umzusteigen. Doch mein Ehrgeiz war geweckt: Ich wollte auf so viel Plastik wie möglich verzichten und dazu gehört eben auch die Verpackung. Mein Gesicht reinige ich bei laufendem Wasser mit einer weichen Bürste. Seit einem Jahr ist eine weitere Flasche aus meinem Bad verschwunden: mein Shampoo. Die Alternative ist ein festes Shampoo aus einem Unverpackt-Laden. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch gut für meine Kopfhaut. Meine Haare fühlen sich viel leichter an und fetten nicht so schnell nach. Auf ein Produkt kann ich allerdings nicht verzichten. Einmal in der Woche muss ich ein medizinisches Shampoo benutzen, das es nur in einer Plastikflasche gibt. Auf meinem Wannenrand ist es mittlerweile das letzte Produkt in einer Plastikverpackung.

Stella Männer, Hospitantin im Ressort Arbeit bei ZEIT ONLINE

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