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Quelle: unsplash.com, Freestocks

Das Weihnachtsgeld ist für viele Beschäftigte ein wichtiger Bonus. Aber nicht jeder bekommt ihn vom Chef. Was Verbraucher wissen sollten.

Der Gabentisch zu Weihnachten wird dieses Jahr wohl besonders üppig gedeckt sein. 472 Euro wollen die Verbraucher im Schnitt für Geschenke ausgeben, hat das Ifes-Institut ermittelt. Deutschlands Einzelhändler peilen im Weihnachtsgeschäft erstmals eine Umsatzmarke von mehr als 100 Milliarden Euro an. Dass das Geld bei den Verbrauchern im November und Dezember lockerer sitzt, hat auch mit dem Weihnachtsgeld zu tun, das viele Unternehmen zahlen. Doch nicht alle Beschäftigten profitieren davon. Im Gebäudereiniger-Handwerk zum Beispiel weigert sich der Bundesinnungsverband, über eine solche tarifliche Zusatzleistung zu verhandeln. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat deshalb mit Streiks noch vor dem Fest gedroht.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Nach den am Dienstag veröffentlichten Daten aus dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung profitiert gut jeder zweite Beschäftigte (55 Prozent) von der Jahressonderzahlung. Die Quote ist seit Jahren weitgehend konstant. Die Forscher berufen sich dabei auf eine Onlinebefragung des Internetportals www.lohnspiegel.de, an der zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 mehr als 90.000 Beschäftigte teilgenommen haben.

In tarifgebundenen Unternehmen hätten die Beschäftigten in der Regel durch den Tarifvertrag einen Rechtsanspruch auf das Weihnachtsgeld, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. "In nicht tarifgebundenen Betrieben wird das Weihnachtsgeld hingegen oft nur als freiwillige Zahlung geleistet, die vom Unternehmen unter bestimmten Bedingungen wieder eingestellt werden kann." Nach der WSI-Befragung bekommen in Betrieben mit Tarifvertrag 77 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld. In den nicht tarifgebundenen Unternehmen sind es hingegen nur 42 Prozent. Das Statistische Bundesamt kommt in seiner Auswertung von Entgelttarifverträgen sogar zu dem Ergebnis, dass 87 Prozent der Tarifbeschäftigten dieses Jahr Weihnachtsgeld beziehen.

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Profitieren auch Teilzeitkräfte?

Nicht nur die Tarifbindung entscheidet mit darüber, ob die Zusatzleistung fließt. Laut WSI profitieren Männer deutlich häufiger als Frauen und Arbeitnehmer in Westdeutschland stärker als die Kollegen im Osten (siehe Grafik). Auch das Arbeitsvolumen macht einen Unterschied: Von den Vollzeitbeschäftigten bekommen 56 Prozent Weihnachtsgeld, von den Teilzeitkräften nur 45 Prozent. Und schließlich kommt es auf die Branche an: Am knausrigsten zeigen sich laut den Bundesstatistikern die Informations- und Kommunikationsbranche, wo nur sechs von zehn Tarifbeschäftigten Weihnachtsgeld bekommen. Im Bergbau, in der Energieversorgung, der Finanz- und Versicherungsbranche oder dem Handel profitieren dagegen fast alle.

Wie viel Weihnachtsgeld gibt es?

In der Regel wird das Weihnachtsgeld als fester Prozentsatz des Monatseinkommens berechnet, die Sonderzahlung wächst also mit jeder Tarifsteigerung. In einzelnen Branchen und Regionen, etwa in der Landwirtschaft oder im Großhandel, sind dagegen feste Euro-Beträge vereinbart. Durchschnittlich erhalten die Tarifbeschäftigten in diesem Jahr laut Statistischem Bundesamt 2.583 Euro brutto – 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. In Westdeutschland werden im Schnitt 2.595 Euro gezahlt, 3,8 Prozent mehr als im Osten. Spitzenreiter sind Beschäftigte in der Gewinnung von Erdöl und Erdgas, deren Weihnachtsgeld mit 5.679 Euro sogar ihr tarifliches Monatsentgelt übersteigt. Am unteren Ende der Skala rangieren das Wach- und Sicherheitsgewerbe (501 Euro), die Landwirtschaft (488 Euro) und die Zeitarbeit (316 Euro).

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Kassiert der Fiskus mit?

"Das Weihnachtsgeld ist steuerlich als sonstiger Bezug und sozialversicherungsrechtlich als einmalige Zuwendung zu behandeln. Es ist also steuer- und beitragspflichtig", erläutert Andreas Richter von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg. Aber: Es wird nicht wie der monatliche Arbeitslohn nach der Monats-, sondern nach der Jahreslohnsteuertabelle versteuert, so dass beim Normalverdiener mehr Netto vom Brutto bleibt als beim normalen Arbeitsentgelt. Bei 4.300 Euro Monatslohn und einem Weihnachtsgeld in gleicher Höhe fielen auf die Sonderzahlung so rund 300 bis 350 Euro weniger Steuern an als auf das normale Arbeitsentgelt, rechnet Richter vor.

Gibt es einen Anspruch auf Zahlung?

"Das Weihnachtsgeld ist nicht gesetzlich geregelt", sagt Thomas Lambrich, Partner bei der Kanzlei Beiten Burkhardt. "Es besteht aber ein Anspruch, wenn es eine entsprechende Vereinbarung gibt." Das kann ein Tarif- oder Arbeitsvertrag sein oder eine Betriebsvereinbarung. Zudem greift die sogenannte "betriebliche Übung": "Wurde das Weihnachtsgeld ohne Vorbehalt über mindestens drei Jahre in gleicher Höhe ausgezahlt, besteht ein Anspruch darauf", heißt es in einer Broschüre des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Auch gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz: Die Voraussetzungen für die Sonderzahlung müssen so gestaltet sein, dass einzelne Arbeitnehmer nicht willkürlich ausgeschlossen werden. Teilzeitbeschäftigte haben ebenfalls Anspruch auf Weihnachtsgeld, das dann zeitanteilig berechnet wird.

Kündigen Beschäftigte im Folgejahr, müssen sie Weihnachtsgeld in der Regel nicht zurückzahlen, wenn es als Vergütungsbestandteil für geleistete Arbeit gewertet wird und nicht nur die Betriebstreue belohnen soll. Auf den gesetzlichen Mindestlohn darf das Weihnachtsgeld nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts nur angerechnet werden, wenn es in jedem Monat zu einem Zwölftel als Entgelt für tatsächliche Arbeitsleistung vorbehaltlos und unwiderruflich gezahlt wird.

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