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Der eigentliche Chef

Boss, Chef, Topmanager, Uhr [Quelle: unsplash.com, Autor: Alvin Mahmudov]

Quelle: unsplash.com, Alvin Mahmudov

Das beste Sprungbrett für den Vorstandsvorsitz ist künftig der Chief Technology Officer. Er löst die Finanzexperten ab, glaubt Nicole Mai.

Die einst ominöse Digitalisierung ist im Mainstream angekommen. Die interessante Frage ist, was das für die nächste Generation der CEOs bedeutet. Zuletzt galt die Position des Finanzvorstands (CFO) als gutes Sprungbrett zum obersten Unternehmenslenker. Prominentes Beispiel ist Joe Kaeser bei Siemens, aber auch Bayer, Lanxess oder Hugo Boss entschieden sich für Finanzexperten an der Spitze. Davor war es der Chef für das operative Geschäft (COO), dem viel zugetraut wurde. Das bekannteste Beispiel ist hier Tim Cook von Apple.

Was zeichnet den CEO der Zukunft aus? Finanzexpertise? Prozess-Know-how? Auch, aber nicht im Kern. Entscheidend ist vielmehr ein visionäres Kunden- und Technologieverständnis, denn marktführend sind Unternehmen, die schon vor dem Kunden wissen, was er künftig braucht. Tagtäglich entstehen genau dazu neue Daten und produktrelevante Technologien.

Gefragt ist daher vor allem ein umfassendes Technologieverständnis, gepaart mit einem außergewöhnlichen Gespür für die Bedürfnisse der Kunden. Wie passt das zusammen? Die Verarbeitung und Interpretation von Daten lässt in Verbindung mit ganz neuen Technologien Innovation entstehen. Die Verantwortung dafür muss im Management verankert sein. Diese Rolle erfüllt der CTO, der Chief Technology Officer. Er ist ein kunden- und businessorientierter IT-Experte, der auf strategischer Ebene sicherstellt, dass die Organisation die richtigen Technologien einsetzt, um das beste Produkt oder den besten Service zu kreieren. Der CTO muss bewerten, aufklären und mit Empathie überzeugen – etwa, wenn es um die Frage geht, was künstliche Intelligenz leisten kann, ob Blockchain neue Potenziale für das eigene Geschäft erschließt und an welcher Stelle der Mensch dem Roboter überlegen ist.

Diese Entscheidungen wirken auf die gesamte Organisation. Damit haben sie eine Tragweite, die sonst dem CEO vorbehalten ist. CTOs oder CEOs müssen also eine klare Vorstellung davon haben, wie sie die Architektur der gesamten Organisation gestalten – nicht nur die IT-Architektur, denn für die zeichnet der Chief Information Officer (CIO) verantwortlich.

Klar ist: Die Kräfteverhältnisse verändern sich gerade. In einigen Unternehmen stehen CTOs bereits als Stellvertreter der CEOs in Position wie bei BASF oder Schaeffler, erfolgreiche Digitalunternehmen wie Airbnb haben ohnehin einen CTO im Gründungsteam. Wenn Programmieren bald Schulfach werden sollte, dann haben wir in 30 Jahren ein breites IT-Verständnis. Dann wird vielleicht wieder der CFO oder eine ganz neue Rolle das Sprungbrett für künftige CEOs sein. Bis dahin sollten wir starke CTOs im Auge behalten.

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