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Ich sehe was, was du nicht siehst

Digitalisierung, Jobs [© Fotolia.com]

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Künstliche Intelligenz findet verborgene Talente von Mitarbeitern. Dafür müssen Datenbanken voll mit Informationen über jeden Einzelnen sein. Mancher fürchtet sich aber genau davor.

Wer kann was im Unternehmen, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung? Der Technologiekonzern Continental wollte das genau wissen und hat dafür im vergangenen Jahr eine Datenanalyse zu den Fähigkeiten von rund 10.000 technischen Mitarbeitern an acht Standorten auf der ganzen Welt gestartet. Ins Radar des digitalen Abgleichs sind die hochspezialisierten Fachkräfte gerückt: Nicht nur, weil ihre Fähigkeiten strategisch wichtig sind, etwa für die Software-Produkte von morgen, sondern auch, weil sie auf dem Markt schwer zu finden sind.

Zudem verfügen viele über verborgene Fähigkeiten, wie die Analyse zeigt. "Einige haben sich an der Uni oder auf einer vorigen Stelle auch mit anderen Inhalten beschäftigt als den auf ihrer Stelle geforderten", berichtet Anne Baarup, Leiterin Personalstrategie bei Continental in Hannover. "Ihr Wissen kommt bei uns teils noch nicht voll zum Tragen."

Damit alle fachlichen Fähigkeiten erfasst und in einer Datenbank hinterlegt werden, liest ein dafür entwickelter Algorithmus des Start-up-Unternehmens HR Forecast verschiedene Quellen aus, auch unstrukturierte Datensätze wie die Lebensläufe der Mitarbeiter oder deren Profile im Talent-Management-System. Oft mit Angaben in unterschiedlichen Schreibweisen und Begriffen: Der Algorithmus erfasst sie dennoch, weil er natürliche Sprache verarbeiten kann – und stetig hinzulernt. Die Datenanalyse bewertet aber nicht. "Diese Aufgabe liegt bei der Führungskraft", sagt Personalstrategin Baarup.

"Kompetenzen bauen wir gerade auf"

Freilich interessiert im Unternehmen, wie gut jemand sein Können einschätzt, etwa wie gut er eine bestimmte Programmiersprache kann. Nach der Analyse wurden daher einige Mitarbeiter angeschrieben und gefragt: "Auf welchem Niveau beherrschen Sie die Sprache?" Insgesamt habe der Testlauf die vorhandenen Fähigkeiten so sichtbarer gemacht und mancherorts eine bessere Personalplanung angestoßen, wie Baarup sagt.

Einige Fachkräfte seien nun in Projekte über ihren eigentlichen Bereich hinaus eingebunden. Überdies ziehen die Planer im Unternehmen die Datenbank heran, wenn sie die Ansiedelung von Projekten an verschiedenen Standorten beraten. Mit dem Wissen, wo die meisten Fähigkeiten dafür vorhanden seien, gelinge die Zuordnung passgenauer, sagt die Personalstrategin.

Die erste Analyse habe vielen im Unternehmen die Augen geöffnet, welchen Wert das Wissen um den Ist-Zustand an Fähigkeiten bei Continental habe. Um die Pflege der Datenbank und ihren Nutzen kümmert sich nun der Personalbereich am jeweiligen Standort. "Deshalb brauchen wir im Personalbereich mehr Mitarbeiter mit Fähigkeiten für solche Datenanalysen", sagt Anne Baarup. "Die Kompetenzen dafür bauen wir gerade auf."

Der Vorgesetzte kann Karrierehungrige nicht mehr leicht ausbremsen

Auch der Management-Dienstleister Accenture nutzt digitales Werkzeug: Seit einem Vierteljahr ordnet dessen Tool zu, welche Berater nach ihren Fähigkeiten und Erfahrungen den Anforderungen in neuen Projekten beim Kunden entsprechen. Das Tool soll so die langwierige Suche nach den passenden Berater-Profilen verkürzen und eine breite Vorauswahl treffen. "Bisher mussten unsere Kollegen in der Abteilung Personal die Qualifikationen der Mitarbeiter im Kopf haben, um eine richtige Zusammenführung mit der jeweiligen Projektrolle zu erzielen", sagt Dagmar Zippel, Leiterin des Rekrutierungsbereichs. "Nun haben es die Kollegen leichter."

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