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Umgang mit Fehlern am Arbeitsplatz

Torwart Quelle: pixabay.com

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Der Torhüter Loris Karius hat einen Riesenfehler gemacht. So etwas kann jedem passieren, auch in anderen Berufen. Wie aber geht man damit um und wer haftet für entstandene Schäden?

Ausgerechnet im wichtigsten Spiel seiner Karriere sind Loris Karius zwei krasse Fehler unterlaufen. Bis dahin hatte der Torwart von Liverpool eine brauchbare Saison gespielt und war im Januar sogar zur Nummer eins zwischen den Pfosten des englischen Fußballklubs aufgerückt.

Doch dann lieferte der 24-jährige Deutsche im Champions-League-Finale zwei Szenen ab, die der frühere Nationalmannschaftskapitän Lothar Matthäus nachher als "die schlechteste Torhüter-Leistung in den letzten 20, 30 Jahren" brandmarkte.

Zehn Millionen schauen zu

In der ersten Szene wirft Karius den Ball ab, obwohl ein gegnerischer Spieler direkt vor ihm steht, der nur das Bein auszustrecken braucht, um das Spielgerät im Kasten zu versenken. Die zweite Szene: Anstatt auf Nummer Sicher zu gehen und einen stramm geschossenen Ball wegzufausten, will er ihn festhalten – und der Ball landet abermals im Tor.

Zwei Notausgänge, durch die sich andere Erwerbstätige nach vergleichbaren Patzern gerne zu retten versuchen, sind Karius nun versperrt. Zum einen war von vorneherein ausgeschlossen, dass er sich unbemerkt davonschleichen können würde – allein in Deutschland verfolgten knapp zehn Millionen Fernsehzuschauer die Übertragung des Endspiels. Ebenso wenig kann Karius die Schuld auf jemand anderen schieben. Seine Fehler hätten individueller nicht sein können.

Vogel-Strauß-Taktik: Kopf in den Sand

So bitter die Situation für den Torwart ist, der Rest der Menschheit kann aus ihr etwas lernen. Aus Fehlern wird man bekanntermaßen klug. Auch aus Fehlern, die andere machen. Frei nach dem britischen Premierminister Winston Churchill: "Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance."

Dabei hilft es, sich anzuschauen, wie Loris Karius mit seinem schwarzen Tag umgegangen ist. Zunächst versuchte er es mit der Vogel-Strauß-Taktik: Nach dem Abpfiff legte er sich auf den Boden und zog sich das Trikot über den Kopf. Als er später vom Feld ging, flossen Tränen. Vor den Mikrofonen aber stellte er sich seiner Verantwortung und entschuldigte sich. "Mir tut es so leid für das Team. Ich weiß, ich habe meine Mitspieler heute enttäuscht, diese Tore haben uns den Titel gekostet", sagte er. Und mit Blick auf seine Zukunft: "Es ist das Leben eines Torhüters. Man muss wieder aufstehen."

Nicht in Selbstmitleid verfallen

Aus psychologischer Sicht hat Karius damit schon einmal viel richtig gemacht. "In so einer Lage geht es darum, die Verantwortung zu übernehmen und sich auch den Konsequenzen zu stellen", sagt der Psychologe Christian Mühldorfer, der seit Jahrzehnten Seminare und Einzelcoachings für Führungskräfte aller Hierarchiestufen gibt. Zwar gebe es für solche Situationen kein Patentrezept, weil viel von der jeweiligen Art des Fehlers und dem beruflichen Umfeld abhänge. Schuldgefühle aber sollte man auf jeden Fall überwinden, rät Mühldorfer. Und auf keinen Fall sollte man in öffentliches Selbstmitleid verfallen.

Doch auch für die Aufrichtigsten können die Konsequenzen bitter sein. "So ein Abend kann eine Karriere ruinieren", konstatiert der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn im Fernsehen. Schon werden in der Presse die Namen anderer Torhüter genannt, die Karius nach der Sommerpause ersetzen könnten. Dem Deutschen droht die Ersatzbank.

Bundesarbeitsgericht: Jeder so gut er kann

Wird es tatsächlich so kommen? "Die entscheidende Frage ist, welche Fehlerkultur in meiner Firma herrscht", kommentiert Thomas Fiebig, der das Institut für Personalmanagement und Mitbestimmung in Hamburg leitet. In einem Unternehmen im Aufbau dürften mehr Fehler passieren als in einem etablierten und anspruchsvollen Unternehmen, in dem es um Perfektion geht. Das gelte in der Wirtschaft wie im Sport. So gesehen, hat Karius Pech: In Liverpool sind Weltklasse-Leistungen gefragt.

Nach haarsträubenden Fehlern droht allerdings auch Arbeitnehmern in gewöhnlichen Betrieben der Rauswurf oder eine Degradierung. Einen rein objektiven Maßstab, ab wann eine Kündigung wegen schlechter Leistungen rechtens ist, gibt es in Deutschland nicht. Vielmehr hat das Bundesarbeitsgericht 2003 geurteilt: "Der Arbeitnehmer hat das zu tun, was er soll, und zwar so gut er kann." Das lässt jede Menge Spielraum für den Richter übrig.

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