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Horizont-Erweiterung in Helsinki oder Hongkong

Straße in Hongkong

Quelle: freeimages.com, ringoc2

Für die Ausbildung der Heimat vorübergehend den Rücken zu kehren, liegt im Trend. An einigen Hochschulen ist das Studium im Ausland bereits Pflicht, aber auch Praktika in der Ferne sind beliebter denn je. Darüber hinaus kann internationale Erfahrung in einer globalisierten Welt ja eigentlich nur von Vorteil sein. Aber ist ein Auslandssemester wirklich das sichere Ticket für den Job?

Wie einst Goethe zur "Horizonterweiterung" für einige Monate ins Ausland zu gehen, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht selbstverständlich. Heute dagegen sammelt der Großteil der Studierenden durch Sprachkurs, Studium oder Praktikum Erfahrungen in der Fremde. Gut gebildet und hoch motiviert steht ihnen die ganze Welt offen - eine Generation auf Bildungsreise. e-fellow Katharina kann das gut nachvollziehen: "Ich sammle gern Erfahrung auf dem Weg und nehme mit, was ich bekommen kann." Ein alter Hase, was längere Auslandsaufenthalte betrifft, ist auch e-fellow Milan. "Mir geht es darum, über den Tellerrand zu blicken – indem ich das jeweilige Land durch Rundreisen kennenlerne und die Kultur in mich aufsauge."

Möglichkeiten ohne Grenzen

Was lockt Studierende wie Katharina und Milan ins Ausland? Zum einen sind mit dem Wegfall der innereuropäischen Grenzen die Mobilitätsschranken stark gesunken. Heute gibt es Billigflieger und Bahncards, das Internet und zahllose Möglichkeiten, Fremdsprachen zu lernen - da fällt der Schritt ins Ausland einfach leichter. Zum anderen scheint das Auslandssemester in Zeiten der Globalisierung die Chancen auf einen guten Arbeitsplatz zu erhöhen. "Dass Auslandserfahrung für den Beruf relevant werden könnte, ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden", gibt Katharina zu. "Im Vordergrund stand für mich zunächst, Neues zu erleben und andere Länder und Menschen kennen zu lernen. Ich denke aber, dass interkulturelle Erfahrung immer wichtiger wird für den Job."

Das Ausland als Persönlichkeitsschmiede

Neben den Studien- oder beruflichen Schwerpunkten sind es gerade die Soft Skills, die man im Ausland trainiert. Das ist spätestens bei Bewerbungen wichtig: Auslandserfahrung zeigt, dass der Bewerber sich getraut hat, die heimische Komfortzone zu verlassen. Das Leben in einer anderen Kultur ist ein Härtetest für Anpassungsbereitschaft, Flexibilität, Kompromissfähigkeit und die Fremdsprachkenntnisse – eine Persönlichkeitsschulung durch und durch. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich im Ausland etwas speziell Jobrelevantes gelernt oder erfahren habe", sagt Katharina, "aber ich bin überzeugt, dass jeder längere Auslandsaufenthalt - sofern man wirklich in Kontakt mit der anderen Kultur kommt – zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt."

Die erste Zeit ist ein Abenteuer

Der Umgang mit neuen Situationen, die Probleme des Alltags an einem fremden Ort – besonders die ersten Tage und Wochen im Ausland sind ein Abenteuer. Doch auch solche Erfahrungen kann man später sehr gut ins Berufsleben einbringen. Offenheit für Neues und Ungewöhnliches, Respekt vor der Eigenartigkeit anderer Kulturen und Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen – das alles sind Charaktereigenschaften, die im Berufsalltag eine große Rolle spielen. Milan hat darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass gerade die Arbeitsmentalität im Ausland oft eine gänzlich andere ist: "In den USA geht man locker mit der eigenen Herkunft um. Nur im Arbeitsalltag, wo strenge Quoten die Teamzusammensetzung regeln, kommt es mitunter nicht gut an, wenn man jemanden direkt nach seiner Herkunft fragt."

Auslandserfahrung zur Lebenslauf-Politur versus Kulturerfahrung

Dass internationale Erfahrungen in einer globalisierten Wirtschaft von Vorteil sind, hat sich herumgesprochen. Doch je mehr Studenten mobil werden, desto mehr Unternehmen erwarten das auch. Katharina findet es ein wenig traurig, "dass so viele meiner Kommilitonen lediglich für den Lebenslauf ins Ausland gehen. Die meisten machen das nur für ein Erasmus-Semester, um Zeit und Geld zu sparen." Ginge es bloß um die Lebenslauf-Politur ohne wirkliche Kenntnis der fremden Kultur, könne man auch zu Hause bleiben und da an tollen Projekten arbeiten. Doch gerade internationale Unternehmen suchen verstärkt Bewerber, die sich wirklich in andere Kulturen hineindenken können.

Partysemester oder Doppeldiplom?

Wenn Auslandserfahrung beinahe schon vorausgesetzt wird, ist sie dann also bei der Bewerbung kein Alleinstellungsmerkmal mehr? "Generell verbessert man mit der Auslandserfahrung schon seinen Marktwert", glaubt Daniela Favoccia, Partnerin in der internationalen Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller (siehe Interview auf Seite 3). Allerdings kommt es darauf an, was man wo und wie lange gemacht hat. Dabei spielt der Ort weniger als die Qualität und Dauer des Aufenthalts eine Rolle. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man ein Partysemester in Spanien oder das Doppeldiplom in Strasbourg absolviert hat. Sprachkenntnisse festigen, soziale Kontakte knüpfen und sich wirklich in die fremde Kultur einfühlen – das geht eigentlich nur mit einem ganzjährigen Aufenthalt.

Am Anfang stand eine Schnapsidee...

Auch wenn es für Katharina und Milan am Anfang nur eine spontane Schnapsidee war, längere Zeit im Ausland zu verbringen – bereut haben sie die Entscheidung nicht. "Besonders begeistert hat mich die internationale Atmosphäre. Mittlerweile habe ich Freunde rund um die Welt", erzählt Milan. Die Erfahrung einer anderen Kultur, Mentalität und Lebensart habe sein eigenes Denken und Handeln in jeder Hinsicht positiv geprägt. Katharina pflichtet ihm bei: "Was ich für mich mitgenommen habe, ist eine gewisse Lockerheit gegenüber Dingen, die ich nicht ändern kann. Die Erfahrung, dass sich vieles einfach auch so ergibt, dass man sich nicht immer nur stressen muss, sondern die Dinge auch mal laufen lassen kann."

Den Auslandsaufenthalt organisieren

Ist die Entscheidung für ein Auslandsstudium oder -praktikum erst einmal gefällt, stellt sich die Frage, wo es hingehen soll. Aber wo anfangen? Milan und Katharina haben es ganz unterschiedlich gemacht. "Die wichtigste Quelle war für mich das Internet", sagt Katharina. "Da gibt es Foren, wo man sich vorab Erlebnisberichte durchlesen und auf erste Ideen kommen kann." So hat Katharina Kontakte zu Studierenden und Absolventen aufgebaut, mit denen sie sich über das Leben in verschiedenen Ländern austauschen konnte. Milan dagegen hat sich direkt an seiner Heimatuni schlau gemacht: "Da mich Mexiko sehr interessierte, habe ich meine mexikanischen Kommilitonen ausgefragt. Darüber hinaus waren die Professoren sowie unser International Office eine gute Anlaufstelle für Fragen und Probleme bei der Organisation."

Eine frühzeitige Planung des Auslandsaufenthaltes ist das A und O

Erste Anhaltspunkte für die Auswahl des Ortes sind meist die eigenen Studienschwerpunkte und Fremdsprachenkenntnisse. Egal, was du machst und wo es hingehen soll – das A und O ist die frühzeitige Planung. "Gerade für Länder außerhalb Europas benötigt man nicht selten ein Visum. Dafür sollte man schon mindestens drei bis vier Monate einplanen, denn die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam", erinnert sich Milan.
 
Es ist also durchaus sinnvoll, bereits im ersten oder zweiten Hochschulsemester mit der Planung der Organisation zu beginnen – obwohl die meisten Austauschprogramme frühestens ab dem dritten Semester greifen. So kann man schon die dringendsten Fragen klären: Kommt für mich ein Austauschprogramm in Frage oder gehe ich als so genannter "Free-mover"? Werden meine Leistungen im Ausland an meiner Heimathochschule anerkannt? Wie finanziere ich den Aufenthalt? Wie sieht es mit meiner Krankenversicherung aus? Und woher bekomme ich eine Unterkunft?

Free-mover: Viele Wege führen ans Ziel

Die Wege ins Ausland sind vielfältig und verworren. Zum einen kannst du dich bei deiner Wunschuni auf eigene Faust bewerben – dann trägst du aber das volle Risiko hinsichtlich Planung und Finanzierung. Bist du knapp bei Kasse und möchtest dennoch nicht auf deine Wahlfreiheit verzichten, bewirbst du dich am besten um ein Stipendium beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) oder bei einer der vielen Stiftungen und Mittlerorganisationen. So bietet zum Beispiel die Fulbright Kommission ihren Stipendiaten neben finanzieller Hilfe auch einen festen Studienplatz an einer beliebigen amerikanischen Universität an. Doch auch als erfolgreicher Bewerber kommst du hier nicht um die Selbstorganisation des Auslandsaufenthalts herum, denn gerade Stiftungen erwarten neben sehr guten Studienleistungen auch eine gehörige Portion Eigeninitiative.

Einfach unkompliziert: Austauschprogramme

Sehr beliebt sind die Austauschprogramme deutscher Unis mit ausländischen Partnerhochschulen. Ansprechpartner ist meist das Internationale Büro oder das Akademische Auslandsamt, das dir bei der Auswahl eines Studienortes hilft und Tipps gibt zur Finanzierung und Herangehensweise. "Ich bin sehr froh, dass ich mich für ein Austauschprogramm entschieden habe", meint Katharina. "Man ist von Anfang an viel besser integriert und bekommt die entsprechende Starthilfe. Auch die Anerkennung der belegten Kurse ist abgesichert."
 
Weil es um einiges unkomplizierter ist als eine individuelle Bewerbung an einer ausländischen Universität, ist das Erasmus-Austauschprogramm der Europäischen Union einer der beliebtesten Wege. Denn als Erasmus-Student profitierst du mehrfach: An der ausländischen Uni entfallen die Studiengebühren und Zulassungsbarrieren, dafür werden Einführungswochen und Sprachkurse angeboten. So genannte Erasmus-Koordinatoren helfen, den bürokratischen Aufwand zu bewältigen. Außerdem wird eine finanzielle Beihilfe von monatlich zwischen 50 und 300 Euro (je nach Kontingent) gezahlt. Die Zahlung nationaler Stipendien kann weitgehend beibehalten werden. Seit seinem Start vor 23 Jahren haben rund 2 Millionen europäische Studierende durch ein Erasmus-Studium internationale Erfahrungen gemacht.

Lernen für das Leben und den Beruf

Das Pendant zu Erasmus war auf der Seite der beruflichen Bildung bis 2006 das Leonardo Da Vinci-Programm. Mittlerweile sind beide Teil der EU-Lifelong-Learning-Initiative. Leonardo unterstützt Absolventen bei der Finanzierung eines Unternehmenspraktikums im europäischen Ausland – aktive Hilfe und Beratung bietet das Programm jedoch nicht. Willst du außerhalb Europas Berufserfahrung sammeln, so sind Studentenorganisationen wie AIESEC (BWL/Geistes- und Sozialwissenschaften) oder IAESTE (Naturwissenschaften/Technik) eine gute Adresse, denn deren Beratung ist – im Gegensatz zu den meist gebührenpflichtigen Praktikumsvermittlungen im Internet – für Studenten zunächst kostenfrei. Wer aber wirklich auf den Vermittlungsservice von AIESEC zurückgreift, muss für die Verwaltung, ein Vorbereitungs- und ein Nachbereitungsseminar insgesamt 350 Euro bezahlen. Wer weder Studium noch Praktikum im Ausland absolvieren möchte, dem seien schließlich die Sommersprachkurse des DAAD empfohlen.

Das nötige Kleingeld für den Auslandsaufenthalt

Ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Vorbereitung eines längeren Auslandsaufenthalts ist die Finanzierung. Studiengebühren, ein höherer Krankenversicherungssatz oder eine private Zusatzabsicherung, höhere Lebenshaltungskosten und die Reisekosten – ein Glück, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, die Ausgaben gering zu halten. Zusätzlich zu den Beihilfen eines Austauschprogramms lohnt es sich in jedem Fall, Auslands-BAföG zu beantragen. Das greift oft auch dann, wenn du im Inland kein BAföG beziehst.
 
Den Antrag stellt man am besten sechs Monate vorher bei den für das Zielland zuständigen BAföG-Ämtern. Aber Achtung: Diese Regelung bezieht sich nur auf Auslandsstudien (ab einer Dauer von sechs Monaten) und -praktika (ab drei Monaten) in Europa. Alternativen dazu sind Stipendien oder Bildungskredite. Nicht selten bieten auch die Heimatunis Studienbeihilfen, meist als einmaligen Zuschuss für Mehraufwendungen im Ausland.

Suchst du noch oder wohnst du schon?

So richtig heimisch fühlen kann man sich im Ausland erst mit einem festen Dach über dem Kopf. Aber auch über Austauschprogramme wie Erasmus hast du normalerweise keinen Anspruch auf einen Wohnheimplatz. Darum solltest du dich schon bei der Bewerbung an der ausländischen Hochschule um ein Zimmer kümmern. Die meisten Universitäten fragen in ihren Unterlagen bereits nach, ob du eine Unterkunft benötigst, und vermitteln gegebenenfalls WG-Zimmer. Wer lieber auf eigene Faust nach privaten Wohnungen suchen möchte, der wird an den Schwarzen Brettern der Gastuni oder im Internet, zum Beispiel bei Housing Anywhere, fündig.
 
Zugegeben: Aller Anfang ist schwer. Deshalb schieben viele Auslandsaspiranten die Planung zu lange auf. Je früher du dich aber im organisatorischen Dschungel zurechtzufinden versuchst, desto entspannter kannst du anschließend in die Ferne aufbrechen.

Auslandserfahrung aus Unternehmenssicht

Nicolet Eglseder von Bosch und Dr. Daniela Favoccia von Hengeler Mueller geben Auskunft über interkulturelle Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf.

Bevorzugen Sie Bewerber mit Auslandserfahrung? Wenn ja, warum?

Nicolet Eglseder: Ja, Auslandserfahrung ist eine zwingende Voraussetzung für unser Trainee-Programm, da die Bewerber üblicherweise eine Station ihres Programms in einer unserer ausländischen Dependancen verbringen. Außerdem sammelt man nur über einen längeren Auslandsaufenthalt viele zusätzliche Erfahrungen, die gerade beim Berufseinstieg eine große Rolle spielen. Dabei geht es uns vor allem um Sozialkompetenz wie interkulturelle Kenntnisse, Mobilität, Einsatzbereitschaft in anderen Ländern und Flexibilität. Es zeigt uns auch, dass sich der Bewerber einer ganz neuen, für ihn fremden Kultur ausgesetzt und dabei über den eigenen Tellerrand geschaut hat.

Daniela Favoccia: Wir sehen Auslandserfahrung im Lebenslauf sehr gern, bevorzugen Bewerber mit längeren Auslandsaufenthalten aber nicht. Für uns spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: Neben der Persönlichkeit achten wir sehr stark auf die Papierform des Bewerbers, das heißt vor allem gute Zeugnisse und was jemand sonst noch gemacht hat, wie eine Promotion oder die Tätigkeit bei einer Unternehmensberatung oder in einem Unternehmen. Hat man schon einmal einen längeren Aufenthalt im Ausland verbracht, zum Beispiel innerhalb der Referendariatszeit oder während eines LL.M.-Studiums, zeigt das die erforderliche Flexibilität und Offenheit, die man später im Beruf braucht. Wir honorieren es auch mit einer höheren Vergütung, wenn jemand sich schon während seiner Ausbildung die Investition getätigt hat, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Das ist aber auch der einzige Unterschied. Das gleicht sich später wieder aus, sobald Bewerber, die noch keine zwölf Monate im Ausland studiert oder gearbeitet haben, für uns für ein Jahr ins Ausland gehen. Dabei arbeiten sie in unserem Büro in London oder im Büro von befreundeten Kanzleien in England oder Amerika. Das passiert in der Regel nach drei Jahren.

Worauf legen Sie in Bezug auf Auslandserfahrung bei den Bewerbern den größten Wert?

Daniela Favoccia: Da sind wir offen. Die meisten unserer Bewerber haben ihr Studium im Ausland verbracht, aber natürlich gibt es auch Kandidaten, die für längere Zeit bei einer ausländischen Firma oder Kanzlei gearbeitet haben. Die geforderten interkulturellen Erfahrungen sammelt man bei beiden Varianten.

Nicolet Eglseder: Die Hauptsache ist, dass Bewerber im Rahmen ihres Studiums oder eines Praktikums Auslandserfahrung gesammelt haben. Ob Studium oder Praktikum, dies spielt nur eine untergeordnete Rolle, das heißt, wir würden niemanden bevorzugen, nur weil er oder sie ein Praktikum statt eines Studiensemesters im Ausland absolviert hat.

Wie bewerten Sie die verbreitete Meinung, Auslandserfahrung sei das Ticket für den Job? Glauben Sie, dass dies eine Spirale in Gang setzt, nach der in wenigen Jahren nur noch diejenigen mit den spektakulärsten Erfahrungen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen?

Nicolet Eglseder: Grundsätzlich sehe ich Auslandserfahrung nicht automatisch als Job-Ticket und finde, dass der Auslandsaufenthalt allein im Allgemeinen überbewertet wird. Für eine erfolgreiche Bewerbung ist immer das Gesamtbild ausschlaggebend. Das bedeutet: Inwiefern erfüllen die Bewerber so genannte harte Kriterien wie Ausbildung, Noten, Studienzeitraum, Hochschule und praktische Erfahrungen? Bringen sie außerdem Soft-Skills wie Präsentationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Konfliktstärke und Teamfähigkeit mit? Gerade für letztere ist das Ausland eine gute Schule. Letztlich glaube ich, dass die Aussagekraft eines Auslandsaufenthalts mittlerweile abgenommen hat. Gab es früher kaum Studienplätze an ausländischen Hochschulen, so ist es heute selbstverständlich, dass die Studierenden während ihres Studiums mindestens einmal im Ausland gewesen sind. Aber ich möchte auch Mut machen: "Spektakuläre Erfahrungen" werden so schnell keine Rolle für den Berufseinstieg spielen, denn seine Soft-Skills kann man überall gleich gut trainieren.

Daniela Favoccia: Ich glaube auch nicht, dass Auslandserfahrung das Ticket für den Job ist. Für uns zählt im Übrigen nicht die spektakulärste Erfahrung, sondern der Gesamteindruck, den ein Bewerber hinterläßt. Dazu gehören neben der Auslandserfahrung auch die Persönlichkeit, Offenheit und Flexibilität für Neues und eben auch die exzellente Papierform. Sicherlich ist aber jemand leichter vielfältig einsetzbar, der schon mal im Ausland war und die entsprechende Sprache spricht. Vieles läuft ja heute ausschließlich auf Englisch, insbesondere im Bank-und Kapitalmarktrecht. Generell denke ich daher schon, dass man mit Auslandserfahrung seinen Marktwert verbessert. Sie bleibt aber ein Add-on und ist nicht das allein entscheidende Auswahlkriterium.

Welche Länder im Lebenslauf sind für Sie am interessantesten?

Nicolet Eglseder: Da gibt es bei Bosch keine Gewichtung. Ich gehe davon aus, dass jeder Bewerber, der für längere Zeit im Ausland war, interkulturelle Kenntnisse mitbringt – und die werden überall auf der Welt gebraucht. Zudem bereiten wir unsere Mitarbeiter gründlich auf ihren Auslandseinsatz vor. Bosch hat Standorte in fast allen Ländern weltweit. Bei uns können erfolgreiche Bewerber in China, Indien, Japan, oder Brasilien ebenso arbeiten wie in Russland, Tschechien oder Schweden – um nur einige wenige zu nennen.

Daniela Favoccia: Da ein ganz großer, wenn nicht sogar der überwiegende Teil der Tätigkeit eines Anwalts in einer internationalen Wirtschaftskanzlei heute in Englisch erfolgt, sind für uns ganz klar die englischsprachigen Länder wie USA oder Großbritannien vorrangig. Das heißt aber nicht, dass die Bewerber diese Erfahrung schon mitbringen müssen. Auch Aufenthalte in anderen Ländern sind interessant. Wir schauen generell, wenn wir jemand ins Ausland entsenden, welche Sprachkenntnisse oder kulturellen Interessen sie oder er bereits vorweisen kann. Zunehmend entsenden wir unsere jungen Anwälte im Rahmen von Secondments nämlich auch nach Italien, Frankreich, Spanien, Schweden und sogar Indien und Hongkong. Nicht zuletzt können auch die familiären Bindungen der Kandidaten ausschlaggebend dafür sein, wo sie eingesetzt werden können und wollen.

Schritt für Schritt zum Auslandsjob (Infografik)

Zum Original auf Bild klicken. Quelle: www.allesprachen.at

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