Partner von:

Als Ingenieurin in die IT – deine Karriere ist kein Zufall

Künstliche Intelligenz [Quelle: pexels.com, Autor: Pixabay]

Quelle: pexels.com, Autor: Pixabay

Auf der Überholspur: Dilara Yesilbas ist zugleich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erlangen-Nürnberg und als Doktorandin bei der Continental AG tätig. In beiden Jobs beschäftigt sie sich intensiv mit IT-Fragen – und das, obwohl sie nicht Informatik, sondern Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau studiert hat. Im Folgenden gibt sie Einblick in ihren ungewöhnlichen Lebenslauf.

Durch meinen Enthusiasmus sowie meine Neugierde für Technik und Autos machte ich bereits als Schülerin Ferienjobs in der Automobilfertigung und lernte dabei unterschiedliche Produktionsstufen kennen. Als ich dann vor der Wahl meines Studienfachs stand, wusste ich: Es sollte Technik beinhalten, allerdings wollte ich mich noch nicht spezialisieren. Aufgrund der breiten Einsatzmöglichkeiten im Beruf entschied ich mich für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens mit Schwerpunkt Maschinenbau an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg.

Auch in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen werden IT-Kenntnisse und Grundlagen der Informatik vermittelt. Bereits am Anfang des Bachelor-Studiums wurde ich auf diese Themen aufmerksam und hielt sie für zukunftsrelevant. Weil mich die Inhalte faszinierten, belegte ich im Rahmen der Schwerpunktfächer möglichst viele IT-Kurse. Dazu sollte auch mein erstes Fachpraktikum passen, das ich im Bereich E-Commerce bei der BMW Group in München absolvierte. Danach folgten Erfahrungen in eher klassischen Ingenieurbereichen, beispielsweise arbeitete ich als Werkstudentin im Bereich Elektronik bei der Continental AG. Währenddessen blieb die Nähe zur IT weiterhin durch meine Arbeit als hilfswissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl bestehen.

Auslandserfahrung: Bereicherung auf mehreren Ebenen

Nachdem ich bereits im Bachelor ein Semester in San Diego in den USA studiert hatte, wollte ich im Master noch einmal ins Ausland – dieses Mal jedoch, um Berufserfahrung zu sammeln. So arbeitete ich bei Bosch in Penang, Malaysia im Bereich Car Multimedia. Aus den unterschiedlichen Erfahrungen während meines Studiums habe ich nicht nur grundlegendes Fachwissen mitgenommen, sondern auch meine interkulturelle Kompetenz ausgebaut. Diese ist meiner Meinung nach eine wertvolle Erfahrung fürs Leben und um den eigenen Horizont zu erweitern. Zugleich ist interkulturelle Kompetenz eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Karriere. Wer die Möglichkeit hat, eine bestimmte Zeit im Ausland zu verbringen, sollte diese Chance unbedingt ergreifen.

Promotion in der Industrie oder an der Uni? Warum nicht beides?

Beim Schreiben meiner Bachelor-Arbeit merkte ich, dass mir das wissenschaftliche Arbeiten großen Spaß bereitet und ich nach meinem Master promovieren möchte. Mit meiner Forschung möchte ich einen wertvollen Beitrag leisten. Das ist mir bereits bei meiner Master-Arbeit in Kooperation mit der Audi AG gelungen. Die Ergebnisse meiner Abschlussarbeit haben nicht nur ihren Weg in die Prozesse des Unternehmens gefunden, sondern auch auf wissenschaftlicher Ebene überzeugt. Das eröffnete mir die Chance auf eine Promotionsstelle an der Universität.

Gleichzeitig wollte ich aber wie im Studium mit möglichst viel Nähe zur Industrie arbeiten. Außerdem war es mein Wunsch, meinen akademischen interdisziplinären Hintergrund im Fach Wirtschaftsingenieurwesen und mein Interesse für IT-Themen in meinem Promotionsvorhaben zu vereinen. Einen Kooperationspartner in der Industrie mit gleichen Zielvorstellungen zu finden war zunächst eine große Herausforderung, zumal ich gleichzeitig Erfahrungen in der Lehre und der universitären Forschung sammeln wollte. Letztendlich fand ich meinen passenden Kooperationspartner.

So arbeite ich derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FAU Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. IT-Management. Gleichzeitig bin ich bei der Continental AG in Nürnberg als Doktorandin im Bereich Automotive IT tätig und beschäftige mich dort mit der Anwendung von künstlicher Intelligenz auf ausgewählte Optimierungsprobleme in Industrieunternehmen. In meiner Doktorarbeit befasse ich mich speziell mit dem Thema Deep Learning für Bilderkennung.

An der Universität betreue ich verschiedene Lehrveranstaltungen zum Thema Wirtschaftsinformatik. Dazu gehören sowohl Seminare für Bachelor-Studierende als auch Master-Vorlesungen. Bei meinen Lehrveranstaltungen lege ich besonderen Wert darauf, dass meine Studierenden Fähigkeiten erwerben, die für das spätere professionelle Arbeitsumfeld erforderlich sind. Weiterhin betreue ich zahlreiche Bachelor-, Projekt- und Master-Arbeiten. Dabei finde ich es insbesondere spannend, zusammen mit Studierenden einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand zu verschiedensten relevanten Themen zu gewinnen.

Künstliche Intelligenz beeinflusst nahezu alle Bereiche

Der Vorteil einer Industriepromotion ist die direkte Rückmeldung beim Einsatz von wissenschaftlichen Theorien in der Praxis. Beispielsweise hatte ich bei Continental die Möglichkeit, ein von mir selbst erstelltes Training zum Thema "Artificial Intelligence" an verschiedenen Unternehmensstandorten durchzuführen. Dies war eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig eine der wertvollsten Erfahrungen für mich. Das Training und der daraus entstehende Austausch mit erfahrenen Mitarbeiter:innen hat die praktische Relevanz meiner Forschung bestätigt. Wenn solche Projekte im Unternehmen mit semesterbedingter höherer Arbeitslast an der Uni zusammenkommen, können die Arbeitstage schon mal länger werden. Man kann sich also vorstellen, dass eine Industriepromotion manchmal eine Doppelbelastung sein kann.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt und ist in vielen Bereichen unseres Alltags sowie der Geschäftswelt angekommen. Im Gegensatz zur Industrialisierung wirkt sich künstliche Intelligenz auch auf bisher schlecht automatisierbare Bereiche aus. Aus diesem Grund halte ich es für essenziell, dass jede:r – egal in welchem Bereich – zumindest grundlegend mit dieser Thematik vertraut ist. Eine Herausforderung für die Zukunft ist die verantwortungsbewusste Verknüpfung von Menschen und künstlicher Intelligenz zu einer "hybriden Intelligenz", um für die Gesellschaft größtmöglichen Nutzen zu schaffen.

Karriere wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst

An die Leser:innen meines Erfahrungsberichtes möchte ich Folgendes weitergeben: Die Auswahl des eigenen Themenschwerpunktes hat großen Einfluss auf die Karrieremöglichkeiten. Wer auf Zukunftsthemen und Wachstumsbereiche setzt, wird es im beruflichen Umfeld wesentlich leichter haben als andere.

Zur Illustration ein naheliegendes Beispiel aus der Automobilbranche: Der Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität ist auf politischer und gesellschaftlicher Ebene eingeleitet, was tiefgreifende Veränderungen nach sich zieht. Für Studierende bedeutet dies, dass sie sich bewusst machen sollten, welche Fähigkeiten in Zukunft gesucht werden und damit entsprechende Karrieremöglichkeiten bieten. So habe ich mich bewusst für die Anwendung von künstlicher Intelligenz auf industrielle Herausforderungen entschieden.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.