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Software Engineering – ein Berufsfeld der Zukunft

Titelbild QAware, Quelle: QAware

Quelle: QAware

Als promovierte Mathematikerin scheint Susanne Apel eine Exotin in der IT zu sein. Doch der erste Eindruck täuscht, denn Mathematik und Software Engineering haben eine ganze Menge gemein. Worin die Gemeinsamkeiten bestehen, warum sie gerne in altem Code gräbt und wie sie sich als Frau in der Informatikbranche fühlt, erzählt sie im Interview.

Du bist promovierte Mathematikerin – wie kamst du zur Informatik?

Im Studium hatte ich Informatik als Nebenfach. Auch während meiner Promotion in der diskreten Geometrie habe ich gecodet, denn ich entwickelte, programmierte und visualisierte einen Algorithmus. Ich war in einem Bereich der Geometrie tätig, der an anderen Unis auch zur (theoretischen) Informatik gerechnet wird. An meinem Lehrstuhl erfuhr ich auch, wie cool Visualisierungen sind und wie sehr sie helfen können.

Nach der Promotion suchte ich eine Beschäftigung im Software Engineering, denn in diesem Gebiet erkannte ich Parallelen zu meiner Sicht auf die Mathematik: Definitionen sind wichtig. Wie ich einen Beweis aufbaue, ist wichtig. Wie formuliere ich eine Aussage, die ich beweisen will, so, dass sie leicht verstanden wird und sich gut in anderen Situationen einsetzen lässt? Denn hier gibt es manchmal Wahlfreiheiten: Man kann z. B. entweder mehr Fälle abdecken oder die Voraussetzungen in einem zu beweisenden Satz einfacher gestalten. Das ist dann eine Abwägungssache.

Das alles passt zum Software Engineering, denn auch dort stellen sich regelmäßig die folgenden Fragen: Welche sind die richtigen Komponenten? Was gehört zusammen? Was bildet eine sinnvolle Einheit? Wie designe ich am besten eine API? Und als Gegenpol kommt die Frage nach der rigorosen Richtigkeit von Aussagen ins Spiel, die man sich beim Schreiben von Beweisen stellt. Die stringente Art, zu argumentieren.

Das alles hilft, um Code schnell erfassen und Probleme im Code sehen zu können – aber auch, um bei Bugs oder Performance-Problemen in einer Anwendung Hypothesen aufzustellen und diese zu bewerten, Hypothesen auszuschließen und Test-Szenarien zu entwickeln. Sowohl in der Mathematik als auch in der Informatik kann ich zwischen konkretem Tun und kreativem Denken abwechseln. 

Bei meinem Berufseinstieg spielte es für mich auch eine Rolle, dass ich im gewählten Berufsfeld eine Zukunft sah. Die Grundfertigkeiten der Informatik ermöglichen es, in verschiedensten fachlichen Bereichen zu arbeiten. Software wird es bis an mein Lebensende geben. Es geht nicht nur um die aktuellsten Technologien, sondern beispielsweise auch darum, die Grundprinzipien eines guten Softwareschnitts zu berücksichtigen. Das war mein Weg in die Informatik. 

Wie sieht dein Arbeitsalltag bei QAware aus?  

Mein Arbeitsalltag hat sich im Laufe der Zeit verändert und ist jetzt gerade nicht ganz QAware-typisch. Früher arbeitete ich Vollzeit an Features – meistens in der Umsetzung, manchmal in der Konzeption. In der Rolle der technischen Chefdesignerin machte ich dann viel mehr Dinge gleichzeitig: mit dem Kunden zusammen den Projektfortschritt gestalten, Bedürfnisse im Team zusammenbringen, technische Lösungen gestalten, Lösungen validieren, Probleme lösen und mich mit allen Beteiligten intensiv austauschen. Klassischerweise sind wir als QAware mit einem eigenen Team mit eigenem Verantwortungsbereich unterwegs. Darin haben wir normalerweise drei Führungsrollen (Projektleitung, Fachlichkeit und Technik).

Im aktuellen Projekt sind wir in einem gemischten Team zusammen mit dem Kunden tätig. Das Ganze ist eine Migration in einer komplexen Anwendungslandschaft. Hier gibt es mehrere Handlungsstränge: Ich stelle gerne Fragen, etwa über das Zusammenspiel mit den anderen Anwendungen in der Landschaft, und verfolge diese in Abstimmung mit dem Kunden weiter. Gleichzeitig treiben wir zusammen die konkrete Implementierung voran und teilen unser Wissen; auch das ist ein explizites Projektziel. 

Wenn du auf deine Erwartungen beim Berufseinstieg zurückblickst: Wurden diese erfüllt und hast du in diesen Bereichen etwas Spezielles gelernt? 

Ich bin mit der aktiven Fragestellung ins Berufsleben gestartet, wie Projekte mit vielen Teammitgliedern funktionieren können. Das habe ich inzwischen in vielen Projekten diverser Größenordnungen gesehen. Die ganze Welt eines modernen, agilen Projektvorgehens war mir vorher komplett unbekannt. 

Nach der Uni hätte ich auch gerne in altem Code gegraben, um damit Probleme zu lösen oder die Welt besser zu machen. Das durfte ich ganz intensiv in meinem letzten Projekt machen. Tatsächlich kann man aus Projekten mit alten Technologien viel lernen: wie es gedacht wurde und welche Entscheidungen gut oder nicht so gut waren. Das kann man auf alles, was kommt, übertragen.

Was war dein bisher interessantestes Projekt?

Sehr spannend war ein 2020 abgeschlossenes Projekt, bei dem ich bald die Rolle des technischen Leads auf QAware-Seite eingenommen habe. Hier waren wir mit sechs Leuten im täglichen Einsatz.

In dem Projekt ging es darum, alte Portal-Anwendungen in die Cloud zu migrieren. Die alten Anwendungen waren in einem in die Jahre gekommenen Technologie-Stack und zusätzlich darauf aufbauenden konzerneigenen Frameworks mit komplexer Aufruflogik und zahlreichen Abhängigkeiten eingebunden.

Unser Programm hat sich darum gekümmert, diese Anwendungen in die Cloud zu heben. Bei der Integration der Cloud-Umgebung in den Konzern konnten wir auf das Vorgängerprogramm aufbauen, das die Kolleg:innen schon erfolgreich mitgestaltet hatten. 

Anfangs verschafften wir uns einen Überblick über die verschiedenen Anwendungen und kategorisierten sie. Im Laufe der Zeit wurden viele davon neu gebaut oder in andere Systeme überführt. Damit hatten wir jedoch kaum zu tun. Unsere Aufgabe war es, für die verbleibenden, zu migrierenden Anwendungen zentral Lösungen zu schaffen und eng mit den sogenannten Coaches zusammenzuarbeiten. So viel zur Grundidee.

Und was haben wir gemacht? Wir haben die alte Anwendungslandschaft angeschaut, sie in Stücke geschnitten, viel Unnötiges weggeschmissen und für den Rest Ersatz geschaffen. Dabei muss man abwägen (oder durch Erfahrung lernen), welche Dinge man vorher untersuchen sollte, weil man Probleme vermutet. Man muss ebenfalls vorab überlegen, welche Probleme knifflig werden könnten und welche man voraussichtlich lösen kann. Aus der zweiten Kategorie gab es einige – das war für mich sehr reizvoll. Diese Probleme sind meist nur in einer der Anwendungen aufgetreten. Dann galt es, sie genau zu untersuchen. Das war für mich wirklich spaßig, weil ich es mag, mir Code anzuschauen, der schon etwas in die Jahre gekommen ist.

Manchmal war es auch anstrengend. Am Schluss haben wir noch eine wirklich harte technische Nuss geknackt. Dieser Moment, an dem man merkt, dass man auf der richtigen Spur ist und irgendwann den Finger drauflegen kann: Das ist super! Wir haben uns gegenseitig sehr unterstützt. Das hilft bei derartigen vertrackten Problemen ungemein. Auch ein offenes Ohr, gute Einordnungen und das Vertrauen unserer QAware-seitigen Chefs haben geholfen.   

Daneben gestaltete ich zusammen mit meinem Kollegen, der die Projektleitung innehatte, und dem Kunden das Vorgehen. Mir war es dabei immer wichtig, offen, direkt und ehrlich zu kommunizieren und verschiedene Bedürfnisse bestmöglich zu integrieren.

Wie erlebst du als Frau die Informatikbranche?

Das erlebe ich unterschiedlich. Mir fällt immer mal wieder etwas auf, bei dem ich anders behandelt werde als meine männlichen Kollegen. Meiner Erfahrung nach wird es angenehmer, sobald mehr Frauen da sind. Ausgehend von meinen Beobachtungen habe ich mich vor einigen Jahren intensiv mit der unterschiedlichen Behandlung von verschiedenen Geschlechtern oder Gendern auseinandergesetzt. Das fand ich sehr hilfreich, denn: Sich theoretisches Wissen anzueignen, hilft ungemein dabei, Situationen einzuordnen.

Zum Beispiel gilt bei Ausschreibungen tendenziell: Männer bewerben sich auch dann auf Stellenanzeigen, wenn sie nicht alle oder nur wenige der aufgeführten Fähigkeiten erfüllen. Frauen verzichten dagegen auf eine Bewerbung, wenn sie nicht alle geforderten Skills mitbringen.

Wenn man das weiß, kann man sich auch bewerben, wenn man etwas weniger erfüllt. Zudem ist es super, wenn man die Leute kennenlernen kann, z. B. auf (virtuellen) Messen, Meet-ups etc. Ich habe durch die Veranstaltungen von e-fellows.net angefangen, Events zu besuchen, bei denen ich Firmen und vor allem die Mitarbeiter:innen kennenlernen konnte. 

Was empfiehlst du anderen Quereinsteiger:innen, die in der Informatik Fuß fassen möchten?

Zur QAware kommen, besonders seitdem es das Quereinstiegs-Programm gibt ;-). Du kannst selbstbestimmt lernen und die Themenschwerpunkte setzen, die dich weiterbringen. Dabei wirst du auch begleitet (z. B. von mir als agiler Lerncoachin), damit du dir für dich passende Ziele setzt. 

Wenn ich noch einen Moment nachdenke und das mit anderen Modellen vergleiche, fällt mir noch auf: Bei QAware gibt es wirklich viele sehr kompetente und sehr hilfsbereite Kolleg:innen. In anderen Quereinstiegs-Programmen ist man vielleicht nur in einem Projekt tätig. Hier kann man unter anderem durch das Projektgeschäft auch viele verschiedene Technologien und Projekt-Setups kennenlernen.

Wir begreifen uns als Firma, bei der wir alle – ob Quereinsteiger:in oder nicht – immer Neues lernen. Und bei der alle ihren eigenen (Lern-)Pfad finden können. 

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