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Vom Physiker zum Entwickler für Cloud-Systeme

Titelbild Cloud Computing, Quelle: IAV

Quelle: IAV

Schon in der Schule hatte Christian Steiner ein Lieblingsfach: Physik. Dabei blieb er auch lange. Erst kamen der Leistungskurs und das Physikstudium, dann die Doktorarbeit. Heute arbeitet Christian als Entwickler für Cloud-Systeme beim Tech Solution Provider IAV. In diesem Beitrag berichtet er, wie es zu diesem Quereinstieg kam und was ihn an seinem Arbeitsalltag in der Automotive-Branche fasziniert.

Ich arbeite seit vier Jahren als Entwicklungsingenieur bei IAV, einem der weltweit führenden Engineering-Partner der Automobilindustrie. Wobei der Begriff "Cloud-Entwickler" besser passt, denn wir bauen Cloud-Systeme für unsere Kund:innen auf. Dafür nutzen wir eigene Server oder große Plattformen wie die von Microsoft, Amazon oder Google.

Cloud-Lösungen sind aktuell in aller Munde – speziell, wenn es darum geht, immer größere Datenmengen zu beherrschen. Immer vielfältigere Anwendungsfälle profitieren davon, in der Cloud große Speicher- und Rechenkapazitäten elastisch zu skalieren und das Ganze weltweit zur Verfügung zu stellen. In diesem aufstrebenden Arbeitsfeld habe ich einen unglaublich spannenden Job; doch dass ich einmal Softwareentwickler werde und cloudbasierte Lösungen programmiere, war gar nicht mein Plan gewesen. Letztendlich bin ich fachlicher Quereinsteiger, denn ich komme nicht direkt aus der Informatik, sondern aus einem anderen MINT-Bereich.

Den Anfang bildete die Physik

Seit der Schule war ich begeistert von Physik. Es war also früh klar, dass ich dies auch studieren würde. Dass ich während meines Studiums an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg dann auch das Programmieren lernte, hatte verschiedene Gründe. Zum einen konnte ich als Physikstudent in einem nicht-physikalischen Nebenfach über den Tellerrand der klassischen Naturwissenschaft blicken: Das war bei mir Informatik. Parallel dazu hatte ich seit dem Grundstudium das Fach Computerphysik. Physiker:innen lernen hier zu programmieren, um komplexe physikalische Probleme lösen zu können. Zum Beispiel, wenn es darum geht, große Datenmengen auszuwerten oder komplexe Differentialgleichungen zu lösen. Diese beiden Fächer – Informatik und Computerphysik – haben mir ein gutes Fundament für den Einstieg in die IT-nahe Wirtschaft gegeben.

Forschung oder Wirtschaft? Beides!

Nach meiner Doktorarbeit stand ich vor der Überlegung: Bleibe ich in der Wissenschaft oder nicht? Ich entschied mich dafür, etwas Neues zu machen, und suchte nach einem passenden Job. Auf einer Karrieremesse lernte ich IAV kennen. Was mich sofort faszinierte, war das Thema Mobilität der Zukunft in Verbindung mit großen Datenmengen. Also: Wie können wir mit IT-Lösungen die Mobilität von morgen gestalten? Bei einem Tech Solution Provider wie IAV befindet man sich an einer spannenden Schnittstelle: Auf der einen Seite gibt es die reinen IT-Konzerne, auf der anderen Seite die Fahrzeughersteller. In der Mitte sitzen wir und überlegen, wie wir IT-Lösungen so erstellen oder verändern können, damit sie für die speziellen Anforderungen der Automobilindustrie nutzbar werden.

Natürlich fragte ich mich zunächst, ob ich als Physiker überhaupt in diese Branche passe, selbst wenn ich Informatik-Kenntnisse im Gepäck habe. Doch mein Ansprechpartner und damaliger Teamleiter sagte: „Wir brauchen zuallererst Leute, die analytisch denken und kreative Lösungen finden können.“

Ich stellte schnell fest, dass ich bei IAV auch nicht mehr zwischen Forschung und Wirtschaft entscheiden musste. Ich habe in der Promotion schon sehr interdisziplinär gearbeitet, und auch hier sitze ich mit Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen an einem Tisch. Gerade wenn es darum geht, neue Lösungen zu finden, knobeln wir gemeinsam an Ideen. Das ist etwas sehr Schönes und Erfüllendes.

Ein global agierendes Unternehmen und ein Standort mit Start-up-Charakter

Ich arbeite am IAV-Standort Nürnberg. Das ist ein kleinerer Standort mit rund 30 Mitarbeiter:innen. Dass wir nicht so viele sind, gibt dem Ganzen eine Start-up-Atmosphäre. Das und das spannende Thema, an dem wir hier als Team arbeiten, gefällt mir sehr.

Wir haben verschiedene Tätigkeitsgebiete. Einerseits implementieren wir das Backend für unsere Cloud-Systeme in gängigen Programmiersprachen, nutzen und modifizieren die bestehenden Cloud-Plattformen, oder wir erstellen die Cloud-Lösung über "Infrastructure-as-Code". Für unsere Kund:innen können wir so passgenaue Lösungen für ihre Probleme erstellen.

Das Entwicklungsumfeld: Automotive Agile

Wir arbeiten – genau wie in der Softwareentwicklung üblich – in einem agilen Entwicklungsumfeld. Allerdings würde ich es eher "Automotive Agile" nennen, weil unsere Arbeitsweise in vielen Fällen speziell auf die Anforderungen der Automobilbranche zugeschnitten ist. Der Grundturnus ist aber in den meisten unserer Projekte ein Zwei-Wochen Sprint mit den üblichen agilen Meetings, wie Sprint-Planning, -Review, -Retro und unser tägliches Daily. Dadurch können wir zügig auf ein Ziel hinarbeiten und uns regelmäßig Feedback von unseren Kund:innen abholen. So erreichen wir die für unsere Auftraggeber:innen beste Lösung, indem wir flexibel auf Änderungen der Anforderungen reagieren können.

Der Arbeitsalltag eines Cloud-Entwicklers

Mein Arbeitsalltag beginnt morgens immer mit einem Meeting: Das Daily ist ein lockeres Zusammenkommen, bei dem wir besprechen, was ansteht. Danach stehen entweder weitere Meetings an, oder wir arbeiten an unseren konkreten Aufgaben weiter. Die Hauptaufgabe ist natürlich das Entwickeln von Source Code. Hinzu kommen Reviews, Tests, Dokumentationen, Konzepte oder auch mal Präsentationen.

Freitags finden wir uns noch mal alle zusammen und lassen die Woche Revue passieren. Durch diese Meetings befinden wir uns ständig im Austausch. Oft wird in diesem Rahmen um Unterstützung gebeten oder nach Meinungen gefragt. Dann kann das Team direkt die Köpfe zusammenstecken oder ein Anliegen in die nächste Planung aufnehmen.

Volle Teampower

Selbstverständlich ist es nicht so, dass alle alleine vor sich hinprogrammieren und wir uns nur zu den Meetings sehen, ganz im Gegenteil. An den meisten Dingen sitzen wir mindestens zu zweit. Es ist vor allem ein kooperatives Arbeiten.

Auch ganz wichtig: Auf jedes Arbeitsergebnis blicken mindestens zwei Personen. Das bedeutet: Wenn jemand einen Code fertig geschrieben hat, muss im Anschluss noch mindestens eine weitere Person draufschauen. Das macht man am besten, indem man sich gegenseitig zeigt, was man programmiert hat, wie z. B. beim Pair Programming.

Zusammenarbeit mit Studierenden

Gerne holen wir Studierende mit an Bord und integrieren sie in unser Team. Dazu stellen wir Studierendenteams zusammen, die eigenständig Projekte erarbeiten. Für uns haben diese Projekte dann eher Forschungscharakter. Dennoch haben sie eine strategische Richtung: Durch unsere Studierenden bleiben wir technologisch auf dem aktuellen Forschungsstand und können Projektinhalte im Erfolgsfall in unser Portfolio aufnehmen und unseren Kund:innen anbieten. Von den Studierenden bekommen wir immer sehr gute Resonanz – und auch uns als Team macht diese Zusammenarbeit sehr viel Spaß.

Das spannendste Projekt bisher

Alle Projekte, an denen wir arbeiten, sind sehr interessant. Am spannendsten finde ich es jedoch, wenn wir an solchen arbeiten, welche die Mächtigkeit von Cloud-Plattformen zeigen, indem sie ihre volle Power ausnutzen.

In einem Projekt ging es beispielsweise darum, dass eine Simulation von Sensordaten benötigt wurde. Hier ging es um Datenmengen im Petabyte-Bereich. Eine Simulation mit solch unglaublichen Datenmengen funktioniert nicht mehr auf einem einzelnen Computer. Die Lösung liefert hier ein Cloud-System, denn hier können zehntausend Rechenkerne zusammenarbeiten. Somit konnten alle Daten innerhalb von wenigen Tagen durchgerechnet werden. Zum Vergleich: Ein Computer hätte für dieselben Datenmengen mehrere Monate gebraucht. Diese Zeitersparnis durch Rechenpower bringt einen großen Mehrwert, denn das beschleunigt die Entwicklung und Absicherung von Algorithmen. Solche Digitalisierungsprojekte zeigen die ganze Macht von Cloud-Plattformen.

Der Mix macht‘s

Für mich ist es die Kombination aus superspannendem Umfeld, dem Start-up-Flair an unserem IAV-Standort in Nürnberg und dem Konzern als Ganzem, der für mich alle positiven Seiten vereint: Ich arbeite mit Cutting-edge-Technologie direkt an der Schnittstelle zwischen IT und Automobilindustrie und kann aktiv an der Mobilität von morgen mitgestalten. Gleichzeitig habe ich große Entscheidungsfreiheit und kann mit vielen kreativen Köpfen an neuen Lösungen arbeiten. Das alles im Rahmen eines Konzerns, der einen Tarifvertrag, einen Betriebsrat, viele Benefits und eine Wohlfühlatmosphäre hat, in der ich mich gut aufgehoben fühle. Aus all diesen Gründen habe ich den Weg, den ich von der Physik Richtung IT eingeschlagen habe, noch keinen einzigen Tag bereut.

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