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Von innen heraus

Quelle: pixabay.com, dmncwndrlch

Diese fünf Berufseinsteiger:innen haben den Kampf fürs Klima zu ihrem Job gemacht.

Wer für den Klimaschutz kämpfen will, der kann auf Fridays-for-Future-Demos gehen – oder in Unternehmen: Was macht ein Sustainability Advisor beim Ölkonzern BP? Warum arbeitet eine Veganerin bei McDonald’s daran Burger nachhaltiger zu machen? Oder sollte man doch lieber in die Klimaforschung gehen? Fünf Berufseinsteiger:innen darüber, was sie verändern wollen – und wo sie Kompromisse machen müssen.

Die Analytikerin 

"Chemie und Nachhaltigkeit, das sind für mich keine Gegensätze: Im Bachelor habe ich Umweltmanagement an der Justus-Liebig- Universität Gießen studiert, im Master Umweltwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, und inzwischen arbeite ich seit vier Jahren bei Lanxess. Der Konzern hat zwar weltweit rund 15.000 Mitarbeitende, trotzdem kennt uns nicht jeder, weil wir hauptsächlich chemische Produkte für andere Unternehmen herstellen. Wir produzieren zum Beispiel Wirkstoffe für Desinfektionsmittel oder Farbpigmente für die Bauindustrie.

Als Global Product Stewardship Managerin ist meine Arbeit analytisch-technisch. Ich prüfe und bewerte chemische Produkte, die wir herstellen, auf Nachhaltigkeit. Dafür berechne ich unter anderem den CO₂-Abdruck einzelner Bestandteile und überlege gemeinsam mit den anderen Abteilungen, wie wir diese verbessern können. Gerade haben meine Kolleg:innen und ich uns zum Beispiel mit Hochleistungs-Kunststoffen beschäftigt, die im Autobau verwendet werden, um Fahrzeuge leichter zu machen. Anstatt eines fossilen Rohstoffs können wir nun einen erneuerbaren Rohstoff einsetzen, sodass wir eine Menge CO₂ einsparen können. Das klingt jetzt vielleicht nicht besonders aufregend, aber bei großen Produktionsmengen macht das schon einen Unterschied.

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, braucht es junge engagierte Menschen, die in Konzerne gehen, denn dort sind die Folgen ihrer Arbeit weltweit spürbar. In ein paar Jahren möchte ich zurückblicken und sagen: Ich war ein Teil dieser Veränderung."

Der Klimamanager 

"Gern würde ich erzählen, dass ich Greta Thunberg getroffen habe und plötzlich wusste, dass ich Klimamanager werden möchte, doch die Entscheidung war ehrlicherweise ein Prozess. Ich habe im Bachelor und Master Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen studiert und mich auf erneuerbare Energie und CO₂-Bilanzen spezialisiert. Ich wusste auf einmal: Das will ich zu meinem Beruf machen.

Erst habe ich als freier Berater gearbeitet, dann habe ich als Nachhaltigkeitsreferent bei der Dr. Becker Unternehmensgruppe angefangen, einem Unternehmen im Gesundheitswesen. Eine meiner ersten Aufgaben: auf Basis des CO₂-Fußabdrucks konkrete Reduktionsziele zu definieren. Außerdem habe ich eineinhalb Jahre an dem auf Kliniken spezialisierten Programm KLIKgreen teilgenommen und erhielt ein Zertifikat zum Klimamanager.

Heute setze ich die Maßnahmen der Nachhaltigkeitsstrategie um, unter anderem in den Bereichen Energie, Speiseversorgung, Mobilität und Produkte. Ein Beispiel: Ich wollte die Plastikflaschen an unserem Wasserspender abschaffen. Glasflaschen wären eine logische Alternative, aber daran könnten sich Patient:innen verletzen. Dann gäbe es einen Bio-Ersatzstoff aus Zuckerrohr, für den wird aber Regenwaldfläche gerodet. Nun werden es Edelstahl-Flaschen. Diese sind zwar nicht klimaneutral, aber für uns die verhältnismäßig bessere Lösung. Solche Kompromisse gehören für mich dazu.

Wichtig ist es immer, konkrete Ziele zu definieren: Bis 2025 wollen wir beispielsweise den Restmüll halbieren, vollständig faire Textilien einführen, von der Bettwäsche bis zum Handtuch, und 25 Prozent der Treibhausgase mindern. In meiner Zeit hier habe ich gelernt: Es gibt nicht die eine nachhaltige Lösung. Es geht vielmehr darum, dass wir uns schrittweise verbessern und aus Prozessen lernen. Man muss Hygiene- und Sicherheitsvorschriften bedenken, und es braucht Zeit und Geduld, um die Abläufe umzustellen." 

Die Informatikerin 

"Vor zwei Jahren habe ich BWL studiert und bemerkt: Ich will beruflich kein System begünstigen, das den Planeten und Menschen ausbeutet. Deshalb habe ich mich nach dem Abschluss 2020 auf Nachhaltigkeit fokussiert und studiere jetzt Umweltinformatik an der HTW Berlin.

Im Studium lerne ich, wie man Daten verknüpfen kann, um all die komplexen Erdsysteme, wie Biodiversität und Atmosphäre, zu berechnen. In einem Seminar erarbeiten wir zum Beispiel eine Karte, die abbildet, wie gesund die Bäume in Berlin sind, und machen Vorschläge, wie Pumpsysteme die Vegetation verbessern könnten, um Trockenheit zu vermeiden. Andere Studierende haben ein System entwickelt, das den Pegelstand von Flüssen misst und frühzeitig vor Hochwasser warnen könnte. Solche Auswertungen sind besonders für Behörden und Politiker:innen interessant, weil wir durch diese Berechnungen fundierte Handlungsempfehlungen geben können.

"Ich möchte daran mitarbeiten, dass die IT-Branche grüner wird."

Parallel zum Studium arbeite ich seit ein paar Monaten am Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam als studentische Hilfskraft in der Erdsystemanalyse. Dort forschen wir zu den Auswirkungen der Biodiversität, um zu berechnen, wie sich das Ökosystem dadurch verändert.

Für mich war das ein logischer Schritt, denn ich habe das Gefühl, ich kann so noch mehr bewegen. Vor einem Jahr habe ich mit Extinction Rebellion Straßen blockiert. Mit den Students for Future organisiere ich Proteste an meiner Uni und halte Vorträge. In der Zukunft möchte ich daran mitarbeiten, dass die IT-Branche grüner wird. Bei der Herstellung von Computern und Servern werden zurzeit viele seltene Erden und Kunststoffe eingesetzt, sie fressen viel Energie und stoßen CO₂ aus. Das muss man enorm verbessern." 

Der Berater

"Ich wollte wissen, wie ein globales Unternehmen arbeitet, also habe ich nach dem Abi ein duales Studium beim Mineralölkonzern BP angefangen. Erst habe ich einen Bachelor in BWL gemacht, dann einen Master in Management. Ich bin jetzt schon fast zehn Jahre im Unternehmen und habe viele verschiedene Stationen durchlaufen: Logistik, Finanzen, Projektmanagement.

Dann, 2021, habe ich mich im Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert und bin in eine Abteilung gegangen, die an der Dekarbonisierung der Luftfahrt arbeitet, also daran, Treibhausgase zu reduzieren, damit wir die Pariser Klimaziele erreichen. Auch privat leiste ich meinen Beitrag. Meine Verlobte und ich fahren ein Elektro-Hybrid-Auto und essen nur noch wenig Fleisch.

Viele stellen sich bei BP vermutlich einen klimaschädlichen Konzern vor, aber wir stecken mitten im Wandel. Wir wollen bis 2050 oder früher klimaneutral sein und die Welt trotzdem weiterhin mit Energie versorgen. Dafür müssen wir viel tun: Wir wollen unsere Raffinerien umbauen, und unsere Ingenieur:innen arbeiten an nachhaltigen Kraftstoffen, die auch bezahlbar sein sollen. Im Moment müsste eine Airline noch vier- bis sechsmal so viel für Bio-Kerosin zahlen wie für herkömmlichen Treibstoff.

Mein Job ist es, dass nachhaltige Produkte auch für unsere Kundschaft wirtschaftlich sind. Es braucht Leidenschaft und technisches Verständnis, um herauszufinden, was machbar ist. Ich weiß, unsere Verantwortung ist groß, wir müssen viele Probleme lösen, und das ist nicht immer einfach, aber ich wollte auch keinen Schönwetterjob."

Die Strategin 

"Vor fünf Jahren habe ich zufällig eine Doku über Massentierhaltung gesehen und mich dann mit den Folgen für das Klima beschäftigt. Danach habe ich erst auf Fleisch verzichtet, und mittlerweile verzichte ich auf fast alle tierischen Produkte.

Mit meinen Freund:innen spreche ich viel über climate anxiety, also die Angst vor den Folgen der Klimakrise, deshalb wollte ich nicht nur bei Streiks mitlaufen. Nach meinem BWL-Studium habe ich mich für den Master Sustainable Resource Management an der TU München entschieden. Mein Schwerpunkt: Landwirtschaft. Die arbeitet eng mit der Lebensmittelindustrie zusammen. Weil ich nicht nur im Kleinen etwas verändern wollte, ging ich zu McDonald’s. Heute bin ich als Werkstudentin eine von sechs Nachhaltigkeits-Mitarbeitenden. Für ein Projekt arbeiten wir zum Beispiel mit Landwirt:innen zusammen, denn McDonald’s hat keine eigenen Viehbetriebe. Das Ziel: Der Großteil des Fleisches für die Burger stammt bereits von Milchkühen, die nicht extra für die Schlachtung gezüchtet wurden. Wir wollen die Haltungsbedingungen verbessern. Damit hat das Tier einen doppelten Nutzen, und man kann so die Emissionswerte verbessern.

Es reicht nicht, nur nachhaltige Ziele zu verfolgen, sie müssen auch realistisch sein. Denn die Leute werden nicht plötzlich aufhören, Fleisch zu essen, selbst wenn man ihnen Alternativen anbietet."

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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