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Häufige Fragen zu Gehaltsverhandlungen

Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch (Quelle: fotolia, Autor: Knipserin)

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Zum Thema Gehaltsverhandlungen gibt es viele Fragen, die gerade Berufseinsteiger umtreiben. Wann kann ich mein Lohn verhandeln und lohnen sich regelmäßige Jobwechsel tatsächlich? Lies, was verschiedene Gehaltsexperten antworten.

Wann ist der geeignete Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung? Sind Forderungen in der Gehaltsklasse der älteren Kollegen realistisch?

Nick Marten: Eine Vergrößerung des eigenen Leistungs- und Verantwortungsbereichs oder die Übernahme neuer Aufgaben können eine gute Argumentationsgrundlage für eine Gehaltserhöhung sein. Meine Empfehlung: Schreibe dir deine eigenen Leistungen auf und notiere dir auch zusätzliche Aufgaben, die du im Laufe der vergangenen zwei Jahre übernommen hast. Dies ist eine sinnvolle Vorbereitung für deine nächste Gehaltsverhandlung.

Vergleiche dich im Gehaltsgespräch nicht mit deinen Kolleginnen und Kollegen. Stelle deine eigenen Leistungen in den Mittelpunkt und argumentiere dabei sachlich. So kannst du deiner Chefin oder deinem Chef deutlich machen, dass eine Gehaltserhöhung gerechtfertigt ist.

Die Chancen auf eine Gehaltserhöhung sind höher, je besser die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist. Ob du trotzdem eine Gehaltsverhandlung aufnimmst, solltest du davon abhängig machen, wie lange deine letzte Gehaltserhöhung zurückliegt. Wenn diese mindestens 1 bis 1,5 Jahre her ist, empfehle ich dir in jedem Fall einen Termin mit deiner Chefin oder deinem Chef zu vereinbaren. Für dieses Gespräch solltest du dann besonders die Veränderung und Entwicklung deines Aufgabenbereichs seit der letzten Gehaltsverhandlung herausarbeiten. Im schlimmsten Fall wird deine Chefin oder dein Chef deine Gehaltsforderung nicht akzeptieren, doch dann hast du die Gelegenheit genutzt, deine aktuellen Leistungen zu präsentieren und damit eine bessere Ausgangslage für kommende Verhandlungen geschaffen.

Außerdem kannst du das Gehaltsgespräch nicht nur dafür nutzen, um über deine aktuelle Vergütung zu verhandeln, sondern auch, um einen Folgetermin mit deinem Vorgesetzen oder deiner Vorgesetzen zu vereinbaren. Damit umgehst du die Situation, überlegen zu müssen, wie du das Thema Gehaltsanpassung beim nächsten Mal ansprechen kannst.

Kathrin Schnaufer:  Ich sehe es auch als eine Chance, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Denn, selbst wenn dieser aufgrund der wirtschaftlichen Lage gegen eine unmittelbare Gehaltserhöhung argumentiert, so bietet sich für dich die Möglichkeit, konkrete Perspektiven für eine Gehaltserhöhung auszuhandeln. Außerdem kannst du im Gespräch klären, nach welchen Kriterien (Leistung versus Erfahrung/Seniorität) dein Unternehmen Gehaltserhöhungen grundsätzlich vornimmt.

Soll im Anschreiben eine Gehaltsvorstellung angegeben werden? Was passiert, wenn ich trotz erwünschter Angabe, nichts angebe?

Katharina Hain: Grundsätzlich kannst du natürlich von einer Gehaltsangabe absehen. Ich rate jedoch davon ab, da du durch eine fehlende Angabe ggfs. den Anschein erweckst, als seist du unsicher, was du und deine Leistung am Markt wert sind oder als hättest du diesen Wunsch überlesen. Durch eine Gehaltsangabe "disqualifizierst" du dich nur, wenn diese tatsächlich weit außerhalb dessen liegt, was das Unternehmen bereit ist zu zahlen (und dann würdest du dort wahrscheinlich ohnehin keinen Vertrag unterschreiben.) Ich empfehle dir daher in Bezug auf das Gehalt deine Situation, deine Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Anforderungen an die neue Stelle mit der aktuellen Marktsituation abzugleichen und eine Spanne im Anschreiben zu nennen.

Wie kann ich einen möglichen Gender-Pay-Gap vermeiden oder aufdecken?

Remigiusz Smolinski: Vermeiden ist tatsächlich etwas einfacher als aufdecken. Um es zu vermeiden muss man zuerst seinen eigenen Marktwert ermitteln und ihn in Gehaltsverhandlungen konsequent einfordern und durchsetzen. Den Gender-Pay-Gap kann man als Kandidat:in nur sehr schwer ermitteln. Du kannst zwar darauf hinweisen, dass Fairness der Gehaltsstrukturen ein wichtiger Entscheidungsfaktor ist, allerdings wirst du konkrete Datenpunkte höchstwahrscheinlich nicht bekommen. Als Arbeitnehmer:in in einem Unternehmen ab 200 Mitarbeiter:innen hat du seit 2017 den Anspruch zu erfahren, was Kollegen in dem ähnlichen Job verdienen. Diese Information wäre ein mögliches Indiz für einen Gender-Pay-Gap im Unternehmen.

Sind Gehaltssprünge durch regelmäßige Jobwechsel realistischer?

Remigiusz Smolinski: Es passiert extrem selten, dass man innerhalb eines Unternehmens ähnliche Gehaltssprünge erreichen kann, wie bei einem Jobwechsel. Es liegt an der Natur der beiden Prozesse. Ein Jobwechsel ist mit einem Risiko verbunden und dafür ist der neue Arbeitgeber bereit eine Prämie zu zahlen. Die beträgt durchschnittlich ca. 20%, allerdings ist sie am Anfang der Kariere prozentuell etwas mehr und später etwas weniger. Interne Gehaltssprünge sind an Gehaltsbänder gebunden, die deutlich weniger generös sind (oft <10%).

Heutzutage ist es absolut nachvollziehbar alle 3-5 Jahre nach neuen Herausforderungen innerhalb oder außerhalb des Unternehmens zu suchen. Damit gewinnt man an wertvoller Erfahrung und wird auf dem Markt begehrter. Die Zeiten einer gesamten Karriere bei nur einem Unternehmen sind schon längst vorbei.

Katharina Hain: Aus Recruiting-Sicht halte ich "strategische" Wechsel alle zwei Jahre für zu kurz gefasst. Die erwähnten 3-5 Jahre sind ein guter Anhaltspunkt. Sicher darf da auch einmal eine kürzere Station dazwischen sein. Bei Bewerberinnen und Bewerbern, die über einen langen Zeitraum wirklich nur kurze Stationen im CV haben, könnten auch andere Gründe als die finanzielle Weiterentwicklung dahinter stecken.

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