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Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ein frauenfreundliches Arbeitgeberimage bringen solche Programme den Unternehmen auf jeden Fall. Aber was ist mit den Frauen, die bereits bei den Unternehmen tätig sind? An sie richten sich interne Fördermaßnahmen, über die nur wenig öffentlich berichtet wird.

Etwa bei der Commerzbank, bei der es seit den neunziger Jahren als einem der ersten Unternehmen in Deutschland gezielte Frauenförderung gibt. Damit hat sich die Bank von anderen Arbeitgebern abgegrenzt. Der frauenfreundliche Ruf war ein Grund dafür, dass gefragte Bankerinnen sich für einen Job bei der Commerzbank entschieden. Wie etwa Christiane Vorspel, die heute im internen Mentoringprogramm als Mentorin wirkt und als Bereichsleiterin der IT tätig ist. Als sie vor 20 Jahren in den Beruf einstieg, war sie oft die einzige Frau auf Leitungsebene. "Das hat sich geändert. Nicht zuletzt durch Programme wie das Mentoring", sagt sie. "Solche Instrumente schaffen mehr Vielfalt - und zwar auf allen Ebenen."

"Ich habe von dem Programm sehr profitiert", sagt Julia Zingraf. Sie arbeitet als Relationship Managerin der Commerzbank in London und hat gerade am unternehmensinternen Mentoringprogramm für Führungsfrauen teilgenommen. Zwölf Monate lang stand ihr Christiane Vorspel als erfahrene Managerin zur Seite. Die Frauen erarbeiteten einen Fünfjahresplan mit den nächsten wichtigen Zielen für Zinggrafs Karriere, analysierten ihren Lebenslauf und besprachen konkrete Fragen der Mitarbeiterführung.

Mehr als 600 Führungsfrauen haben innerhalb des Unternehmens bereits am Mentoringprogramm teilgenommen. Die Bank bewertet das als Erfolg: Bereits im Sommer 2014 waren rund 28 Prozent Frauen in Führungspositionen, 2015 will man die 30-Prozent-Marke schaffen.

Heute sei es kein Problem mehr, als Mutter eine verantwortungsvolle Führungsposition zu übernehmen, sagt Mentorin Vorspel, die Mutter von zwei Kindern ist. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine der wichtigsten Fragen. Es braucht Vorbilder, die zeigen, dass es geht", sagt sie. Die Unternehmen müssten dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen - für Mütter wie Väter. Problematisch finden die Bankerinnen, wenn das Thema Vereinbarkeit vor allem als Frauenproblem verstanden wird. Das erschwere den Frauen den Aufstieg.

Erst im Sommer 2014 kam eine Studie zu dem Schluss, dass Frauenförderprogramme, die vor allem auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzielen, eher als Karrierekiller für die geförderten Frauen wirken. "Die Frauen stecken in Development- und Coachingprogrammen, während Männer die Jobs bekommen", sagt Petra Seisl, eine der Autorinnen der Studie. Seisl und Andrea Gutmann, zwei Wirtschaftswissenschaftlerinnen, hatten für die Studie Interviews mit 60 Experten, Managern und Personalverantwortlichen über die Wirksamkeit solcher Programme geführt.

Seisl sagt, gefragt seien ganzheitliches Denken und ein Wertewandel in den Unternehmen, den auch die junge Generation immer stärker einfordere. Es fehle eine Just-Do-it-Mentalität. Stattdessen gebe es noch eine zu starke Ausrichtung an Normen, Regeln und formalen Anforderungen. Viele Frauen schafften es nicht einmal ins Mittelmanagement. Fehlen sie hier, können sie sich auch nicht als Kandidatinnen fürs Topmanagement ins Spiel bringen. Dann heißt es: Es gibt keine geeigneten Frauen.

Bankmanagerin Zingraf ermutigt Frauen allerdings, sich mehr zuzutrauen. "Viele Frauen warten darauf, entdeckt zu werden, statt aktiv nach mehr Verantwortung zu fragen." An dieser Stelle sei gezieltes Netzwerken und Mentoring unter Führungsfrauen sehr effektiv.

Eigeninitiative zeigen - das haben Mitarbeiterinnen bei der Linde AG in Pullach bei München gemacht und selbst ein Frauenprojekt ins Leben gerufen. Kaleidoskop-Initiative nennt sich das Programm, an dem Führungsfrauen, Einsteigerinnen und Expertinnen aus den verschiedensten Abteilungen und Ebenen mitarbeiten. Die Frauen organisieren Mittagsstammtische, die der Vernetzung untereinander dienen und bei denen sich die Mitarbeiterinnen austauschen. Die Initiative lädt zudem externe Expertinnen zu Vorträgen ein, die als Weiterbildungs- und Netzwerkveranstaltung für alle Mitarbeiter offen sind. Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Vielfalt in Unternehmen sind die Themen. Nach nur kurzer Zeit hat das Management den Wert der Initiative erkannt und fördert das Projekt. Am Ende profitieren alle im Unternehmen davon.

© ZEIT Online (zur Original-Version des Artikels)

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