Partner von:

Ich Berater, du Jane

Familie Mutter Kinder Frau Erziehung [Quelle: Unsplash.com, Alexander Dummer]

Quelle: Unsplash.com, Alexander Dummer

Viele Frauen treten wegen der Familie im Job kürzer und verdienen wenig. Wie sie ihre Finanzen an besondere Lebenssituationen anpassen.

Jane und Joe nennen die Banker der Schweizer UBS ihre idealtypischen Vertreter weiblicher und männlicher Anleger. Die Banker haben den finanziellen Lebensweg des Duos in einer Grafik verewigt. Sie starten gemeinsam, entscheiden sich aber für unterschiedliche Lebenswege. Und die Frau zieht den Kürzeren. Jane macht wenig aus ihrem Vermögen, sie legt zu sicherheitsorientiert an und kommt nur auf ein Prozent Rendite. Im Alter wird sie, trotz Millionenerbschaft, nicht einmal selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Joe hingegen mehrt fleißig seine Millionen.

Nicht nur in der Fantasie der Schweizer Banker schneidet Jane schlecht ab. Auch aktuelle Rentenreports zeichnen ein düsteres Bild: Frauen haben im Alter weniger Geld zur Verfügung als Männer (siehe Grafik). Westdeutsche Frauen, die heute zwischen 65 und 75 Jahre alt sind, haben im Schnitt nur 28 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt, Männer 41. Und weil Frauen auch während des Berufslebens weniger verdienen, liegt ihre gesetzliche Rente im Schnitt nur bei 685 Euro – 487 Euro unter der der Männer.

Einkommen von Frauen und Männern in Deutschland ab 65 Jahren in Euro

Quelle: WSI-Report

Immerhin wird diese Rentenlücke zusehends kleiner. Mehr Frauen verdienen ihr eigenes Geld, eine bessere Ausbildung und flexiblere Arbeitszeiten machen es ihnen möglich, Familie und Job zu vereinen.

Das macht Frauen auch für die Finanzbranche interessant. Beim Gipfel der Fondsfrauen in Mannheim Ende Januar sitzen auch die Chefs großer Fondshäusern mit auf dem Podium, so Nicolas Moreau von der Deutsche-Bank-Tochter DWS und Alexander Leisten von Fidelity. Janes Schicksal liegt vielen am Herzen, weil sich mit ihr Geld verdienen lässt. UBS-Berater wurden extra geschult, damit sie sich besser auf die Forderungen der weiblichen Kundschaft einstellen können. Die ist nämlich durchaus anspruchsvoll: Das Beratungsunternehmen EY hat bei den Millennials, also den zwischen 1990 und 2000 Geborenen, ermittelt, dass 30 Prozent der Frauen mit ihrer Geldanlage konkrete Ziele verfolgen – etwa das, den eigenen Kindern eine gute Ausbildung zu finanzieren. Wer Kundinnen behalten wolle, solle nicht nur mit der Performance prahlen, rät EY.

"Es dauert, bis man für die Geldanlage jemanden findet, mit dem man auf einer Wellenlänge ist. Aber Vermögenswerte verdienen es, gut behandelt zu werden", sagt Kathrin Eichler, Vermögensverwalterin in Düsseldorf. Die Hälfte ihrer 150 Kunden sind Frauen. Deren Vermögen managt sie von ihrem Büro im bürgerlichen Wohnviertel Niederkassel aus – unter anderem auch in einem eigenen Investmentfonds.

Eichler weiß aus zwei Jahrzehnten als Bankmanagerin bei Privatbanken, dass viele Anlegerinnen sich erst aufraffen müssen, um überhaupt einen Finanzberater aufzusuchen. Und dass sie dann unsicher sind, wenn sie ihm gegenübersitzen. Unabhängige Beratung gegen Honorar sei in der Regel besser als eine vermeintlich kostenlose, bei der Berater an Provisionen von Fonds oder Versicherungen verdienen. Frauen, die fürchten, zu viel zu bezahlen, hilft eine neue EU-Finanzmarktrichtlichtlinie. "Erstmals sind die Gesamtkosten verschiedener Geldanlagen und der Finanzberatung dadurch besser vergleichbar", sagt Eichler.

Fehler gilt es gerade zu Beginn der Anlegerkarriere zu vermeiden. Wird zu viel Geld in renditeschwache, teure und illiquide Anlagen gesteckt, ist das später schwer aufzuholen. Worauf sich Anleger einstellen müssen:

Geldanlage für alle Fälle

Berufseinstieg

Wahlweise ein Riester-Ver-trag, ein Vertrag über vermögenswirksame Leistungen, ein Bausparvertrag oder im besten Fall ein Fondssparplan und eine günstige Risikolebensversicherung liegen auf dem Tisch, wenn sich ein Jobneuling zu seinen Finanzen beraten lässt. Nicht jeder startet gleich so glamourös die Finanzlaufbahn wie die UBS-Beispiele Jane und Joe. Schon mit 24 Jahren haben sie eine Million geerbt und wären damit bei Banken besonders umworbene Kundschaft. Eichlers Rat für eine gelungene Vorsorgestrategie aber würde auch für sie gelten – unabhängig vom Geschlecht: "Sie sollte immer aus drei Säulen bestehen."

Die bis zum Rentenalter bezahlte und selbst genutzte Immobilie wird zum größten Posten. Als Rückzugsort sei sie wichtig und mache unabhängig von der Mietpreisentwicklung. Mieter riskieren eine Kündigung wegen Eigenbedarfs und bekommen mitunter bei steigenden Mietpreisen keine adäquate neue Bleibe. Eichler rät zu Optimismus und Selbstbewusstsein bei der weitreichenden Entscheidung zum Immobilienkauf. Sie versteht nicht, warum selbst viele Gutverdiener so zögerlich sind. Eichler selbst hat kurz nach der Finanzkrise mutig einen gut bezahlten Job als Bankmanagerin aufgegeben, um sich selbstständig zu machen. Eine Immobilie hat sie auch vor Jahren gekauft. "Vermögensbildung bedeutet auch, dass man jetzt die niedrigen Zinsen nutzt und einen Kredit aufnimmt." Dass die Rückzahlung zum Sparen zwingt, sei kein schlechter Nebeneffekt.

Das zweite Finanzpolster sind monatliche Rentenzahlungen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Durch die sollten im Alter die laufenden Ausgaben gedeckt werden.

Als dritter Baustein kommt ein liquides Polster aus Wertpapieren oder Sparguthaben hinzu, das für unvorhergesehene Ausgaben genutzt werden kann. Eichler zählt dazu etwa den altersgerechten Umbau einer Immobilie. Aber in den Jahrzehnten bis zum Ruhestand gibt es manche andere Herausforderung für die Finanzen.

Karrierepause

Wer so früh wie möglich Geld zurücklegt und schon beim Berufseinstieg die langfristigen Ziele im Blick hat, kann sich mitunter wie UBS-Beispielfrau Jane schon mit Mitte 30 eine Auszeit gönnen. Jane lebte ein Jahr lang von ihren Ersparnissen, wer Nachwuchs bekommt, kassiert ein Jahr lang zumindest einen Teil seines alten Einkommens als Elterngeld.

Die Rückkehr in den Beruf aber ist bei Frauen oft holprig. Jane verdiente schon immer zehn Prozent weniger als Joe, bei ihrer Rückkehr in den Job reduziert sie ihre Stundenzahl und fällt beim Einkommen weiter zurück.

Aber Geld ist nicht alles. Eltern haben häufig wegen schlechter Betreuungsmöglichkeiten kaum die Chance, voll zu arbeiten. Eichler hat eine Tochter im Teenageralter und weiß, dass sie als Mutter auch in dem Alter noch gefragt ist. Sie hat Verständnis für Frauen, die in der Familie kostbare Arbeit leisten. Wer aber eine Rückkehr in den Beruf anstrebt, dem rät sie, die aktuell gute Konjunktur zu nutzen. "Jetzt gibt es am Arbeitsmarkt auch die Chance, in Teilzeit zu arbeiten." Es sei auch für die Partnerschaft gut, dass Frauen neben der Familie noch ein Feld haben, in dem sie sich bewähren könnten.

Trennung

Eine Scheidung trifft Frauen, die nicht arbeiten, mitunter finanziell besonders hart. Zwar bekommen sie durch einen Versorgungsausgleich einen Teil der Rentenansprüche des Mannes. Auch ein Teil des Zugewinns an Vermögen, der während der Ehe erzielt wurde, steht ihnen zu. Aber nicht immer reicht das, um ihr ein eigenes Einkommen zu sichern. "Wer mit 55 geschieden wird, muss noch lange auf die Rente warten und wird ohne Vermögen schnell zu einem Fall für Hartz IV", sagt Eichler.

Erbschaft

Als Bankmanagerin hat Eichler viele Fälle erlebt, in denen Frauen plötzlich von Eltern oder einem verstorbenen Partner erbten und mit der Verwaltung des Vermögens überfordert waren. "Der Verantwortung muss man sich stellen", rät sie. Dass eine Gesellschafterin, die Anteile an einem millionenschweren Familienunternehmen geerbt hat, sich lieber weiter einem Teilzeitjob widmet und ihre Gesellschafterrolle vernachlässigt, hält Eichler für falsch. "Sie sollte sich einbringen und – wenn sie das nicht selbst kann– auch hier Beratung in Anspruch nehmen." Es ist wie im Film: Jane fürchtet sich erst vor dem Dschungel, gewöhnt sich dann aber schnell an das neue Leben.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel
Jobletter

Alle 2 Wochen Jobs & Praktika in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren