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"Faire Bezahlung ist gut fürs Image"

Glückliche Frau [Quelle: pexels.com, bruce mars]

Quelle: pexels.com, bruce mars

Die Investorin Natasha Lamb bringt amerikanische Konzerne wie Apple dazu, ihre Gehaltslücken offenzulegen – und zu schließen. Gibt es auch Firmen, die sich verweigern?

Die amerikanische Aktivistin und Investorin Natasha Lamb hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in den USA zu schließen. Apple und Nike haben auf ihre Initiative hin die Gehaltslücke bereits geschlossen.

Sie wollen amerikanische Firmen dazu bringen, Frauen und Männern das gleiche Gehalt zu zahlen. Wie machen Sie das?

Natasha Lamb: Durch Aktionärsaktivismus. Die Idee dahinter ist simpel: Jeder Aktionär hat auf der Hauptversammlung nicht nur ein Stimmrecht. Er oder sie kann auch Anträge einbringen, über die die Aktionäre dann abstimmen. Wenn der Vorschlag mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, muss er angenommen werden. So kann ich als Aktionärin die Unternehmen, in die ich investiere, zu nachhaltigerem, sozialerem Verhalten bewegen. Im Namen der Aktionäre, die wir bei Arjuna Capital betreuen, haben wir bisher 23 Unternehmen in den USA dazu aufgefordert, Zahlen zu ihrer Gehaltslücke offenzulegen.

Was genau erhoffen Sie sich davon? Dass Unternehmen Zahlen zum Gehalt von Männern und Frauen veröffentlichen und dann die Lücke schließen?

Es kann auch andersherum laufen: Die Unternehmen gleichen zuerst die Löhne an und veröffentlichen dann erst die Zahlen. Deswegen kündigen wir unsere Anträge rechtzeitig an und gewähren in den Anträgen lange Fristen. Oft haben die Firmen ein Jahr Zeit, um zu reagieren. Wir wollen ihnen ja nicht schaden, wir wollen sie besser machen.

Und konnten Sie die Mehrheit der Aktionäre für ihr Vorhaben begeistern?

Schön wärs. Wir haben uns als erstes Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley vorgenommen, weil es in der Branche am offensichtlichsten ist, dass Frauen benachteiligt werden. Es gibt kaum Frauen, nicht mal in den unteren Gehaltsstufen. Wir haben mit eBay angefangen. Auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2015 haben nur acht Prozent für unseren Antrag zur Offenlegung des Pay Gaps gestimmt. Das war ein ziemlicher Tiefschlag.

Wie ging es mit eBay weiter?

Im Jahr 2015 sind einige Unternehmen das Thema von sich aus angegangen: Das Software-Unternehmen Salesforce kündigte an, das Pay Gap zu schießen, der Webhoster GoDaddy veröffentlichte einen Bericht zu dem Thema. Im Herbst haben dann wir angekündigt, Anträge auf Offenlegung des Pay Gaps bei neun Tech-Unternehmen einzureichen. Bis zu den Hauptversammlungen im Frühjahr 2016 haben sechs der neun Unternehmen von sich aus reagiert und Zahlen veröffentlicht, darunter Intel und Apple. Also haben wir die Anträge zurückgezogen. Nur bei drei Unternehmen kam es zur Abstimmung – darunter wieder eBay. Und diesmal haben wir 51 Prozent der Stimmen bekommen.

Was hatte sich geändert?

Das Thema wurde nicht mehr nur als eine Frage der Gerechtigkeit, sondern als Frage der Wirtschaftlichkeit betrachtet. Es gibt Firmen, die die Aktionäre beraten, wie sie bei der Hauptversammlung abstimmen sollen. Diese Beraterfirmen haben gesehen, dass einige Tech-Unternehmen den Pay Gap ernst nehmen und dass es schlecht fürs Geschäft wäre, es nicht auch zu tun.

Was haben die Unternehmen davon, die Gehälter anzugleichen?

Zunächst einmal ist es gut fürs Image: Firmen, die sich zu gleicher Bezahlung bekennen, gelten als modern und fortschrittlich. Sie ziehen mehr gut qualifizierte Frauen an und können sie länger im Unternehmen halten. Schauen Sie sich die Studien an: Mehr Frauen in Führungspositionen bedeuteten höhere Renditen, höhere Gewinnspannen, bessere Performance an der Börse. Das müssen auch die sehen, denen die Gleichbehandlung der Geschlechter an sich völlig egal ist.

Das ist das Argument der von Ihnen mitgegründeten Vermögensverwaltung Arjuna Capital: Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit lohnen sich.

Ganz genau. Meine Co-Gründer und ich wollen die Welt verbessern. Aber das ist nicht unser Hauptargument. Es geht um Wirtschaftlichkeit. Früher galt Investment als Nullsummenspiel: Du kannst nur gewinnen, wenn ein anderer verliert – Minderheiten, die Umwelt, Frauen. Dabei verliert bei diesem Denken jeder. Wir denken in Win-Win. Was gut für die Umwelt und die Mitarbeiter ist, ist auch gut für unsere Klienten. Wir achten bei der Geldanlage also auf Themen wie Umweltschutz, soziales Engagement. Die Nachfrage nach dieser Art von Investment steigt gerade sehr.

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